Schott, G.: Übersicht der Meerestiefen in einer Weltkarte,
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bloß berechtigt, sondern gemäß Analogieschluß verpflichtet, anzunehmen,
daß die an der einen Stelle tatsächlich ermittelte Form des
untermeerischen Profiles auch für die benachbarten Strecken
gilt, Von diesem Grundsatze, der sich schon hundertfach bei späteren
Messungen als richtig erwiesen hat, weicht aber die große Tiefenkarte an
mehreren Stellen erheblich ab. Eins der deutlichsten Beispiele hierfür liefert
die Isobathenzeichnung an der Ostküste der Philippinen. Zur Zeit des
Entwurfes der Karte war nur eine für das amerikanische Kabel Guam—- Manila
ausgeführte Lotserie verfügbar, die von Osten her unter rund 15*/,° N-Br.
die Ostküste der Philippinen erreicht, und die einen Steilabfall des Landes
zur Tiefsee ergeben hatte, indem z. B. in 100 Sm Landabstand schon 5638 m
Tiefe gefunden war; die Linien gleicher Tiefe drängen sich daher unter dieser
geographischen Breite notwendigerweise eng zusammen, Anstatt nun hieraus
für die nördlich und südlich davon gelegenen Küstengewässer das gleiche,
schroffe Profil abzuleiten, läßt der Zeichner die Isobathen sofort sozusagen
;ausschwärmen«, wo die Lotungen fehlen, fast als sei er froh, dem Zwange
der einen Zahlenreihe entronnen zu sein; er bekommt somit nördlich und
südlich von dieser Breite für die Isobathe von 5000 m einen Landabstand von
250 bis 400 Sm, ohne innere Berechtigung. Daß dem so ist und. die Tiefen-
karte hier unzutreffende Vorstellungen erweckt, kann im vorliegenden Falle
durch inzwischen veröffentlichte Lotungen tatsächlich schon bewiesen werden.
Die in der neuesten »List of oceanic depths for 1904« (London 1905) ent-
haltenen Lotungen des Kabellegers »Colonia« beweisen zur Evidenz, daß der
Steilabfall auch südlich von 15° N-Br, vorhanden, ja fast noch schärfer aus-
geprägt ist; so ist jetzt für 13° 14’ N-Br. und 125° 21’ O-Lg. die Tiefe von
6382 m bekannt, wo .die Monaco-Karte nur rund 500 m (!) gibt, und in 13°
4' N-Br. 124° 52’ O-Lg. ist das Meer immer noch 3586 m tief, während die
Karte weniger als 200 m annimmt!
Wer die Ergebnisse der fortschreitenden Ablotung der großen Meeres-
räume wenigstens in den letzten 10 Jahren schrittweise verfolgt hat, dem
kann nicht entgangen sein, daß, von wenigen besonderen Fällen abgesehen,
die Großformen des Meeresbodens in den weitaus meisten Fällen tiefer sind
als man anzunehmen geneigt war. Es sei an die antarktischen Lotungen er-
innert, ferner an die im südlichen Ochotskischen Meer, an die im zentralen
Indischen Ozean, an‘die. zwischen den zahllosen Koralleninseln des tropischen
Stillen Ozeans usf; Man wird, solange nicht Lotungen das Gegenteil
zeigen, immer am besten fahren, wenn man ausgedehnte Verseichtungen von
nur 2000 bis 3000 m oder noch weniger nicht annimmt, selbst wenn eine
einzelne Lotung eine Untiefe von einigen hundert Metern für eine bestimmte
Stelle ergeben hat: und dies ist der dritte Punkt, in dem der Berichterstatter
mit der in der Monaco-Karte vertretenen prinzipiellen Auffassung vom unter-
seeischen Relief nicht übereinstimmt. Die Monaco-Karte nimmt in den meisten
solchen Fällen an, daß an eine einzelne gemeldete Untiefe weit sich er-
streckende Verflachungen, Schwellen oder Rücken angliedern; ich aber glaube,
daß solche Untiefen, sofern sie überhaupt existieren, vorwiegend ganz lokale
Erscheinungen sind. Hierfür mögen zwei Beispiele von vielen. aufgeführt
werden. Im südlichen Indischen Ozean ist für rund 37° S-Br. und 41° O-Lg.
eine Tiefe von nur 113 m gemeldet; sie ist auch in den englischen sounding
sheets als richtig aufgenommen, Die neue große Tiefenkarte' nimmt nun
diese eine Lotung zum Ausgangspunkt für eine bis zu 400 Sm sich er-
streckende Verflachung, die bis auf die 3000 m-Isobathe einwirkt, Ferner ist
im Stillen Ozean in 5° bis 12° N-Br, und 105° bis 118° W-Lg. aus zwei ganz
ähnlichen Untiefen eine weitgedehnte Anschwellung des Tiefseebodens in der-
selben Weise gefolgert. Ob diese Auffassungen richtig sind, erscheint
zweifelhaft, wenn man sich vergegenwärtigt, daß ähnliche und genau bekannte
Bildungen, wie z. B. die Seine-Bank, Concepecion-Bank u. a. m. (im Atlantischen
Ozean) nur eine horizontale Ausdehnung von wenigen Seemeilen aufweisen.
In diesen Punkten, wie gesagt, dürften die meisten der ozeanographischen
Fachgenossen die hier vertretene erundsätzliche Anschauung, welche von der