Jahresbericht
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wird verstärkt einem Motor zugeführt, der die drehbare Spule immer in die
spannungslose Lage senkrecht zum Feld nachdreht. Synchron mit der Spide
werden Anzeige- bzw. Registriergeräte betätigt. Im Strommesser selbst ist
lediglich der induktive Magnetfiihler untergebracht. Die Verbindung mit
den übrigen Teilen der Anlage, die an Bord untergebracht werden, erfolgt
durch ein 4-adriges Kabel, das auch bei großer Länge die Genauigkeit der
elektrischen Meßwerte-Übertragung praktisch nicht beeinträchngt.
Durch die elektrische Übertragung des auf den Magnetfühler wirkenden
magnetischen Gleichfeldes (das ungestörte Erdfeld bzw. — bei geringen Meß
tiefen — das resultierende Feld aus dem Erdfeld und dem Schiffsfeld) ist es
möglich, die Kompensierung von Störfeldern, die auf den Magnetfiihler
wirken, erst in der Spulenanordnung an Bord vorzunehmen, so daß nur das
ungestörte Erdfeld zur Anzeige kommt. Zur Durchführung der notwendigen
experimentellen Untersuchungen wurde eine Induktionskompaßanlage im
Laboratorium aufgebaut; allerdings stimmt der derzeitige Aufbau der An
lage noch nicht in allen Teilen mit der geplanten endgültigen Ausführung
überein.
Ein solcher Induktionskompaß ist auch vorzüglich als Navigations
kompaß eines Schiffes zu verwenden. Dabei ist die Anwendung einer elek
trischen Kompaßkompensierung allein auf der Grundlage von Feldstärke
messungen möglich, da durch Anordnung einer zweiten, senkrecht zur ersten
stehenden Drehspule im Induktionskompaß auf jedem Kurs die zur Durch
führung des Verfahrens erforderliche magnetische Feldstärke gemessen
werden kann. Ein Schiff, das mit einer solchen erweiterten Induktions-
kompaßanlage ausgerüstet ist, kann ohne Zuhilfenahme irgendwelcher Peil
objekte lediglich durch Fahren einiger Kreise die Kompensierung des Kom
passes durchführen bzw. nachprüfen.
Kreiselkompass e. Auf dem Gebiet des Kreiselkompasses wurde in
besonderem Maße die Frage der Lagerung weiter verfolgt. Das Schwergewicht
der Arbeit lag bei der Entwicklung und Prüfung von Kardanlagern. Es wurde
versucht, die um die Kardanlagerachse wirksame Reibung in Gleit- und Kugel
lagern durch Zufuhr von mechanischer Energie' herabzudrücken, indem senk
recht zu der eigentlichen Drehbewegung der sich einander berührenden Teile
eine konstante zusätzliche Bewegung von außen erzwungen wird. Dadurch wird
die Richtung der Reibungskräfte so abgelenkt, daß sic um die Lagerachse
kaum noch ein Drehmoment erzeugen, sondern hauptsächlich parallel zur
Kardanachse gerichtet werden. Die überlagerte Bewegung kann eine Gleit-
oder Rollbewegung sein. Beide Arten wurden experimentell ausgeführt.
Die Reduktion der Gleitreibung bei senkrecht überlagerter erzwungener
Gleitbewegung folgt aus dem C o u 1 o in b sehen Reibungsgesetz. Quanti
tativ ergibt sich aus diesem, daß das Reibungsdrehmoment um die Kardan
achse proportional der Achsendrehgeschwindigkeit wird. Es gibt somit keine
Reibung der Ruhe. Experimentell wurde dieser Gedanke bei einer hori
zontal liegenden Kardanachse angewandt. Eine stählerne Lagerwelle lag
auf jeder Seite auf je zwei sich schnell drehenden Messingzylindern auf,
deren Achsen senkrecht zur Kardanachse stehen. Die theoretischen Er
wartungen erfüllten sie insoweit, als die Materialabnutzung der mit großer
Geschwindigkeit aufeinander gleitenden Teile keine Rolle spielt. Die uner
wünschte Materialabnutzung wird verhindert, wenn statt einer Gleit- eine
Abrollbewegung überlagert wird. Das Gesetz, wie bei einer solchen Über
lagerung der Gleitreibung reduziert wird, ist noch nicht bekannt. Es wurde
deshalb ein Gerät zu seiner Untersuchung entworfen und von der Instituts
werkstatt gebaut. Mit den Messungen wurde noch nicht begonnen. Die An-