Untersuchungen
kurzperiodischen Schwankungen überlagert, die
im exponierten Wattenmeer mehrere Kelvin im
Tagesverlauf erreichen können. In der Ostsee -
besonders nordwestlich von Rügen - führen Auf
triebsereignisse zu kurzfristigen Abkühlungen an
der Wasseroberfläche. Die physikalischen Pro
zesse, die diese zeitlichen Änderungen der Was
sertemperatur beeinflussen, sind im operationei
len Modell des BSH berücksichtigt.
An sieben Küstenstationen - List, Helgo
land, Cuxhaven, Bremerhaven, Leuchtturm Alte
Weser, Norderney und Leuchtturm Kiel - wurden
vom Modell berechnete Wassertemperaturen
über einen Zeitraum von Juni 1993 bis Septem
ber 1995 den Messungen gegenübergestellt. An
allen Stationen ergab sich eine gute Übereinstim
mung. Der Vergleich mit Satellitenaufnahmen der
Oberflächentemperatur zeigte zudem, daß auch
die räumliche Variabilität vom Modell qualitativ
gut wiedergegeben wurde.
Aus den vom operationellen Modell berech
neten Temperaturen sind für 60 Küstenorte zwi
schen Borkum und List an der deutschen Nord
seeküste sowie Holnis und Ueckermünde an der
deutschen Ostseeküste die klimatologischen Un
terschiede für den Zeitraum September 1993 bis
September 1995 ermittelt worden. Gegenstand
der Untersuchung waren z. B. auch die für den
Fremdenverkehr relevanten Badetemperaturen.
An der Nordseeküste wiesen z. B. Westerland
und Helgoland deutlich weniger „Badetage“ auf
als andere Orte, an der Ostseeküste Weißenhäu
ser Strand, Wustrow, Kloster und Kap Arkona.
HIROMB
Das Projekt HIROMB (High Resolution Ope
rational Model of the Baltic) steht für ein operatio-
nelles numerisches Modell zur Simulation der
Zirkulation der Ostsee. Das Modell soll, ähnlich
einer Wettervorhersage, täglich Kurzfristprogno-
sen für die Vorgänge in der Ostsee liefern.
HIROMB Ist ein auf viele Jahre angelegtes Pro
jekt mit dem Ziel, ein solches Vorhaben durch
internationale Zusammenarbeit zu erreichen, ge
tragen von ozeanographischen Instituten bzw.
Diensten der Ostsee-Anrainer. Jede der beteilig
ten Einrichtungen erbringt einen spe-ziellen Bei
trag, der sich mit denen der anderen zu einem Sy
stem zusammenfügt. In umgekehrter Richtung
steht diesen nationalen Einrichtungen das ge
samte System (mit seinen Ergebnissen) zur Ver
fügung. Als ein Hauptziel soll mit der numerischen
Simulation durch HIROMB eine Basis für die
Arbeit der einzelnen Länder in ihren Küstenab
schnitten geliefert werden, insbesondere etwa bei
der Verfolgung von Strömung und Ausbreitung.
Die Arbeiten begannen 1994 mit einer Zu
sammenarbeit zwischen SMHI in Norrköping und
BSH. Der Beitrag des SMHI war eine geeignete
Rechenanlage sowie ein numerisches Modell für
die Wettervorhersage, der des BSH das operatio-
nelle Modell für Nordsee und Ostsee, aus dem für
HIROMB eine spezielle Variante für die Ostsee
hergestellt wurde.
Der operationeile Betrieb des Modells läuft
stabil seit Herbst 1996, gegenwärtig mit einer
Gitter-Auflösung von 5 km. Die nächstfolgende
Ausbaustufe wird eine Rasterung von 1 Seemeile
erreichen und auf der Massiv-Parallel-Rechenan-
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