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Gezeiten, Nautische Astronomie, Zeitdienst
Ab 3. Mai 1948 wurden von diesem und der Normalfrequenzanlage jeden
Montag von 10.30 Uhr bis 10.40 Uhr die Normalfrequenzen 440 Hz und
1000 Hz für Eich- und Meßzwecke über die Sender des Nordwestdeutschen
Rundfunks ausgestrahlt. Sämtliche 34 Sendungen konnten bis auf eine ein
malige Störung des 440-Hz-Stimmtonerzeugers, für den noch kein Reservegerät
vorhanden ist, einwandfrei durchgeführt werden. Die genannten Normal
frequenzen wurden außerdem laufend an den Nordwestdeutschen Rundfunk
für eigene Messungen abgegeben, die Frequenz 1000 Hz außerdem an die
Funküberwachung der Post in Itzehoe die dafür laufend die Kontakte ihrer
Quarzuhr zur Verfügung stellte. Eine grobe Störung in der Quarzuhr der
Normalfrequenzanlage mußte bei der Herstellerfirma beseitigt werden. Die
beiden К urz zeitzeichengeber wurden im März in längerer Probe
laufzeit betriebsfertig gemacht.
Der Umzug des Zeitdienstes nach Hamburg verursachte nur eine
eintägige Unterbrechung in der laufenden Aufnahme von Zeitzeichen und der
Abgabe von Frequenzen. Die Aufnahme der Funkzeitzeichen — Onogo-, Koin
zidenz-, Sekunden- und Kurzzeitzeichen — erstreckte sich am Jahresende auf
täglich 24 Signale der Stationen Annapolis, Beltesville, Hamburg, Monte
Grande, Moskau, München, Neuchâtel, Pontoise, Potsdam, Rugby und
Slamlebäk. Ende Juli wurde die zweite Normalfrequenzanlage geliefert. Der
Rest der Gesamtanlage — Registrier- und Meßfeld — ist Anfang 1949 zu
erwarten. Gleichzeitig hiermit soll ein besonderes Uhrenfeld geliefert werden,
für das seit November zwei quarzgesteuerte Laufwerke in der Instituts
werkstatt zu Koinzidenzsignalgebern erweitert werden. Sie sind für die be
absichtigte Abgabe eines wissenschaftlichen Zeitsignals bestimmt. Die für
die Aussonderung der Signale und Kontakte erforderliche quarzgesteuerte
Pendel-Schaltuhr wurde ebenfalls in Arbeit genommen. Der AEG-
Quarzgenerator wurde wegen unbefriedigender Gangleistungen überholt, zum
Teil völlig neu gebaut und mit einer eigenen Notstromversorgung versehen.
Die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Für die beiden Normalfrequenz
anlagen wurde ebenfalls eine aus zwei 250 Volt-Nickeleisenbatterien be
stehende Notstromanlage mit Ladetafel geschaffen. Standänderungen der
Quarzuhren durch Netzausfälle sollen dadurch unmöglich gemacht werden.
Vom Bureau International de l’Heure, Paris, und vom Royal Observatory,
Greenwich, erhielt der Zeitdienst regelmäßig die Zeitsignal-Verbesserungen
und Berichte.
Der vom Bullenhuser Damm ebenfalls nach dem Seemannshaus überge
siedelte Zeit m esserprüf dienst nahm Anfang Oktober seine Tätigkeit
auf und konnte bis Ende des Jahres 30 Beobachtungsuhren und 20 Chrono
meter prüfen. Vom Jahre 1949 ab sollen auch gute Gebrauchsuhren geprüft
werden. Wegen der Abgrenzung der Prüfungsanforderungen laufen Ver
handlungen mit den Fachschulen und der Industrie.
Über weitere Veröffentlichungen s. Anhang.