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verloren hatte, erforderte zunächst die Beschaffung geeigneter Diensträume.
Durch das Entgegenkommen der Hamburger Sternwarte in Bergedorf wurden
zwei Räume im Anbau des großen Refraktors, zwei Beobachtungshütten für
Durchgangsinstrumente und ein Pfeiler im Uhrenkeller der Sternwarte zur Ver
fügung gestellt. Die Kabelverlegung sowie die Stark- und Schwachstrominstalla
tion für sämtliche Räume des Zeitdienstes und die Aufstellung der Akkumula
torenbatterien mit Ladeschalttafel sowie die Verlegung mehrerer Antennen
gelangten im Sommer 1946 zum Abschluß.
Bei der Neubeschaffung der instrumentellen Ausrüstung gestaltete sich die
Entwicklung insofern günstig, als es gelang, verschiedene während der letzten
Kriegsjahre an Firmen und Institute entliehene Zeitdienstgeräte zurückzuer
langen. Es handelte sich hierbei u. a. um eine Kleinquarzuhr, Rieflersche Pendel
uhren, einen Wachspapierchronographen, eine Gibbsche Zeitwaage, ein Schalt
pult, einen Kurzzeitzeichensignalgeber, einen Druckchronographen — der hier
für erforderliche 20-Watt-Verstärker wurde Ende 1946 geliefert — sowie weitere
Präzisionspendel- und Schaltuhren, Empfänger, Gleichrichter, Netzgeräte, Relais
usw. Neu erworben wurden zwei elektrisch angetriebene Wachspapierchrono
graphen mit je vier Federn und 1 cm sec -1 Vorschubgeschwindigkeit. Diese Ge
räte wurden, soweit sie betriebsfähig waren, aufgestellt und an die entsprechen
den Leitungen angeschlossen. Die Aufhängung einer Schaltuhr wurde im Früh
jahr, die zweier Präzisionspendeluhren für die Zwecke der Zeitbewahrung gegen
Ende des Berichtsjahres vorgenommen. Für die astronomischen Zeitbestimmun
gen stellte die Hamburger Sternwarte ein älteres Durchgangsinstrument von
A. Repsold & Söhne mit gebrochenem Fernrohr — freie Öffnung 77 mm, Brenn
weite 737 mm — leihweise zur Verfügung. Nach Überholung sämtlicher opti
schen und mechanischen Teile und Auswahl eines geeigneten Niveaus konnten
im November die Instrumentalkonstanten bestimmt werden, so daß mit den
ersten Zeitbestimmungen gegen Ende des Berichtsjahres begonnen werden
konnte. Nach Aufnahme dieser astronomischen Zeitbestimmungen wird gemäß
einer Vereinbarung mit der Hamburger Sternwarte, von der augenblicklich die
Kurzzeitzeichen über den Nordwestdeutschen Rundfunk abgegeben werden, der
gesamte Funkzeitzeichendienst von der Gruppe ,,Zeitmeßwesen" des Deutschen
Hydrographischen Instituts wahrgenommen werden. Mit einem im Frühjahr
überholten Spezial-Allwellen-Empfänger wurden seit Mitte 1946 in Verbindung
mit einem von der Gruppe entwickelten Spezialverstärker regelmäßig die Funk
zeitzeichen von Rugby, GBR und Pontiose, FYP, auf den Wachspapierchrono
graphen registriert.
Für die zukünftige Herstellung der für diese Zeitsignalaufnahmen und auch
für die Zeitbestimmungen ¡sowie ¡sonstige Vergleiche erforderlichen Kontaktver
bindungen wurde Mitte 1946 ein großes und erweiterungsfähiges Schaltpult ent
wickelt, das für 14 Chronographenfedern 50 Schaltmöglichkeiten je Feder ge
stattet, und dessen Fertigstellung Anfang 1947 zu erwarten ist.
Da geeignete Quarzuhren, auf die wegen ihrer großen -Gangkonstanz ein
modernes Zeitdienstinstitut kaum verzichten kann, nicht vorhanden waren,
wurde der Vorschlag des Herrn Dr. Rieckmann von der Physikalisch-Techni
schen Reichsanstalt zur leihweisen Zurverfügungstellung eines AEG-Quarz-
generators (Anl. 10, 1) dankbar angenommen. Das Gerät wurde im Juli in Betrieb
genommen. Infolge Spannungsschwankungen war anfangs die Synchronisation
zwischen dem Quarz und der Stimmgabel nicht befriedigend, konnte jedoch
durch den Einbau eines Spannungsgleichhalters beseitigt werden. Zur Über
brückung der mehrfach aufgetretenen vollständigen Netzunterbrechungen wurde