Meereskunde
biet über Polen transportierte große Mengen
feuchter Luft vom Mittelmeer nach Norden. Beim
Passieren der Gebirgskette, die die polnisch
tschechische Grenze bildet, ging die Luftfeuchtig
keit in drei dicht aufeinander folgenden Unwettern
nieder. Nachdem der erste Niederschlag die
Wasseraufnahmekapazität der Böden gesättigt
hatte, lief das Wasser der zwei nachfolgenden
Unwetter oberflächlich ab und führte im Einzugs
gebiet von Oder und Weichsel zu dramatischen
Überschwemmungen.
Außer den meteorologischen Faktoren
führte an der Oder der Mangel an natürlichen und
künstlichen Rückhalteräumen zu Überflutungen.
Ebenso entstanden Schwierigkeiten bei der Re
gulierung der Abflußmengen aus Stauseen. Mehr
als hundert Menschen verloren dadurch ihr Le
ben. An der Weichsel kam es nur am Oberlauf zu
Überschwemmungen. Im Mittel- und Unterlauf ist
die Weichsel groß genug, um solche Wassermen
gen zu bewältigen.
Wasserstandsmessungen in der Weichsel
zeigten zwei dicht aufeinander folgende Flutwel
len. Die maximalen Abflußraten waren, gemes
sen am Pegel Kiezmark nahe der Weichselmün
dung, 3700 m3/s. Über einen Monat traten mitt
lere Abflußraten von 2500 m3/s auf. Die Werte
überschritten jedoch nicht die mittleren Hochwas
serstände für den Zeitraum 1950 - 1990.
In der Oder waren ebenfalls zwei aufeinan
der folgende Flutwellen zu beobachten. Die Ab
flußraten sind z. Z. jedoch nur vage geschätzt, da
die Pegel überflutet waren und für die Wasser
flußermittlung auf den überschwemmten Flächen
noch keine Berechnungsgrundlagen vorhanden
sind. Die Schätzungen für die maximalen Ab
flußraten am Pegel Krajnik/Schwedt liegen des
halb zwischen 2700 - 3400 m3/s. Sicher ist je
doch, daß alle bekannten Höchstmarken deutlich
überschritten wurden.
In Verlauf der Überschwemmungen wurden
größere Mengen von Schad- und Nährstoffen
vom Wasser aufgenommen und transportiert.
Nährstoffeinträge kamen hauptsächlich von über
fluteten Ackerflächen, Lagern der Düngemittelin
dustrie und kommunalen Abwassereinrichtungen.
Durch das warme Wetter wurde ein Großteil der
Nährstoffe in Planktonalgenmasse (organische
Substanz) umgesetzt, deren sukzessiver mikrobi
eller Abbau zu Sauerstoffverarmung im Flußwas
ser führte. Metallverunreinigungen entstammten
im wesentlichen überfluteten Industrieanlagen
und Abfalldeponien in den Industriebezirken Ka-
towice-Olkusz und Lubin-Glogow, organische
Schadstoffe den landwirtschaftlichen Einrichtun
gen, Anlagen der chemischen Industrie und
Brennstofflagern.
■ Die Entwicklung im Stettiner Haff
Das Stettiner Haff ist der Übergangsbereich
zwischen der Oder und der Ostsee. Der größte
Teil, etwa 75 %, des aus der Oder einfließenden
Süßwassers verläßt das Haff über die Swina bzw.
durch den schiffbaren Piastowski-Kanal. Jeweils
ca. 10 % fließen über den Peenestrom und die
Dziwna ab. Der Abfluß hängt von der meteoro
logisch verursachten Wasserstandsdifferenz zur
Pommerschen Bucht ab.
Die Hochwasserwelle erreichte das Stettiner
Haff um den 24. Juli 1997, der maximale Wasser
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