Klindt: Digitalisierung und autonome Verkehre ..
Insbesondere Länder wie Norwegen, Finnland und Korea schreiten bei der
Entwicklung mit großen Schritten voran. Ein gutes Beispiel für diese Entwick-
lung ist das norwegische Projekt der Yara Birkland - ein Düngemitteltransporter
mit einer Tragfähigkeit von 3200 tdw und einer Länge von 80 Metern. Das Schiff
ist für den Feeder-Einsatz zwischen dem Yara-Düngemittel Werk im Heroya-
Industriepark und den seewärtigen Verladehäfen Brevik und Larvik vorgesehen
und wird hierbei neben den fortschreitenden technischen Erprobungen seine
Fähigkeiten vom ersten Tag an auch bereits im ernsthaften kommerziellen Ein-
satz unter Beweis stellen müssen.
Neben den technischen und ökonomischen Fragestellungen steht zusätzlich
aber auch die regulatorische Einbindung autonomer Schiffe in den konventio-
nellen, bemannten Schifffahrtsbetrieb in der Diskussion. Aufgrund des bisheri-
gen Fehlens eines geeigneten international verbindlichen Rechtsrahmens erfah-
ren nationale Forschungsprojekte und Feldversuche hierfür bisher in aller Regel
eine nationale, zeitlich wie räumlich begrenzte Sonderzulassung.
Mit ihren „Interim Guidelines for MASS trials“ bemüht sich die Weltschiff-
fahrtsorganisation (IMO) zwischenzeitlich zumindest aber, hierfür auch einen
entsprechenden auch international akzeptierten Rahmen zu schaffen. Im Rah-
men der 98. Sitzung des Maritime Safety Committee (MSC 98) der IMO wurde
vereinbart „to work on a regulatory scoping exercise for the use of Maritime
Autonomous Surface Ships (MASS)“.
Vorrangiges Ziel dieser Untersuchung ist es, den Umfang der erforderlichen
Anpassungen bestehender IMO-Konventionen und -Regelwerke zur Zulassung
zukünftiger autonomer Schiffe im konventionellen Seeverkehr zu ermitteln:
„Ihe International Maritime Organization (IMO) - the global regulatory body
for international shipping - has commenced work to look into how safe, secure
and environmentally sound Maritime Autonomous Surface Ships (MASS) ope-
rations may be addressed in IMO instruments.“
Angesichts der Komplexität dieser Aufgabe wird bis zur Verabschiedung
einer umfassenden Überarbeitung aller relevanten IMO Regeln sicherlich noch
längere Zeit vergehen. Allein, ein Anfang ist gemacht!
Um aber die Bedeutung und den Stellenwert der Entwicklung und des Be-
triebs unbemannter oder autonomer Schiffe im Rahmen der bestehenden
Schifffahrt wirklich zu verstehen und bewerten zu können, ist es zunächst ein-
mal wichtig, sich mit der Frage nach der übergeordneten Motivation und den
Zielen dieser Entwicklung auseinanderzusetzen. Und hier sehen wir bei näherer
Betrachtung, dass bei aller Faszination über die neuen technischen Fähigkeiten
zum Bau autonomer Schiffe (Robotik, künstliche Intelligenz, Breitbandvernet-
zung und -kommunikation, etc.) die primären Treiber nach wie vor den gleichen
Bedarfen und Herausforderungen folgen, welche die Entwicklung einer sicheren
und zuverlässigen Schifffahrt von Anbeginn an befördert haben:
DVW-SCHRIFTENREIHE # Band 102/202,
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