Gezeiten, Nautische Astronomie, Zeitdienst
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häufig Auskünfte über Helligkeitsverhältnisse erteilt, vor allem an das
Meteorologische Amt für Nordwestdeutschland.
Zur Untersuchung der Refraktion wurden nochmals Messungen über einem
Binnensee ausgeführt, die von den Hamburger Wasserwerken (Betrieb
Großensee) in zuvorkommender Weise gefördert wurden. Die-Ergebnisse
der Messungen bestätigen in vollem Umfange die erarbeiteten Theorien
der Luftschichtung über der Wasseroberfläche und lieferten erstaunliche
Proben von Refraktionswirkungen, die bei Nivellements über Wasser
oberflächen berücksichtigt werden müßten. Die zusammenfassende Bearbei
tung konnte noch nicht abgeschlossen werden.
Das Gebiet der Navigationsmeth öden konnte trotz der an
gespannten Personallage weiterbearbeitet werden. Die Berechnung der
Standlinien für die Hyperbelnavigation, besonders für Decca-Karten wurde
untersucht, da die Verwendung von Decca für deutsche Schiffe erlaubt ist.
Bei der hohen Miete für solche Anlagen dürfte aber eine Herstellung
deutscher Karten vorläufig nicht in Frage kommen. Dagegen wurden die
Consolfeuerleitstrahlen für weitere Gebiete berechnet und in Zusammen
arbeit mit dem Seekartenwerk der Eindruck in bestimmte Seekarten vor
bereitet. Vor allem für diese praktischen Fragen wurde die Fühlung mit
der nautischen Praxis durch Besuche, Vorträge und Diskussionen reger als
bisher aufgenommen. Auch konnte die Literatur des Auslandes stärker als
bisher verfolgt werden.
Dabei ergab es sieh, daß die zweckmäßigste Auswertung astronomischer
Beobachtungen im Ausland erneut erörtert wird: die Frage wird hier mit
Interesse beobachtet. Ein unmittelbares Bedürfnis für die deutsche Naviga
tion besteht z. Z. auf diesem Gebiete nicht. Doch ergab die Rücksprache mit
Lehrern der Seefahrtschulen Übereinstimmung der Urteile. Am Lehr
gang für Seefahrtlehrer beteiligte sich das Referat mit 3 Tagen
Vorträgen, bei denen eine Übersicht über den derzeitigen Stand der Funk-
uncl astronomischen Navigation gegeben wurde und die Fehlertheorie für
alle Arten von Standlinien entwickelt wurde.
3. Zeitdienst, Chronometrie
Der Wiederaufbau des Funkzeitzeichen- und Zeitmesserprüfdienstes ist
im vergangenen Jahr um einen entscheidenden Schritt vorwärtsgekommen,
der zu der Wiederaussendung eigener wissenschaftlicher Zeitzeichen und zu
der Aufnahme von Gebrauchsuhrenprüfungen führte.
Für die astronomischen Zeitbestimmungen wurde ein neues
HSKHIVZM-Passage-Instrument von 70 mm Öffnung (Abb. 5 auf Anl. 9) in
der hierfür vorgerichteten Beobachtungshütte aufgestellt und nach Justierung
und Bestimmung der Instrumentalkonstanten am 22. August 1949 in Betrieb
genommen. Bis zum Abschluß des Jahres konnten hiermit von drei Beob
achtern insgesamt 29 Zeitbestimmungen angestellt werden. Im Rahmen der
Zusammenarbeit mit der Hamburger Sternwarte in Bergedorf wurde am
15. Februar eine Postleitung geschaltet, über die in viertelstündlichem Wechsel
die Kontakte von Pendel- und Quarzuhren gegenseitig ausgetauscht werden.
Auf diese Weise wurde ermöglicht, bei den Zeitbestimmungen jedes Instituts
jeweils auch die Uhren des anderen Instituts anzuschließen. Bis zur An
stellung eigener Beobachtungen konnten auf diese Weise zwischen dem
15. Februar und 22. August 66 Zeitbestimmungen von drei Beobachtern an
zwei Instrumenten der Hamburger Sternwarte dem hiesigen Zeidienst nutzbar