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Full text: Jahresbericht 1997

Meereskunde 
biet über Polen transportierte große Mengen 
feuchter Luft vom Mittelmeer nach Norden. Beim 
Passieren der Gebirgskette, die die polnisch 
tschechische Grenze bildet, ging die Luftfeuchtig 
keit in drei dicht aufeinander folgenden Unwettern 
nieder. Nachdem der erste Niederschlag die 
Wasseraufnahmekapazität der Böden gesättigt 
hatte, lief das Wasser der zwei nachfolgenden 
Unwetter oberflächlich ab und führte im Einzugs 
gebiet von Oder und Weichsel zu dramatischen 
Überschwemmungen. 
Außer den meteorologischen Faktoren 
führte an der Oder der Mangel an natürlichen und 
künstlichen Rückhalteräumen zu Überflutungen. 
Ebenso entstanden Schwierigkeiten bei der Re 
gulierung der Abflußmengen aus Stauseen. Mehr 
als hundert Menschen verloren dadurch ihr Le 
ben. An der Weichsel kam es nur am Oberlauf zu 
Überschwemmungen. Im Mittel- und Unterlauf ist 
die Weichsel groß genug, um solche Wassermen 
gen zu bewältigen. 
Wasserstandsmessungen in der Weichsel 
zeigten zwei dicht aufeinander folgende Flutwel 
len. Die maximalen Abflußraten waren, gemes 
sen am Pegel Kiezmark nahe der Weichselmün 
dung, 3700 m3/s. Über einen Monat traten mitt 
lere Abflußraten von 2500 m3/s auf. Die Werte 
überschritten jedoch nicht die mittleren Hochwas 
serstände für den Zeitraum 1950 - 1990. 
In der Oder waren ebenfalls zwei aufeinan 
der folgende Flutwellen zu beobachten. Die Ab 
flußraten sind z. Z. jedoch nur vage geschätzt, da 
die Pegel überflutet waren und für die Wasser 
flußermittlung auf den überschwemmten Flächen 
noch keine Berechnungsgrundlagen vorhanden 
sind. Die Schätzungen für die maximalen Ab 
flußraten am Pegel Krajnik/Schwedt liegen des 
halb zwischen 2700 - 3400 m3/s. Sicher ist je 
doch, daß alle bekannten Höchstmarken deutlich 
überschritten wurden. 
In Verlauf der Überschwemmungen wurden 
größere Mengen von Schad- und Nährstoffen 
vom Wasser aufgenommen und transportiert. 
Nährstoffeinträge kamen hauptsächlich von über 
fluteten Ackerflächen, Lagern der Düngemittelin 
dustrie und kommunalen Abwassereinrichtungen. 
Durch das warme Wetter wurde ein Großteil der 
Nährstoffe in Planktonalgenmasse (organische 
Substanz) umgesetzt, deren sukzessiver mikrobi 
eller Abbau zu Sauerstoffverarmung im Flußwas 
ser führte. Metallverunreinigungen entstammten 
im wesentlichen überfluteten Industrieanlagen 
und Abfalldeponien in den Industriebezirken Ka- 
towice-Olkusz und Lubin-Glogow, organische 
Schadstoffe den landwirtschaftlichen Einrichtun 
gen, Anlagen der chemischen Industrie und 
Brennstofflagern. 
■ Die Entwicklung im Stettiner Haff 
Das Stettiner Haff ist der Übergangsbereich 
zwischen der Oder und der Ostsee. Der größte 
Teil, etwa 75 %, des aus der Oder einfließenden 
Süßwassers verläßt das Haff über die Swina bzw. 
durch den schiffbaren Piastowski-Kanal. Jeweils 
ca. 10 % fließen über den Peenestrom und die 
Dziwna ab. Der Abfluß hängt von der meteoro 
logisch verursachten Wasserstandsdifferenz zur 
Pommerschen Bucht ab. 
Die Hochwasserwelle erreichte das Stettiner 
Haff um den 24. Juli 1997, der maximale Wasser 
76
	        
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