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Full text: 26, 1898

17 > 
en 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1898. 
In der letzten Spalte der Tabelle ist das Verhältnis zwischen Aenderung 
der Windgeschwindigkeit und Aenderung des Azimut Rt. für entsprechend 
100 
nahe Höhen gegeben. Wir sehen, dafs für alle Höhen dieses Verhältnifs fast 
unverändert bleibt, so dafs im Mittel RO =— 0,2850, oder umgekehrt das 
100 
Verhältnifs des Windazimut zur Veränderung der Windgeschwindigkeit 
A Ayo ; 
— 100 — 3,508 ist.!) . 
A V7ı00 . ) 
Auf diese Weise bezeichnen die Mittel der Veränderungen von Wind- 
yeschwindigkeit und Richtung deutlich die Schwankungen dieser Elemente mit 
der Höhe; dieses aber wäre durchaus nicht der Fall, wenn wir alle einzelnen 
Bestimmungen betrachten würden. In diesem Falle würden wir bemerken, dafs 
der Wind mit der Höhe häufig abnimmt, statt zuzunehmen. In der Tabelle, 
Spalte „Zahl der positiven und negativen Aenderungen der Windgeschwindigkeit“ 
ist die Zahl der Fälle angegeben, wo in der Reihe gemachter Beobachtungen 
der Wind mit der Höhe wuchs, und wo er abnahm. Die Zahl der ersten Fälle 
ist mit dem Zeichen +, die der zweiten mit — bezeichnet. 
Betrachtet man Letztere, so findet man, dafs, je gröfser die Zahl solcher 
Windänderungen, wo seine Stärke mit der Höhe abnimmt, im Vergleich zu Ver- 
änderungen entgegengesetzter Natur ist, um so geringer, im Mittel, die absoluten 
Veränderungen der Windstärke ausfallen. Da dem Wachsthum der Wind- 
geschwindigkeit mit der Höhe eine Drehung des Windes nach rechts entsprach, 
zo führen die vorangegangenen Betrachtungen zur Vermuthung, dafs im Gegentheil 
der Abnahme der Windgeschwindigkeit mit der Höhe eine Drehung nach links 
entsprechen müsse. 
Dabei muß aber bemerkt werden, dafs die Richtung des Fluges des Ballons 
nicht genügend genau nach der Karte bestimmt werden konnte, da diese Bahn 
über Punkte, welche auf die Karte aufgetragen waren, mit einer aus freier Hand 
geführten Linie eingezeichnet wurde. Angesichts dessen, dafs die Azimute der Be- 
wegung des Ballons in der Mehrzahl der Fälle sich nur wenig ändern, könnte 
man daher schwerlich darauf rechnen, die Bestätigung der obenerwähnten Vor- 
aussetzung in der Betrachtung der einzelnen Bestimmungen zu finden. Von der 
Richtigkeit dieser Voraussetzung können wir uns noch auf Grund anderer Quellen 
überzeugen, nämlich aus Betrachtung der Beobachtungen über die Bewegung der 
Cumuli im Verhältnifs zum Winde an der Erdoberfläche. 
Zu diesem Zwecke benutzte ich Beobachtungen von fünf Festungs - Luft- 
schiffer-Abtheilungen in Russland, welche seit Juli 1896 tägliche Beobachtungen 
über Wind und Wolkenbewegung mittels "F’heodoliten meiner Konstruktion 
anstellten. 
Da bei solchen Beobachtungen stets die Winkelgeschwindigkeit der Be- 
wegung aller sichtbaren Wolken bestimmt wurde und die Mittelhöhe der 
Dumuli in verschiedenen Jahreszeiten bekannt ist, so war es möglich, über die 
Liniengeschwindigkeit der Bewegung dieser Wolken mit genügender Genauigkeit 
zu‘ urtheilen. Gleichzeitig wurden Beobachtungen über Windstärke mit Hülfe 
von Stationsanemometern angestellt. 
Das Vergleichen der Geschwindigkeit des Windes und der Cumuli ergab 
in der That nach den in den obenerwähnten Stationen im Laufe fast eines 
ganzen Jahres gemachten Beobachtungen, dafs ungefähr 90° aller beobachteten 
Fälle den obenerwähnten Zusammenhang bestätigen, d. i. dafs, wenn die Cumuli 
sich nach rechts richten, die Liniengeschwindigkeit ihrer Bewegung zunimmt; 
wenden sie sich aber nach links von der Windrichtung, so wird die Geschwindigkeit 
der Wolken geringer als diejenige des Windes. Nur ungefähr 10%, aller beob- 
achteten Fälle erwiesen sich als Ausnahmen. Aber dieses waren eben jene Fälle, 
in denen der Wind unten oder oben rasch seine Richtung änderte, so dafs er 
1) Hierbei ist indessen nicht zu übersehen, dafs der Parallelismus im Gange der Ge- 
schwindigkeit und Richtung bei den Zahlenreihen für Cyklonen und für Anticyklonen gesondert 
nicht besteht, sondern nur bei deren Zusammenwerfen dadurch entsteht, dals die Kurve der Ge- 
schwindigkeiten in den Cyklonen mit jener der Richtungen in den Anticyklonen, und umgekehrt. 
Abereinstimumt, was wohl dem Zufall zuzuschreiben ist. W. E.
	        
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