Jahresbericht
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VI. NAUTISCHE TECHNIK
1. Nautische Instrumente
Wie im ersten Jahr nach der Aufnahme der Arbeiten hatte auch im ab
gelaufenen Jahr die Tätigkeit des Referates „Nautische Instrumente“ in be
sonderem Maße zu leiden unter dem Mangel an technischen Mitteln. Der
Aufbau der Laboratorien konnte wegen der derzeitigen Schwierigkeiten in
der Beschaffung von Meß- und Versuchseinriclitungen noch nicht auf den er-
wünschten Stand gebracht werden. Die begonnenen Untersuchungen und
Versuchsarbeiten konnten daher nur dadurch weitergeführt und zum Teil
abgeschlossen werden, daß zahlreiche Geräte aus früher übernommenen
Teilen durch Umbau ihrem Verwendungszweck; angepaßt wurden.
a) Kompasse:
Magnetkompasse. Die in Angriff genommenen Arbeiten zur Ver
besserung des Magnetkompasses beziehen sich einerseits auf die Prüfung
und Einführung neuer Baustoffe, andererseits auf die Ausarbeitung neuer
Bauprinzipien, insbesondere für Rosensysteme.
Was den ersten Teil der Aufgaben betrifft, so sind die bereits im vor
hergehenden Jahresbericht erwähnten Versuche über die Formbeständigkeit
von Kunststoffrosen zu Ende geführt worden. Die gleichfalls erwähnten Ver
suche. Kompaßrosen aus Glas wegen der hohen Beständigkeit gegenüber
chemischen und thermischen Einflüssen zu verwenden, konnten wegen der
Schwierigkeit, die Glasdicke zur Verringerung des verhältnismäßig hohen
Gewichtes der Glasrosen herabzusetzen, einstweilen noch nicht abgeschlossen
werden. Auch ist die Frage der Farbe und des Farbauftrages zur Grundie
rung und Beschriftung der Rosen trotz erzielter Fortschritte noch nicht end
gültig gelöst. Die begonnenen Entwurfsarbeiten zu einem Prüfgerät für das
Material der Kompaßmagnete und der Kompensiermittel wurden einstweilen
unterbrochen wegen der Schwierigkeiten in der Beschaffung der notwendigen
Meßeinrichtungen.
Nachdem durch den Bau des im ersten Jahresbericht erwähnten Pendel
gerätes und Rütteltisches die Voraussetzungen zu experimetellen Arbeiten
auf dem Gebiet der Mechanik der Rosensysteme geschaffen waren, wurde
der Bau eines verbesserten Rosensystems für Bootskompasse in Angriff ge
nommen. Hierbei wird durch Verwendung scheibenförmiger Magnete ein
vollkommener Ausgleich der Trägheitsmomente um alle horizontalen Achsen
des Systems angestrebt, um den Kompaß unempfindlich gegen die — bei
spielsweise in Rettungsbooten auftretenden — hohen Seegangsbeschleuni
gungen zu machen. Dabei besteht Klarheit darüber, daß im Falle notwen
diger Kompensierung voraussichtlich gewisse Schwierigkeiten (höherkreisige
Deviation) auftreten werden. Für größere Schiffe wurde die* Entwicklung
eines wirbelstromgedämpften Trockenkompasses aufgenommen. Dieser soll
die Vorzüge des Trockenkompasses, nämlich den einfachen Aufbau und die
geringe bewegte Masse des Rosensystems sowie das hier mögliche kleine
magnetische Moment mit denen des Fluidkompasses, die hauptsächlich in der
vorzüglichen Dämpfung bestehen, vereinigen, ohne die durch die Flüssig
keitseinwirkung gegebenen Nachteile des letzteren zu besitzen. Ein erstes
Modell wurde fertiggestellt. Ein auf Grund der bei seiner Prüfung ge
wonnenen Erfahrungen verbessertes zweites Modell ist entworfen und wird
zur Zeit aiigefertigt (s. Abb. 7 auf Anlage 11).
Für die statische Prüfung von Magnetkompassen ist ein gegenüber den
bisherigen Ausführungen verbessertes Modell eines Kompaßprüfstandes ent