Jahresbericht
Nr. 3 /1948
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nungsunterlagen aller Karten des Seekartenwerks, die auf einer gnomonischen
Projektion aufgebaut waren, die Netzdaten der Funkortungskarten „Ostsee“
(D2650), „Nordsee und Kanal" (D2651) und „Nordeuropa“ (D2676) neu
ermittelt. Für die beiden letzten Karten wurden auch die Daten für die Ein
tragung von dichten Netzen der Consolfunkfeuer Stavanger und Bushmills
neu erstellt. Die Berechnungen wurden nach der Abhandlung von R. Jung:
„Die Berechnung gnomonischer Kartennetze“ durchgeführt. Für die beiden
Karten D 2651 und D 2676 wurden die geographischen Netzlinien und die
Consolnetze mit dem großen Koordinatographen DENNERT UND PAPE
Nr. St 17 992 des Hauptvermessungsamtes Schleswig-Holstein auf einer mit
Zeichenkarton bezogenen Aluminiumplatte kartiert. Diese Unterlagen wurden
dem technischen Betrieb zur weiteren Bearbeitung übergeben. Die Karte
D2651 ist bereits erschienen. Die technischen Arbeiten für die künftige Funk
ortungskarte „Europäisches Nordmeer und Barentssee“ laufen noch.
Bei dem Bestreben, für Seekarten, deren Originalkupferplatten durch
Kriegseinwirkungen verloren gingen, nach guten Kupferdrucken neue Origi
nale zu schaffen, ergab sich die Notwendigkeit, mit der großen Repröduktions-
kammer (Platteuformat 130X130 cm) über Zwischenaufnahmen affine
Abbildungen herzustellen. Wegen der großen Verzerrungen, die Kupfer
drucken eigen sind,' erwiesen sich die mechanischen und optischen Freiheits
grade der Kammer hierzu als unzureichend. In Zusammenarbeit mit der Re
produktion und der Werkstatt soll die Kammer ausgebaut werden. \Vor
allem muß das Objekt beweglich gemacht werden, damit die Scheim-
pflüg- Bedingung erfüllt werden kann, da die Tiefenschärfe bei großen
Brennweiten zu klein ist, um bei Entzerrungen die Nichterfüllung dieser
Bedingung für die Scharfabbildung zu überbrücken.
Die Forderung der Fischerei nach eingehender Darstellung der Tiefen-
linien in den Fischereikarten gab Veranlassung, die Darstellung der Tiefen
linien in den deutschen Seekarten einer grundsätzlichen Revision zu unter
ziehen. In der mehrfarbigen Neuauflage der Fischereikarte der Nordsee
D112F wurden bei den Tiefenlinien zunächst nur die offenbaren Unzuläng
lichkeiten beseitigt. Für die zu Fischereikarten vorgesehenen Seekarten
„Deutsche Bucht" (D50) und die nördlich anschließende „Hornsriff bis Lin-
desnes“ (D 82) und auch einige andere der D 112 zugrunde liegenden Karten
wurde in Zusammenarbeit mit dem Referat VII B eine eingehende Über
arbeitung der Tiefenlinien vorgenommen.
Der bei der Konstruktion von Tiefenlinien in den deutsdien Seekarten
bisher allgemein beachtete Grundsatz, daß die Tiefenlinien stets durch die
vom flacheren Gebiet aus gesehen äußersten Tiefenzahlen einer bestimmten
Tiefe zu ziehen sind, soll in Zukunft nur bis einschließlich zur 20 m-Tiefen-
linie beachtet werden. Die Tiefenlinien bis zu 20 m einschließlich sollen
weiterhin vornehmlich den Charakter von nautischen Warnlinien haben.
Von der 40 m-Tiefenlinie (bei Fischereikarten der 30' m-Tiefenlinie) ab soll
die Führung der Tiefenlinien der allgemeinen Bodengestaltung angepaßt
werden, wenn morphologische Überlegungen dies unter Berück
sichtigung von Umfang und Homogenität des Lotmaterials erfordern. Hier
durch wird die Schiffssicherheit nicht gefährdet, die Tiefenlinieü erhalten
jedoch einen höheren Grad von Wahrscheinlichkeit. Dies ist bei der prak
tischen Benutzung der Seekarten für die Fischerei wie auch für die Benutzung
von Uotprofilen als Standlinien bei der Navigation von Vorteil.
Es muß herausgestellt werden, daß die Überarbeitung der Tiefenlinien in
den deutschen Seekarten nur sehr allmählich vor sich gehen kann.