Jahresbericht
Nr. 4/1949
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ner Kompeusiermittel zu behalten, wurde im Berichtsjahr der Bau eines
neuen Magnetkompaßlaboratoriums in Angriff genommen.
Das als freistehender Massivbau unter Vermeidung jeglichen Eisens ge
plante Gebäude soll auf dem magnetisch störungsfreiesten nördlichen Ende
des ehemaligen Seewartengeländes errichtet werden. Es wird gleichzeitig
zur Aufnahme des bereits im Vorjahre geplanten großen Schaukelgerätes
für Seegangsfrequenzen dienen, für welches die Entwurfsarbeiten wieder
aufgenommen wurden.
Die Bemühungen zur Verbesserung des Induktionskonipasses
waren insofern erfolgreich, als es gelang, die Empfindlichkeit des Magnet
fühlers so zu steigern, daß das normale Erdfeld zur Feldrichtungsanzeige
voll ausreicht. Dadurch ist die anfänglich notwendige Verwendung von
Magnetsystemen üblicher Bauart als „Erdfeldverstärker” überflüssig gewor
den, und es bestehen nun die Voraussetzungen, clie speziellen Vorteile die
ser Kompaßart, nämlich ihre Unempfindlichkeit gegenüber Beschleunigun
gen und die Möglichkeit der peilungsfreien Kompensierung, voll auszunutzen.
Mit Rücksicht auf die bevorstehende Borderprobung des Gerätes auf „Gauss“
wurden die einzelnen Teile bereits in bordmäßiger Ausführung gebaut.
Die in den früheren Jahresberichten erwähnten Untersuchungen von
Kardanlagern für Kreiselkompasse sind einstweilen abgeschlossen
worden, nachdem sich herausgestellt hat, daß ihre Eigenschaften in der bis
herigen Form und Ausführung ihre Verwendung beim Bau eines Kreisel
kompasses noch nicht zweckmäßig erscheinen lassen. Bei der nunmehr an-
geläufenen Entwicklung eines verkleinerten Kreiselkompasses
wurde daher zunächst auf das bekannte und bewährte Prinzip der gleich
zeitigen Lagerung in drei Freiheitsgraden unter Gewichtsentlastung durch
Auftrieb zurückgegriffen. Unter Verwendung hier vorhandener Einzelteile
von ANSCHUTZ - Kreiselkompassen wird zur Zeit ein Versuchs kr eisel-
kompaß gebaut, bei dem clas genannte Lagerungsprinzip angewandt wird,
der sich aber durch weitgehende Vereinfachung, insbesondere bei der System
zentrierung, auszeichnet (Wegfall der Blasspule und cler Temperaturregu
lierung). Ferner sollen clie Vertikalachsen der Kreisel selbst in anderer
Weise gelagert werden, um die hier bisher notwendigen besonders reibungs
armen Spezialkugellager entbehrlich zu machen. Die inzwischen clurch-
geführten Laborversuche haben zu befriedigenden Ergebnissen geführt. Die
Erprobungen an Bord von „Gauss“ sind im Dezember aufgenommen worden.
Die bisherigen Ergebnisse sind erfolgversprechend.
Die Untersuchungnen mit clem F o u c a u 11 - Kompaß für Vermessungs
zwecke haben einige Änderungen am Gerät notwendig gemacht, um die
schon früher erzielte Anzeigegenauigkeit von ± 4 Minuten zu verbessern
und clie Handhabung im praktischen Gebrauch zu erleichtern. Über Einzel
heiten wird an anderer Stelle im kommenden Jahr berichtet werden.
Die Tätigkeit des Referats auf dem Gebiet der Instandhaltung
und Reparatur von Schiffskreiselanlagen hat im Berichtsjahr insofern
eine Bereicherung erfahren, als auf Ansuchen der Firma SPERRY, London,
das Institut etwa Mitte des Jahres den Einbau und die Reparatur auch von
SPERÄT-Kreiselkompassen übernommen hat. Einer der Kompaßspezialisten
des Instituts wurde in einem mehrwöchigen Kursus im Werk der Firma
SPERRY auf Firmenkosten eingehend geschult. Auf 47 ausländischen Schiffen
wurden 39 SPERRY-Reparaturen — darunter 2 Grund Überholungen — aus
geführt, 8 Anlagen — teils mit Selbststeuer — wurden neu eingebaut. Unter
den Schiffen waren 21 norwegischer, 10 amerikanischer und 3 holländischer