Jahresbericht
Nr. 3/1948
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gestellt. Bei ruhiger Lage des Schiffes ist der Libellensextant dem Kreisel
sextanten überlegen, bei bewegtem Schiff verhält es sich umgekehrt. All
gemein wurde unter Benutzung einer Untersuchung von Dr. Rosenhagen
die Frage der Handhabung dieser Instrumente und der bei ihrer Verwendung
auftretenden Fehler untersucht. Die Untersuchung klärt die Herkunft cler
Einzelfehler, aus denen sich der Gesamtfehler einer astronomischen Be
obachtung mit Spiegelinstrumenten zusammensetzt.
Bei diesen Versuchsfahrten wurden auch die Consol-Funkfeuer Stavanger
und Bushmills beobachtet und festgestellt, daß damit recht genaue Standlinien
gewonnen werden können. Zur Vereinfachung cler Auswertung wurden Tafeln
berechnet, die ohne weiteres einzelne Punkte cler Leitstrahlen zu entnehmen
gestatten. Eine Zusammenstellung dieser Tafeln in möglichst kurzer Form
für die Nordsee wurde für die Veröffentlichung vorbereitet.
Die astronomischen Rechengeräte des Instituts, durch Kriegs
ereignisse beschädigt, wurden zum Teil in Stand gesetzt und auf einwand
freies Arbeiten untersucht.
Als wissenschaftliche Frage des Gebiets Navigationsmethoden
wurde die Ermittlung geographischer Positionen durch Beobachtung mehrerer
Gestirne in gleicher Höhe bearbeitet; außerdem in Zusammenarbeit mit
Abt. I die Methoden der modernen Funkortung. Die allgemeinen Eigen
schaften aller Arten von Standlinien, ihre Beziehungen zueinander sowie die
Methoden ihrer Ermittlung und Anwendung wurden eingehend untersucht,
darunter auch besonders Fragen des Großkreises. Die Literaturkartei des
Gebiets Navigation und nautische Astronomie erreichte den Anschluß an die
laufenden Veröffentlichungen.
3. Zeitdienst, Chronometrie
Der Wiederaufbau des Funkzeitzeichen- und Zeitmesser
prüfdienstes wurde durch den Mitte Juni erfolgten Umzug des ge
samten Referates von der Sternwarte Bergedorf bzw. dem Bullenhuser Damm
nach dem Seemannshaus beeinträchtigt, doch ist nunmehr wieder das ganze
Referat in ausreichenden Räumen vereinigt. Zur Verfügung stehen jetzt zwei
Arbeitszimmer, ein Zeitdienstraum, ein Zeitmesserprüfraum, ein Pendeluhren
keller und ein Batterieraum. Bereits im April wurden die zahlreichen not
wendigen Kabel nach früher ausgearbeiteten Plänen verlegt. Nach Aufstellung
cler Geräte im Juni dauerten die Arbeiten an den umfangreichen endgültigen
Verdrahtungen bis in den August an. Für den Zeitsignalempfang wurden drei
Hochantennen gezogen. Im Pendel uhrenkeller wurde ein Beton
fundament von ca. 12 m 3 gegossen, auf dem die vier granitenen Pfeiler aus
dem Uhrenkeller der früheren Seewarte Aufstellung fanden. Nach genügender
Austrocknung des Uhrenkellers konnte Anfang Dezember die erste luftdichte
R1EFLER-Uhr für die Zeitbewahrung in Betrieb genommen werden. Gleich
zeitig wurde auf dem Gelände der früheren Seewarte eine Beobachtungshütte
für die Aufstellung eines astronomischen Durchgangsinstrumentes wiederher
gestellt. Bisher steht nur ein von der Hamburger Sternwarte geliehenes
R e p s o 1 d’sches Instrument von 77 mm Öffnung (Baujahr 1896) zur Verfügung.
Verhandlungen über die Beschaffung eines neuen eigenen Durchgangsinstru-
mentes sind aufgenommen.
Bis zur Übersiedlung nach Hamburg wurden in Bergedorf noch ein
Kurzwellenempfänger mit Verstärker sowie der im vorigen Jahres
bericht erwähnte 440-Hz-Stimmton erzen ge r in Betrieb genommen.