Jahresbericht
Nr. 3 /1948
44
Die Arbeiten am Induktionskompaß, wie sie im Jahresbericht
Nr. 2 (1947) erläutert wurden, sind weitergeführt worden. Mit der im Labora
torium aufgebauten Anlage wurden systematische Untersuchungen durchge
führt, um die auftretenden Fehler in der Richtungsanzeige herabzusetzen.
Weiter wurde die Anlage in bezug auf ihr Verhalten bei längerer Inbetrieb
nahme und auf sichere Einstellung der Tochteranzeigegeräte untersucht.
Es zeigte sich zunächst, daß die elektrische Übertragung der Richtung des
magnetischen Feldes, also die Anzeige am Tochtergerät, nicht fehlerfrei war.
Mit Hilfe einer besonderen Versuchsanordnung wurden die Fehlerkurven der
elektrischen Übertragung aufgenommen. Durch harmonische Analyse der ge
wonnenen Fehlerkurven erfolgte die Zerlegung des summarischen Fehlers in
die einzelnen Harmonischen. So konnten als Ursadien für die Übertragungs
fehler nach Art der Vs- und Vikreisigen Deviation (1. und 2. Harmonische),
z. B. Fehler in der Wicklung des Magnetfühlers (Kurzschluß-Windungen) und
der Einfluß von fremden magnetischen Feldern festgestellt werden. Auch ein
zunächst noch vorhandener Übertragungsfehler nach Art der Vi2kreisigen De
viation (6. Harmonische) konnte beseitigt werden. Hier lag die Ursache in der
Speisung der Primärwicklung des induktiven Magnetfühlers (Induktionsring)
mit sinusförmiger Spannung. Eine Speisung mit sinusförmigem Strom brachte
die Beseitigung dieses Fehlers.
Die Induktionskompaßanlage arbeitet in der jetzigen Ausführung ein
wandfrei in Magnetfeldern, die größer als 3 Oerstedt sind, das bedeutet,
daß zunächst noch ein Magnetkompaßsystem als „Erdfeldverstärker“ ver
wendet werden muß. Dies geschieht in einfacher Weise dadurch, daß der Mag
netfühler auf den Deckel eines Magnetkompasses aufgesetzt wird. Im Endziel
muß aber ein sicheres Funktionieren der Anlage bei normaler Feldstärke
erreicht werden. Deshalb wurde mit Experimentell begonnen, die zum Ziel
haben, ausreichende Leistungsabgabe des induktiven Magnetfühlers auch bei
den Feldstärken zu erhalten, wie sie an Bord normalerweise auftreten. Dazu
waren definierte magnetische Felder notwendig, die mit Hilfe einer eigens
dazu hergestellten Helmholtz-Sp ulenanordnung von 1 m Durch
messer (s. Abb 7. Aul* 12) erzeugt werden können. Das zu dieser Spulen-
anordnung gebaute Regelgerät gestattet kontinuierliche Regelung des Feldes
von 0 bis 10 Oerstedt in 5 umschaltbaren Bereichen.
Um später eine Erprobung der Induktionskompaßanlage an Bord eines
Schiffes durchführen zu können, wurde das erste Teilgerät einer solchen An
lage in bordmäßiger Ausführung konstruiert und von der Institutswerkstatt
gebaut.
Die im Vorjahr begonnenen Arbeiten zur Entwicklung und Untersuchung
von Kardanlagern für Kreiselkompasse wurden fortgesetzt. Die beiden
eingeschlagenen Wege zur Verminderung der Reibung wurden weiter verfolgt:
die Achsenreibung durch eine künstlich überlagerte Rollbewegung bzw. durch
Anwendung eines möglichst kleinen Hebelarmes herabzusetzen. Zur Fest
legung des Gesetzes, wie stark der Gleitreibungskoeffizient bei senkrecht
überlagerter Rollbewegung reduziert wird, wurden mit dem hierfür gebauten
Prüfgerät orientierende Messungen durchgeführt. Erwartungsgemäß ergab
sich eine Quasiflüssigkeitsreijmng, d. h. die Gleitgeschwindigkeit ist pro
portional zur äußeren Antriebskraft, ihre Abhängigkeit von der Rolldreh
geschwindigkeit war annähernd cjuadratisch. Nach Durchführung einiger Ver
besserungen in experimentell-konstruktiver Hinsicht werden sich die end
gültigen Messungen anschließen. Wie im vorjährigen Bericht bereits erwähnt,
wurde die Reduktion der Gleitreibung bei eigens zu diesem Zweck konstru
ierten Schwenklagern angewandt. Das Schwenkkugellager wurde in ein