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wurde die Amphitrite-Straße wieder passirt, und von hier führte ein frischer
Westwind die Bark rasch zum Ziele. Am 20. September, nach 12tägiger Reise,
wurde im Bestimmungshafen geankert.
6. Reise der Bremer Bark „Christine“, Kapt. A. Schulze.
Nach Ausweis des möeteorologischen Journals vom Schiffe „Christine“,
welches bei dem Scheitern dieses Schiffes längere Zeit in der Kajüte im
Wasser getrieben hatte, dann aber noch glücklich geborgen und, wenn auch in
etwas beschädigtem Zustande, der Seewarte eingeliefert wurde, befand man
sich am letzten Tage des Jahres 1877 in 49° N-Br und 10° W-Lg. Von hier
aus konnte das nach Honolulu bestimmte Schiff gegen die zunächst angetroffehnen
Westwinde nur langsam Fortschritt. machen; von 47° N-Br an .nahm die Reise
jedoch mit nordwestlichen, weiter südwärts nordöstlich holenden Winden einen
rascheren Verlauf. In 34° N-Br und 21° W-Lg wurde ein heftiger SO-Sturm
überstanden, . in dem das Barometer bis auf 758,2mm sank. Nachdem dieser
Sturm sich gemäfsigt hatte, drehte sich der Wind in der Nähe von 30° N-Br
und. 22° W-Lg von SE nach NE, und hatte man damit anscheinend das Passat-
gebiet erreicht. Sehr bald indessen traten wieder. Störungen auf; in 26° N-Br
und 24° W-Lg herrschte Windstille, südlich davon für längere Zeit südöstlicher
Wind, und nur auf der Strecke zwischen 16° und 5° N-Br wurde einigermafsen
beständiger und ‚frischer Wind aus nordöstlicher Richtung angetroffen..‘ Den
Stillengürtel fand „Christine“ zwischen 3,5° N-Br in 24,3° W-Lg und 2,5° N-Br
in 24,3° W-Lg. Bei veränderlichem leichten nordöstlichen Zuge waren 2 Tage
erforderlich, um denselben zu passiren. Mit dem darauf einsetzenden SE-Passate
wurde am 29. Januar in 26,5° W-Lg der Aequator überschritten. Es waren
40° N-Br in 16° W-Lg am 9. Januar, 30° N-Br in 22° W-Lg am 14. Januar,
20° N-Br in 25,8° W-Lg am 19. Januar und 10° N-Br in 25,7° W-Lg am
23. Januar gekreuzt worden.
‚Im Südatlantischen Ocean herrschte bis nach 18° S-Br in 35,2° W-Lg
ziemlich frischer Passat. In 21° S-Br uud 36,5° W-Lg kam „Christine“ an die
polare Grenze von dessen Gebiet, wurde dann aber noch, indem sie sich in
der. Nähe der Küste hielt, bis nach 28° S-Br in 45° W-Lg von nordöstlichen
Winden begleitet, und auch weiter südwärts blieben die östlichen Winde gegen
die gleichfalls auftretenden südwestlichen überwiegend. Erst im Süden von
44° S-Br fand man längere: Zeit - anhaltende, jedoch nur schwach auftretende
Winde aus südwestlicher Richtung. Am 28, Februar stand. „Christine“, in
61,8° W-Lg auf dem Parallel von 50° Süd. Die Strecke von der Linie bis dort
war in 30 Tagen zurückgelegt und auf derselben 10° S-Br in 32° W-Lg am
3. Februar, 20° S-Br in 36° W-Lg am 7. Februar, 30° S-Br in 46,8° W-Lg am
13. Februar und 40° S-Br in 54,5° W-Lg-am 21. Februar. geschnitten worden.
Am 3. März befand „Christine“ sich in geringer Entfernung vor der Straße
Lemaire. Weil indessen der Wind gerade hier südlich lief, gab Kapt. Schulze
seine Absicht, diese Strafse zu benutzen, auf und wählte den Weg um das Ost-
ende von Staaten Land. Bei mäflsigem Ostwinde wurde am 4. März das Kap
St. John umsegelt und dann ein westlicher Kurs eingeschlagen. Schon am
nächsten Tage. war‘ man in Sicht des Kap Horn; jetzt holte der Wind aber
westlich, und da gleichzeitig ein starker Oststrom angetroffen wurde, konnte in
der nächsten Zeit nur langsam Fortschritt: gemacht werden. Kapt. Schulze
hielt es nun für gerathen, nach Süden zu stehen, wo Sicher ein schwächerer
Gegenstrom zu erwarten war und von wo aus man jeden einsetzenden Südwind
besser ausnutzen konnte. Am 9. März, in 59° S-Br und 70,5° W-Lg, erfolgte
dann auch, nachdem während eines heftigen NW-Sturmes das Barometer mit
745,5mm seinen niedrigsten Stand erreicht hatte, ein Ausschiefsen des Windes
nach SSE, und südliche und südöstliche . Winde führten die.Bark darauf bis
zum 17. März in 91° W-Lg zum Parallel von 50° Süd zurück. 17 Tage waren
südlich desselben zugebracht worden.
. Ungünstiger als die Umsegelung des Kap Horn verlief die Zurücklegung
der Strecke von 50° S-Br zum Aequator, Beständig wehten nordwestliche, und
nordöstliche Winde, und es mufste ganz ungewöhnlich weit nach Norden hin
vorgeschritten werden, bevor man die südliche Grenze des Passatgebiets