Nautische Technik
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stoffe durdi die Zusammenarbeit mit einschlägigen Firmen weitere Fort
schritte in der Anwendung von Silikatglas gemacht werden. Namentlich kann
die Aufbringung einer wischfesten und lichtechten Gradteilung und Be
schriftung der Rosen durdi Anwendung photomedianisdier Flilfsmittel als ge
löst betrachtet werden. Desgleichen konnten beständige Grundierfarben
sowohl für alkoholhaltige als audi für aus aliphatischen Kohlenwasserstoffen
bestehende Kompaßfüllflüssigkeiten ermittelt werden. Auch die Frage der
Gewichtsherabsetzung kann für Rosen bis 120 mm Durchmesser als gelöst
bezeichnet werden, während für die Herstellung größerer Glasrosen eine
Herstellung der Glasdicke unter 0,5 mm erforderlich ist, für die demnächst
wieder die fabrikatorischen Möglidikeiten gegeben sein werden.
Der für das Jahr 1948 geplant gewesene Bau einer Meßeinrichtung zur
Aufnahme von Magnetisierungskurven der im Kompaßbau und als Kompen
siermittel verwendeten Stahl- und Weicheisensorten konnte aus finanziellen
Gründen nicht durchgeführt werden, ist jedoch für 1949 erneut vorgesehen.
Auf dem Gebiet der Mechanik der Rosensysteme sind Fort
schritte u. a. im Bau des bereits im Vorjahr erwähnten Trockenkompasses
mit Wirbelstromdämpfung erzielt worden, die sich darin ausdrücken, daß das
Dämpfungsverhältnis, welches beim ersten Modell (vgl. Jahresbericht 2/47,
Abb. 7) 1,69 betrug, beim zweiten Modell auf 2, 67 verbessert werden konnte.
Zum Vergleich sei angeführt, daß bei einem modernen handelsüblichen
Trockenkompafi mit Thomson - Rose von gleichem Rosendurchmesser ein
DämpfungsVerhältnis von nur 1.38 ermittelt wurde. Audi ein mittels photo
graphischer Registrierung auf dem Peilboot „Hooge“ bei Seegang 3 bis 4
durchgeführter Vergleich der beiden letztgenannten Kompasse mit den Auf
zeichnungen des Kursschreibers der Kreiselkompafianlage erwies eindeutig den
bereits erzielten F ortschritt, ließ jedoch den Wunsch nach einer weiteren Steigerung
der Dämpfung aufkommen, die in dem dritten Modell verwirklicht werden soll.
Da die hierfür benötigten kugelschalenförmigen Magnete zur Zeit von keiner
der bekannten Magnetfabriken hergestellt werden können, muß auch die Her
stellung der Magnete in der eigenen Werkstatt durchgeführt werden.
Der beabsichtigte Bau eines Schaukelgerätes zur dynamischen Prüfung von
Magnet- und Kreiselkompassen mußte vorerst zurückgestellt werden, da die
vorgesehene Errichtung eines freistehenden Laboratoriums von ausreichender
Größe aus haushaltmäßigen Gründen im Jahre 1948 nicht durchgeführt
werden konnte.
Die Versuche zur breitenbeständigen D-Kompensation wurden mit
mehreren durch andere Arbeiten erzwungenen Unterbrechungen fortgeführt.
Die wohl erstmalig bei künstlicher Feldänderung mittels des bei der Abteilung
vorhandenen großräumigen Spulensystem im Laboratorium durchgeführten
Vergleichsmessungen der verschiedenen, in der Literatur vorgeschlagenen Ver
fahren haben die vorausgesehenen, durch die magnetischen Eigenschaften der
Nadelinduktoren bedingten Schwierigkeiten bestätigt. So wurden bei Hori-
zontalfeldstärkcn vom halben Betrage der an den deutschen Küsten vor
handenen auf ein und demselben Kurs Differenzen der Deviation bis zu
1,5° beobachtet, je nach voraufgegangener Stb.- oder Bb.-Drehung, und zwar
bereits bei D-Beträgen von nur 3°. Diese Deviationsunsicherheit kann ver
mieden werden, wenn eine rein elektische D-Korrektion ohne Verwendung von
Weicheisen entwickelt würde, wie sie im Anschluß an die noch laufenden
Versuche zur Ausschaltung der Nadelinduktion im kommenden Jahr versucht
werden soll.