Oder
eintrag fand zwischen dem 2. und 8. August statt.
Nach Modellergebnissen des BSH erreichte das
Wasser der Flutwelle um den 30. August den Ein
gang zum Piastowski-Kanal. Nach etwa 2 Wo
chen seit Beginn des Eintrages in das Haff war
das ursprüngliche Wasser des Großen Haffs
durch Flußwasser weitgehend ersetzt worden.
Erst um den 16. August erreichten erste Ausläufer
der Flutwelle den Eingang zum Peenestrom, und
etwa 5 Wochen nach Beginn des Eintrages in das
Haff bestand das Kleine Haff zu etwa 70% bis
80% aus dem Wasser der Flutwelle.
Mit Ausnahme von Nitrat und Silikat waren
die Nährstoffkonzentrationen im Haff nicht son
derlich erhöht. Im Haff wurde nur ein kleiner Teil
der Nährstofffracht durch Algenwachstum in orga
nische Substanz umgesetzt. Aus diesem Grund
waren auch keine Auswirkungen auf die Weich
bodenfauna festzustellen. Die Metallkonzentratio
nen im Wasser waren nicht außergewöhnlich
hoch, und aus einer Palette von 26 häufig auftre
tenden Pestiziden wurden nur zwei nachgewie
sen (Atrazin, 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure).
■ Die Entwicklung in der Pommerschen Bucht
Schon zu Beginn des Ereignisses (am 20.
Juli) fand, wegen des großen Niveauunterschie
des zwischen Haff und Ostsee, ein ungewöhnlich
hoher Ausstrom von Haffwasser statt. Das Was
ser der Oderflutwelle erreichte die Pommersche
Bucht durch die Swina etwa am 30. Juli. Zu er
kennen war dies an dem sehr niedrigen Salzge
halt und den erhöhten Nährstoffkonzentrationen
des in die Ostsee einströmenden Haffwassers.
Anfänglich wurde das Flußwasser für eine sehr
kurze Zeit entlang der pommerschen Küste nach
Osten transportiert. Anfang August drehte der
Wind jedoch auf Nordost, so daß der Swina-Aus-
strom in Zungenform vor der Küste Usedoms in
Richtung Rügen geführt wurde (vgl. Abb. 13). Die
Ergebnisse der numerischen Ausbreitungsbe
rechnungen des BSH bestätigen die aus Stations
messungen abgeleiteten Verteilungsbilder. Die
meteorologische Situation im August sorgte
dafür, daß sowohl aus der Pommerschen Bucht
als auch aus der Danziger Bucht kein belastetes
Wasser in die zentrale Ostsee gelangte.
Die Nährstoffkonzentration in dem vom
Flußwasser angereicherten Teil der Pommer
schen Bucht entsprach der bei Frühjahrshoch
wässern auftretenden Konzentration. Nur Silikat
war erheblich erhöht, was auf die erhebliche
Menge von mineralischen Schwebstoffen im
Flußwasser zurückzuführen ist. Aufgrund der
großen Menge des Flußwassers (ca. ein Drittel
des jährlichen Jahresabflusses) war aber die
Menge der zusätzlich eingetragenen Nährstoffe
sehr hoch (vgl. Tabelle). Die für die Jahreszeit
unüblichen Nährstoffeinträge verursachten eine
beträchtliche Algenblüte. Da das salzarme Fluß
wasser als ca. 6 m mächtige Deckschicht über
dem etwas salzigeren Ostseewasser lag und ei
nen vertikalen Sauerstoffaustausch unterband,
kam es durch den Abbau abgestorbener Plankto
nalgen am Meeresboden zur Schwefelwasser
stoffbildung. Dabei starben große Teile der Mee
resbodenfauna ab. Die zur selben Zeit in der
zentralen Ostsee beobachteten Blaualgen-Blüten
standen in keinem Zusammenhang mit dem
Hochwasser.
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