Meereskunde und Erdmagnetismus
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Im vergangenen Jahr wurde erstmalig unter dem Titel „Deutsches
Hydrographisches Institut Ozeanographie 1950“ eine Sammlung von Sonder
drucken auf ozeanographischem Gebiet zusammengebunden und an die
interessierten Stellen des In- und Auslandes versendet. Dieser Versand hat
den Austausch der Institutsbibliothek an wissenschaftlich-ozeanographischen
Arbeiten günstig beeinflußt.
2. Ozeanographie
Auf den Feuerschiffen der Nord- und Ostsee wurden die meereskund-
lichen Beobachtungen fortgeführt und in dem bisherigen Rahmen aufbe-
reitet. Es erfolgte die Zusammenstellung für die Drucklegung, wenn diese
selbst auch noch nicht aus Mangel an Mitteln vorgenommen werden konnte.
Tabelle 3 enthält die Einzelheiten der meereskundlichen Beobachtungen auf
den Feuerschiffen. Auf Feuerschiff „S 2“ wurde im Mai das Vertikal-Log
nach Carruthers angebracht, um Vergleiche mit den Stromkreuzmes-
sungen durchführen zu können.
Die während der ,,Gait.s.s“-f ahrten gesammelten ozeanographischen Be
obachtungen wurden in die Kartei aufgenommen und für die Bearbeitung
des Mittelmeer-Handbuches die Unterlagen vervollständigt.
Die Arbeiten am Gezeitenstromatlas für die Nordsee wurden bis
Ende des Jahres so weit gefördert, daß nunmehr mit der Reinzeiehnung der
Karten begonnen werden kann. Ein Vergleich der von der „Gauss“-Fahrt in
die Hoofden mitgebrachten Gezeitenstrombeobachtungen mit den Angaben
des neu entworfenen Atlasses zeigte eine für praktische Zwecke vollkommen
ausreichende Übereinstimmung. Außerdem wurden für etwa 500 aus eng
lischen Quellen stammende Positionen im Küstenbereich und auf See die
Angaben mit denen des Gezeitenstromatlasses verglichen. Dabei zeigte
sich, daß nur 1 % der Stationen Abweichungen aufwiesen. Der neue Ge
zeitenstromatlas enthält für 1200 Punkte, die gleichmäßig über das Grad-
felcl verteilt sind, jeweils 13 Angaben über den Gezeitenstrom. Von den
ersten Entwürfen wurden Probedrucke angefertigt.
Der Gezeitenstromatlas für die Unterelbe ist zum Druck gegeben wor
den, mit seinem Erscheinen wird im Frühjahr 1952 gerechnet. Der entspre
chende Atlas für die Weser ist in Arbeit.
Im vergangenen Jahr wurden zum ersten Mal wieder eigene Beobach
tungen mit dem Schauf elradstrommesser über eine Registrierdauer
von 210 Tagen gewonnen, davon ist an 10 Stationen länger als 15 Tage beobach
tet -worden. Sämtliche Messungen wurden auf bereitet bis zur Komponenten-
Zerlegung, und von einer Anzahl Stationen wurden die Restströme durch
übergreifende Mittel berechnet und graphisch dargestellt. Diese dienen zur
Untersuchung des Zusammenhanges zwischen Wind und Strom. Außerdem
wurden die Beobachtungen auf den deutschen Feuerschiffen für diese Unter
suchungen herangezogen. Zur vereinfachten Reduktion der Gezeitenstrom
beobachtungen im freien Seegebiet wurde die halbmonatliche Ungleichheit
aus lötägigen Reihen ermittelt, die eine sehr gute Übereinstimmung mit den
nach den bisherigen Methoden erhaltenen Ergebnissen zeigte. Auf Grund
vorliegender Strombeobachtungen vor der nordfriesischen Küste wurden die
Durchflußmengen berechnet, die einen Überblick über die transportierten
Wasser- und Sandmengen liefern. Die Angaben in der Gezeitenkarte im
Handbuch für das Mittelmeer wurden nach clem Randwertverfahren neu
berechnet.