Schulz, B.: Otto Pettersson +
61
der Bedeutung einer internationalen Meeresforschung in den nordwesteuropäischen Meeren und
insbesondere in deren Fischereigebieten derart zu überzeugen, daß König Oskar II. an die
Regierungen der Anliegerstaaten eine Einladung zu Verhandlungen über Gründung einer ente
sprechenden. Organisation ergehen ließ, Nach voıbereitenden Besprechungen in Stockholm im
juni 1899 und in Christiania im Mai 1901 konnte am 22. Juli 1902 in Kopenhagen die kon»
stituierende Versammlung der Internationalen Kommission für Meeresforschung stattfinden. Otto
Pettersson hat dieser Organisation von Beginn an als Vizepräsident, von 1915 bis 1920 als
Präsident und von 1932 an als Ehrenpräsident angehört.
Bereits im Alter von 60 Jahren trat Otto Pettersson von seiner Professur im Stockholm
zurück und konnte sich nun neben der Bewirtschaftung seines Landgutes Holma am Gullmar-
fjord ganz seiner der Meereskunde gewidmeten wissenschafilichen und organisatorischen Tätigkeit
zuwenden. Neben der Entwicklung der Schwedischen Hydrographisch-Biologischen Kommission
galt sein Interesse der Förderung der Methodik ozeanographischer Beobachtungen sowie der Unter«
suchung der periodischen hydrographischen Veränderungen an der bohuslänschen Küste, wozu
die von ihm gegründete hydrographische Station auf der Insel Bornö im Gullmarfjord ideale
Möglichkeiten bot. Mehr und mehr wandte er sich dabei in dem Wunsche nach möglichst weits
reichender Erkenntnis den Ursachen der festgestellten periodischen hydrographischen Schwan:
kungen zu und gelangte von hier aus zu weitreichenden geophysikalischen und kosmischen
Überlegungen, deren Diskussion als noch nicht abgeschlossen anzusehen ist. Von den vielen
Ehrungen, welche Otto Pettersson im Laufe seines Lebens erfahren hat, seien erwähnt die 1928
erfolgte Ernennung zum Ehrendoktor der Universität Kiel und die Wahl zum Ehrenmitgliede
der Geographischen Gesellschaft in Hamburg im Jahre 1923.
Allen, die Otto Pettersson näher kennengelernt haben, wird seine vielseitig anregende und
liebenswürdige Persönlichkeit unvergessen bleiben). B. Schulz.
Kleinere Mitteilungen.
1. Klimatographische Witterungsschilderung. Nr. 155: Deutsch - Ost-
afrika. — Aus der Sammlung des überseeischen meteorologischen Dienstes der
Deutschen Seewarte. — Witterungsverlauf während des Überganges von
der großen Trockenzeit zur kleinen Regenzeit in Kibuku®. Beob-
achtungstag: 30, Oktober 1938.
Während bis zum 20. Oktober bei nebelfreien Sonnentagen wunderschönes
Wetter herrschte, ist seither eine Änderung eingetreten: Nebel — mit geringen
Niederschlägen — und dazwischen nur einige wenige Stunden Sonnenschein.
Da fragt der Kaffeepflanzer sich auch heute wieder besorgt: wie wird das
Wetter? Wird heute der Kaffee in der Sonne trocknen? — Die zweite Nacht-
hälfte zeigte fast klaren Himmel. Die Taubildung war sehr stark, Es tropfte
vom Dach. Auf den Blättern und Blumen der Gartenpflanzen liegen die Tau-
iröpfchen wie ein feiner weißer Hauch, Die Spinnennetze glänzen vom Tau.
Gh; t 13°; ebenso hoch war die tiefste Nachttemperatur, Es ist fast wind-
still. Nur ein leiser Zug aus SE ist bemerkbar. Über uns ist der Himmel klar.
Einige feine faserige Wölkehen in großen Höhen sieht man über vereinzelten
Cu, die über dem Bergmassiv im E stehen. Unter ihnen liegt eine graue dichte
Wolkenbank, die den Rücken des Gebirges in seiner ganzen Länge einhüllt und
1) Ein Verzeichnis der bis 1923 veröffentlichten Arbeiten ist in der anläßlich des 75. Geburts»
tages von O. Pettersson erschienenen Festschrift (Festskrift tillägnad Professor Otto Pettersson
den 12. Februari 1923. Helsingfors 1923) gegeben.
In dieser Zeitschrift sind folgende Veröttentlichungen erschienen:
1898. Zur Metbodık der hydrographischen Forschung. S. 312 —323.
1900. Über die Salzbestimmung im Meerwasser durch Titrierung. S. 500-—504.
1906. Uber die Wahrscheinlichkeit von periodischen Schwankungen in dem Atlantischen Strome
und seinen Randgewässern. S.1—18,
Studien in der Geophysik und der kosmischen Physik. S$. 141—146, 209—219, 255—270.
Bemerkungen zu der Abhandlung: Die atlantısche Vertikalzirkulation von A. Merz und
G. Wüst, S. 64—71. .
*% Wegen der Lage der Pflanzung in Kibuku und weiterer klimatograph. Witirgsschldrg. des
Verf. s. Ann. d. Hydr. usw, 1936 S. 118, 319; 1937 S. 44, 585; 1938 S, 139, 259, 363; 1939 S, 201,
530; 1940 8, 396, 434; 1941 8. 30.