ECDIS
ln zusammengesetzten Navigationssyste
men kann die Bearbeitung des kartographischen
Anteils als eigenständige Prüfung jedoch kein
tragfähiger Verfahrensansatz sein. Erst bei ge
meinsamer Durchführung der Prüfung der Karto
graphie, der Radarverknüpfungen und der Bahn
führungsfunktionen lassen sich komplexe System
zusammenhänge und sachlich miteinander ver
knüpfte Prüfaufgaben effizient, eingehend und
schnell lösen. Die kartographischen Anforderun
gen können so laufend an die Bedürfnisse der
praktischen Schiffsführungsaufgabe angepaßt
werden und der Prüfer für den nautisch-techni
schen Anteil kann sich ständig mit den Möglich
keiten und Genauigkeiten der Darstellungen auf
der elektronischen Seekarte vertraut machen.
Aufgrund der hierdurch verbreiterten Wissensba
sis jedes einzelnen Prüfers läßt sich die Prüfqua
lität und die Herstellerberatung weiter verbessern.
Wichtig erscheint es auch, daß die Prüfun
gen des kartographischen Anteils personell durch
Mitarbeiter des „ECDIS-Datendienstes“ durchge
führt werden. So findet automatisch ein beidsei
tiger Austausch von Wissen und Erfahrung zwi
schen den Bereichen „Baumusterprüfung“ und
ECDIS-Datenerfassung statt.
Prüfbedingungen
Ein Teil der Prüfungen kann Im Labor erfol
gen. In heute verfügbaren Simulationseinrichtun
gen sind auch in Teilbereichen Bedingungen für
eine dynamische Prüfung zu realisieren. Hierzu
gehören z. B. das Laden der ECDIS-Daten beim
Weiterschalten der Kartenausschnitte und das
Einblenden von Alarmierungen aus der laufenden
Überwachung der Schiffsposition. Aus Kosten
gründen sollte diese Art der Prüfung überall dort
genutzt werden, wo sie der praktischen See-Er
probung vergleichbar erscheint. Die zunehmende
Einbindung von elektronischen Seekartensyste
men in komplexe integrierte Navigationssysteme
und automatische Bahnführungssysteme macht
es jedoch erforderlich, daß umfangreiche Da
tenmengen verschiedener Systemkomponenten
und auch die eigenen Datenbestände in ECDIS
zeitgleich, fehlerfrei und schnell verarbeitet wer
den müssen. Die erforderlichen Prüfungsbedin
gungen lassen sich zur Zeit nur in einer vollstän
digen Schiffsinstallation hersteilen. Zusätzlich
werden in dieser vollständigen Prüfumgebung
Erkenntnisse gesammelt, die in die laufende Ver
besserung der Simulationseinrichtungen fließen
können.
Prüfergebnisse
Alle Prüfergebnisse werden dokumentiert.
Anschließend wird aufgrund der festgestellten
Ergebnisse eine Mängelpunktliste erarbeitet. Eine
Vorstellung und eingehende Erklärung dieser
Liste erfolgt beim Hersteller des Baumusterprüf
lings. Mögliche Lösungswege werden gemein
sam erörtert. Nach Korrektur der Software finden
Nachprüfungen statt, bis keine Fehler mehr nach
gewiesen werden können.
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