Gezeiten, Nautische Astronomie, Zeitdienst
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Für die Zeitkundgebung wurden die bereits im vorigen Bericht
genannten quarzgesteuerten Kontaktgeber — Abb. 6 auf Anl. 9 — in der Institutswerkstatt
fertiggestellt und in der eigenen Werkstatt verdrahtet und
justiert. Die hierzu gehörigen Verstärker wurden Ende März und Mitte September
geliefert und in Betrieb genommen. Da diese Kontaktgeber laufend
in einer Minute einen, sechzig und einundsechzig Kontakte abgeben, mußten
in eigener Werkstatt zwei Signalgeber — Abb. 7 auf Anl. 10 — gebaut
werden, die sowohl das wissenschaftliche Koinzidenzsignal als auch erforderlichenfalls
das normale und verkürzte Kurzzeitzeichen jeweils zu den Zeiten
aus der Kontaktfolge aussondern, zu denen sie gewünscht, werden. Kontaktgeber
und Koinzidenzsignalgeber wurden am 10. Juni probeweise in Betrieb
genommen. Nach sechs Wochen Probelaufzeit konnte dann am 1. August
dank dem Entgegenkommen des Nord westdeutschen Rundfunks, der hierfür
werktäglich seinen Kurzwellensender auf 7290 kHz = 41,15 m von 11.54
bis 12.00 MEZ unentgeltlich zur Verfügung stellte, mit der ersten Wiederaussendung
des wissenschaftlichen Koinzidenzsignals begonnen werden. Bis auf
geringfügige Ausfälle aus programmtechnischen Gründen konnten sämtliche
Signale einwandfrei abgegeben werden. Für die beabsichtigte Aussendung des
Onogo-Signals wurden zwei Onogo-Signalgeber im Rohbau in der Institutswerkstatt
fertiggestellt. Nach Beendigung der in der eigenen Werkstatt
durchzuführenden Feinarbeiten sollen sie Anfang 1950 mit den gleichen
obengenannten Kontaktgebern zusammen Onogo-Signale abgeben. Verhandlungen
mit der Post wegen Zurverfügungstellung geeigneter Sender hierfür
sind aufgenommen worden.
Neben den Zeitsignalen wurden wie im Vorjahr laufend die Normalfrequenzen
440 und 1000 Hz an den Nord west deutschen Rundfunk
für die Musikabteilung und zur Steuerung des Gleichwellensendernetzes
abgegeben. Beide Frequenzen wurden außerdem bis zum 4. April
jeden Montag von 10.30 bis 10.40 Uhr MEZ über die Sender des Nordwestcleutschen
Rundfunks verbreitet. Um Interferenzen zwischen den Aussendungen
zwischen Hamburg und Köln zu vermeiden, erfolgten diese Sendungen
ab 4. April jeden Montag von 10.50 bis 11.00 Uhr MEZ über den Sender
Norden-Osterloog auf 658 kHz = 455.9 m. Die Normalfrequenz von 1000 Hz
wird außerdem seit Mitte des Jahres an die Post für Eichungen bei den
Zeugämtern und dem Ultrakurzwellen-Versuehssender abgegeben. Ferner
wurde am 1. Oktober die Steuerung der Hauptuhr bei der Bundesbahndirektion
Plamburg-Altona übernommen, von welcher sämtliche Uhren
der Bundesbahn abhängen. Von Februar bis Mai wurde schließlich über
Telefon ein akustischer Sekundenrhythmus zur Eichung von Stoppuhren an
das elektrische Prüfamt 60 in Hamburg übermittelt.
Für die Aufnahme eigener und fremder Funkzeitzeichen wurde ein neuer
Langwellenempfänger LOREN Z Lo6L beschafft und mit einem selbstgebauten
Zeitsignalverstärker in Betrieb genommen. Insgesamt wurden im
Berichtsjahr ca. 7000 Zeitsignale —- Onogo-, Koinzidenz-, Sekunden- und
Kurzzeitzeichen — der Stationen Beltsville, Hamburg. Monte Grande, Moskau,
München. Neuchâtel, Pontoise, Potsdam, Rugby, Skamlebaek und
Washington registriert. Im Rahmen der Zusammenarbeit wurden dem Institut
regelmäßig die Zeitsignalverbesserungen vom Bureau International de
l’Heure, Paris, vom Royal Observatory, Greenwich, vom U.S. Naval Observatory,
Washington, vom Instituto Geografico Militär, Buenos Aires, sowie
vom Geodätischen Institut, Potsdam, und der Frequenztechnischen Zentralstelle,
Berlin, zugestellt.