59
selbe liegt hoch auf einem Berge und’ zieht sich an demselben nach der Seeseite
hinunter. Nahe in einer Linie mit der Stadt dehnt sich längs dem Strande der Ver-
schiffungsplatz für Schwefel und Steinsalz aus. Zuerst sind nur wenige Häuser
desselben zwischen dem hohen Lande und dem Strande sichtbar, aber sobald
man sich dem Lande nähert, erblickt man den Platz Port Empedocle, welcher
selbst eine kleine Stadt ist und 2 Kirchen, eine Telegraphen-Station, ein Post-
amt und ein Gefängniss hat.
Bringt man den auf dem Kopf der alten Mole stehenden Leuchtthurm in
NzO oder NNO und befindet sich in 9 bis 11 Met. Wassertiefe, so ist man auf
der eigentlichen Rhede, auf der sich gut haltbarer Ankergrund vorfindet und
woselbst ein Schiff mit gutem Ankergeschirr meistentheils jeden Wind und jedes
Wetter abreiten kann. Nur in den verschiedenen Abständen vom Lande ist ein
grosser Unterschied bei dem zu Anker liegen zu finden. Schiffe, welche in
16.5 bis 18 Met. Wassertiefe liegen, reiten schwer vor beiden Ankern, während solche
in 11 oder 9 Met. Tiefe nur die halbe See haben und bequem vor einem Anker
liegen können. Bei östlichen Winden ist der meiste Seegang daselbst und man
kann die Annäherung eines östlichen Sturmes an der aus dieser Richtung vorher
zuweilen einen ganzen Tag früher einsetzenden Dünung erkennen. Kommt die
Strömung plötzlich aus Osten, so ist solches ein sicheres Zeichen für einen
Ost-Sturm, da bei allen andern Winden der Strom von Westen setzt.
Auf dem Kopfe der alten Mole steht ein weisser Leuchtthurm, auf welchem
jede Nacht ein rothes festes Feuer brennt, das 10 bis 12 Seem, weit sichtbar
ist. Dicht neben dem Leuchtthurm befindet sich ein Gebäude, in dem das Sani-
tätsamt ist. Jeder Schiffsführer muss, wenn er zum ersten Mal an Land geht,
sich hier melden und seinen Gesundheitspass und das Loggbuch vorlegen.
Dieser Platz bildet übrigens keine Hilfsmittel zum Einnehmen und
Löschen der Ladung. Denn wenn man am Strande steht und zusieht, wie
die Arbeiter mit einem Stück Schwefel auf ihren Schultern bis an die Brust in
das Wasser gehen und gegen die Brandung kämpfen, um zu dem Boot zu ge-
langen, in der sie das Stück Schwefel hineinlegen, um dann wieder ein anderes
zu holen, und dabei bedenkt, dass Tausende von Tonnen Schwefel in dieser
Weise verladen werden, dann ist es wohl erklärlich, dass es mit dem Kin-
nehmen von Ladung sehr langsam von Statten geht. Sobald nur der geringste
Wind aufsteigt, besonders von Osten, so muss sogar auch noch mit dem Laden
eingehalten werden. Es befinden sich zum Beladen der Schiffe daselbst 70 Boote,
jedes von 2 bis 4 Tonnen Tragfähigkeit,
Wenn die neue, jetzt im Bau befindliche Mole fertig sein wird, so wird
der Hafen ebenso gut gegen östliche Winde geschützt sein, wie er es jetzt
yegen westliche Winde bereits ist. Eine Kabellänge von der neuen Mole liegt
eine eiserne Festmachertonne für die Postdampfer, welche zweimal wöchentlich
den Hafen anlaufen, und auf dem Ende der Mole steht ein Pfahl, an welchem
des Nachts ein grünes festes Feuer, welches ungefähr 3 Seem. weit sichtbar
ist, aufgehängt wird. Dieser Pfahl wird mit dem Fortschreiten der Arbeiten
stefs an das Ende der Mole versetzt.
Bei unserer Ankunft waren einige 40 Schiffe im Hafen und dadurch
kein Platz für ein weiteres Schiff. Sobald irgend ein Wind aus See aufsteigt,
so verursacht derselbe eine hohe Dünung, durch welche die der Reihe nach
dicht zusammen liegenden Schiffe sich gegenseitig rammen und beschädigen. Die
Dünung steht so sehr in den Hafen, dass daselbst eine ebensolche Brandung
als ausserhalb am Strande entsteht.
Bei ruhiger See kann ein 3.1 Met. tiefgehendes Schiff einlaufen, aber
sobald die geringste See steht, so stossen die Schiffe selbst mit nur 3 Met.
Tiefgang auf der Barre durch. Im Hafen längs der alten Mole ist etwas tieferes
Wasser, aber in den übrigen Theilen des Hafens sind nur 0.e bis 1.s Met. Tiefe.
Wenn man bei einer Brise landen will, so muss man dicht an den Leuchtthurm
halten, da in der Mitte oder ostwärts die See sehr brandet, was man aber von
See aus nicht sehen kann. Im Hafen befindet sich ein Hafenmeister und
4 Lootsen, letztere kommen aber erst an Bord, wenn sich das Schiff auf der
Rhede befindet,
Da sich in dem Hafen nur so wenig Wassertiefe befindet, so gehen nur
wenige fremde Schiffe hinein. die meisten bleiben auf der Rhede liegen. Hat