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Meereskunde
Das Ergebnis der Untersuchung kann wie
folgt zusammengefaßt werden: Hochgerechnet
für den Zeitraum eines Jahres liegt die Menge der
in die Nordsee legal eingeleiteten Ladungsreste
von Schiffen, die von deutschen Nordseehäfen
ausgelaufen sind, in der Größenordnung von
500 t. Davon sind knapp 75 % den Stoffen der
Kategorie D, 15% denen der Katagorie III und
10% denen der Kategorie B und C zuzuordnen.
Eine Aussage über legale Einleitmengen für den
Gesamtbereich der Nordsee vorzunehmen war
nicht möglich, da die übrigen Nordseeanrainer
staaten keine Daten aus ihren Importhäfen zur
Verfügung stellten.
Operationelles Windstaumodell
Ein für den Wasserstandsvorhersage- und
Sturmflutwarndienst entwickeltes numerisches
Wasserstandsvorhersagemodell ist in die Routi
nevorhersage übernommen worden. Das Modell
ist zweidimensional und hat einen Gitterabstand
von etwa 10 km. Es berücksichtigt nicht nur die
direkte Windwirkung, sondern auch den Einfluß
des Seegangs auf die Windschubspannung. Da
das Modell auf weniger Gitterpunkten als das
operationelle Modell für Nord- und Ostsee rech
net, benötigt es für eine 72stündige Vorhersage
maximal 15 Minuten.
Die Simulationen mit dem Windstaumodell
werden zweimal täglich durchgeführt, sobald
neue meteorologische Prognosen verfügbar sind.
Dabei wird jeweils eine Rechnung nur mit Gezei
tenanregung und eine zweite mit Gezeiten- und
Windanregung durchgeführt. Aus der Differenz
der beiden Ergebnisse erhält man die Vorhersage
für den (Wind-)Stau. Da bei einem Vorhersageter
min für die kommenden Hoch- oder Niedrigwas
ser immer Prognosen von verschiedenen Simula
tionsläufen vorliegen, lassen sich aus den Ergeb
nissen des Modells Aussagen zur Entwicklung
des Windstaus bei verbesserten meteorolo
gischen Vorhersagen ableiten. Das Modell ist ein
Werkzeug, das zur Vorhersage des Wasserstan
des eingesetzt wird. Seine Vorhersagegüte, ge
messen an dem %-Anteil der innerhalb von ± 20
cm um den gemessenen Hochwasserwert liegen
den Vorhersagen, liegt nahe an der des Vorher
sage-Experten.
Modelluntersuchungen über Wassertemperaturen
an den deutschen Küsten
Für viele Küstenbereiche der Nord- und Ost
see existieren nicht genügend Meßdaten der
Wassertemperatur, um klimatologische Unter
schiede zwischen deutschen Küstenorten her
auszuarbeiten. Durch hydro-thermodynamische
Simulationsmodelle ist dieses jedoch mittlerweile
möglich geworden. Nach sorgfältiger Prüfung der
Modellergebnisse anhand von punktuellen Meß
zeitreihen können flächendeckend auch Wasser
temperaturen für Küstenorte abgeleitet werden,
von denen keine Temperaturmessungen vorlie
gen.
Die Schwankungen der Temperatur des
Seewassers entlang der Küste sind von physikali
schen Prozessen mit sehr unterschiedlichen
Zeitskalen abhängig. Der ausgeprägte Jahres
gang mit einem Hub von etwa 20 Kelvin wird von