Kleinere Mitteilungen,
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so fällt die Verschiebungsbahn des Druckfallgebiets bzw. Drucksteig-
gebiets nicht mit der Stromrichtung irgendeines Niveaus zusammen.
In beiden Fällen (genauer siehe Karten im „Tägl. Wetterbericht“) ist mit der
Divergenz-Konvergenz-Regel unter Zuhilfenahme der „Guilbert-Groß-
mannschen“ Höhenregel (vgl. Wetterskizzen Nr. 21) eine Erklärung gegeben. Man
wird bemerken, daß sich das Druckfallgebiet nach der Stätte des Höhen-
hochdruckkeiles vom Vortage, das Drucksteiggebiet nach der Stätte
des Höhentiefausläufers vom Vortage verlagert.
Der Prozeß ist so zu denken, daß die durch die Höhenströmungsverhältnisse
erzeugten Bodendruckänderungen nun ihrerseits in solcher Weise das
Höhendruckfeld umgestalten helfen, daß damit eine Verschiebung des Boden-
druckänderungsprozesses (nach Dauer und [oder] Intensität) in strömungs-
querem Sinne erfolgt. Es findet also eine weitgehende Eigensteuerung statt:
Druckwellen treten als „Selbstfahrer“ auf.
Der Ausdruck „Druckwellen“ ist hierbei vielleicht insofern der Einschränkung
bedürftig, als jeweils meist nur ein Teil — Fallgebiet oder Steiggebiet — wohl-
ausgebildet und vom oben geschilderten Verhalten zu sein scheint. Eine Umbildung
der Großwetterlage ist dann gern die Folge. M. Rodewald, Hamburg.
2. Wetterskizzen. Nr. 25: Batumer Starkregen. An der feuchten Gebirgs-
fassade, welche die trocknen Hochplateaus Vorderasiens umrahmt, liegt im Süd-
ostwinkel des Schwarzen Meeres eine besondere Regenecke tropischen Charakters.
In Batum fallen rund 2!/, m Regen im Jahr, wovon die jahreszeitlich über-
wiegenden Herbstregen etwa 88 cm liefern. Tagesmengen zwischen 40 und 80 mm
sind in Batum nicht eben selten. Ein besonders heftiger Regenfall vom September-
anfang 1927 sei hier kurz behandelt, weil der Typus der ostpontischen Schlecht-
wetterlagen darin sehr deutlich zum Vorschein kommt,
Tabelle 1 gibt — nach den monatlichen Witterungsberichten von Tiflis —
die Tagesregenmengen vom 1. bis 10. September 1927, und zwar für die drei
Meßstationen in Batum und zum Vergleich für Achalkalaki, das im gleichnamigen
Hochbecken jenseits der — bis über 3000 m hohen — pontischen Randgebirge
etwa 150 km Luftlinie in Ostsüdost von Batum entfernt liegt.
Tabelle 1. Die Batumer Regenperiode in der ersten Septemberdekade 1927.
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1. |2. |3. | 4 | 5. | 6. 7. | 8. | 9. !10. ' September
Batum I (Seehöhe 92 m)....'— |] ı |64|51 jz22 140 | 23 50 | 3 | — ' mm Niederschl,
Batum II (Seehöhe 70m) ...* 0 | 21 |64!| 50 | 224 |38 | 23 4 3 O0 mm Niederschl.
1 Batum, Hafen (Seehöhe 3 m). — | 8 34 5422161) ml 74! 9 | mm Niederschl.
| Achalkalaki (Seehöhe 1715 m) . 1 — u > 2 hal ' — Imm Niederschl.
Die Regenperiode dauert in Batum etwa eine Woche, Hierbei fallen an den
drei Stationen übereinstimmend innerhalb sechs Tagen 450—451 mm Nieder-
schlag (je km? 450 Mill, Liter!); die Tagesmenge erreicht am 5. Sept. ein
Maximum von 224 mm. Der Tagesdurchschnitt beträgt vom 3. bis 8. Sept. 75 mm
und, wenn man den 5, herausläßt, noch immer 46 mm,
Der Tageswert von 224 mm in Batum wurde nach Angabe des Tifliser Witte-
rungsberichts in den 50 Jahren bis 1927 nur einmal überschritten, und zwar mit
261 mm im August 1885. Über die Auswirkungen des Septemberregens 1927 heißt es:
„Die außergewöhnlich starken Niederschläge, die vom 4. bis 9. September in
Adjarien und den benachbarten Gebieten Guriens beobachtet wurden, verursachten
großen materiellen Schaden: Wege und Brücken wurden zerstört, Gelreidefelder
und Anpflanzungen abgespült, Häuser und Bauten überschwemmt und nieder-
gerissen. Auch sind Menschenopfer zu beklagen.“
In dem nur 150 km entfernten Achalkalaki macht sich die Regenperiode
auch bemerkbar, liefert aber in diesem durch die Gebirge abgeschirmten Hoch-
becken im ganzen nur 17 mm und dauert nur vier Tage; die größte Tagesmenge
(am 6. Sept.) beträgt 7 mm.