Nr. 2 — 1947
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Wendung der Idee ließ sieli schneller durchführen, da in den bekannten
Pendelkugellagern ein Bauelement erkannt wurde, bei dem eine überlagerte
Rollbewegung zur Reduktion der Reibung benutzt werden kann. Bekannt
lich stellt die Innenfläche des Außenringes einen Ausschnitt einer Kugel
fläche dar. Dadurch ist es möglich, daß sich der Innenring nicht nur um die
Hauptachse des Lagers, sondern innerhalb eines kleinen Winkelbereiches
( + IV2 0 ) um jede dazu senkrechte Achse drehen kann. (Schwenkachse). Die
Schwenkachsen von zwei Pendelkugellagern bilden eine horizontal liegende
Kardanlagerachse, wobei die Innenringe der Kugellager durch je einen
Kleinmotor angetrieben werden. Motorachsen und Kardanlageraehse stehen
senkrecht zueinander. Bei der Untersuchung erwies sich die Verminderung
der Reibung nicht so hoch, wie erwartet worden war. Als Grund wird die
Tatsache angesehen, daß das Pendelkugellager zwei Kugelkränze statt eines
einzigen besitzt, wie es für den vorliegenden Zweck erwünscht wäre. Das
gleiche gilt für ein Pendelkugellager, das mit einem besonders großen
Schwenkbereich ( + 30 ) hergestellt wurde. Es ist geplant, ein Pendellager
mit einem einzigen Kugel- oder Zylinderkranz herzustellen.
Außer diesen Versuchen, die- Reibung durch Überlagerung einer zusätz
lichen Bewegung herabzudrücken, wurde ein gänzlich anderer Weg be
schritten. Ausgangspunkt war hierbei die Überlegung, durch die Wahl eines
möglichst kleinen Hebelarmes das Reibungsdrehmoment um die Kardan
achse entsprechend klein zu machen. Schneiden- und Spitzenlager erfüllen
diese Forderung. Es wurde je ein Entwurf für ein horizontales sowie für ein
vertikales Kardanlager unter ausschließlicher Benutzung von Pinnen aus
Kunstedelstein angefertigt. Im Gegensatz zur sonstigen Verwendung von
Spitzen sind diese hierbei stets so angeordnet, daß die die Spitzen bean
spruchenden Kräfte nur in Richtung der Spitzenachsen wirken können. Es
treten keine tangentialen Kraftkomponenten auf. Das Gerät mit dem hori
zontalen Spitzenkardanlager ist als Kurskreisel ausgebildet. Es befindet sich
zur Zeit bei der Institutswerkstatt in Bau. Das zweite Gerät, das ein ver
tikales Spitzenkardanlager mit beschränktem Winkelbereich enthält, ist als
F oucault - Kompaß ausgeführt.
b) Astronomische und о p t i s c h e Geräte.
Das Laboratorium für optische und astronomische Geräte ist in beson
derem Maße auf die Neubeschaffung der notwendigsten Meß- und Versuchs
einrichtungen angewiesen, da hier praktisch keine Bestände vorhanden
waren. Für die Bearbeitung technischer Aufgaben muß das notwendige
Rüstzeug soweit wie möglich durch die Institutswerkstatt geschaffen werden.
Die Konstruktionsarbeiten für ein objektives Prüfgerät für die Farb
gläser der Positionslaternen sind nunmehr abgeschlossen. Nachdem die
optische Industrie die Herstellung optischer Filtergläser wieder aufgenommen
hat, wurden Berechnungen durchgeführt, um handelsübliche Photoelemente
mittels geeigneter Farbfilterkombinationen nach dem Prinzip der teilweise
parallel- und hintereinander geschalteten Filter in erster Näherung an die
Normalreizkurven des menschlichen Auges anzupassen. Die Erprobung des
Gerätes und seine Abgabe an die Prüfstellen des Institutes wird nach Erhalt
der bisher noch fehlenden Lichtquellen und Filtergläser erfolgen.
Das erste Versuchsmodell (s. Abb. 10, Anl. 12) eines für die Navigation
und Vermessungsarbeit dienenden „nachgedrehten Peilaufsatzes“ wurde als
einfacher Diopter-Peilaufsatz hergestellt und technisch an Bord des Ver
messungsschiffes ..Paul Beneke“ erprobt. Auf Grund der günstigen Er
probungsergebnisse wurde ein zweites, für den Bordgebrauch bestimmtes