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V. GEZEITEN, NAUTISCHE ASTRONOMIE, ZEITDIENST
1. Gezeiten
a) Laufende Veröffentlichungen, Gezeitenrechen
maschine
Die „Gezeiten tafeln für das Jahr 1950“ erschienen im November
1949, abweichend vom vorhergehenden Jahrgang wieder in dem früheren
größeren Format, das eine bessere Lesbarkeit gewährt. Um die Gestehungs
kosten zu senken, wurden die Tafeln in Flachdruck nach maschinengeschrie
bener Vorlage erstmalig ganz innerhalb des Instituts (Abteilung II) her
gestellt. Die Kalender der „Hoch- und Niedrigwasserzeiten für clie Deut
sche Bucht und deren Flußgebiete. 1950“ und die drei Teilausgaben für die
Westküste Schleswig-Holsteins, für das Elbe-Gebiet sowie für das Weser-
Gebiet und Ostfriesland erschienen Anfang Dezember, auf vielfachen
Wunsch in kleinerem Format als bisher und mit ausführlichen Voraus
berechnungen für Glückstadt anstelle derjenigen für Brunsbüttelkoog. 22
Zeitungsverlage erwarben Rechte zu einem kurzfristigen Vorausabdruck
bestimmter Angaben.
Der Gezeitendienst lieferte oder erhielt Gezeitenvorausberechnungen
im Austausch mit Hydrographie Department, Admiralty, London; Service
Hydrographique de la Marine, Paris; Algemeene Dienst van den Rijks-
waterstaat, ’s Gravenhage; Direcgäo dos Serviqos de Hidrografia, Lissabon;
U. S. Coast and Geodetic Survey, Washington.
Die ausführlichen Vorausberechnungen der Hoch- und Niedrigwasser
zeiten und -höhen 1951 für die deutschen Bezugsorte wurden nach dem non
harmonischen Verfahren angefertigt und die Vorarbeiten für die Druck
vorlage zu den „Gezeitentafeln 1951“ begonnen. Beim Lochkartenreferat L
sind die Faktoren f und Argumentkorrektionen u der 10 wichtigsten har
monischen Tiden von 10 zu 10 Tagen für die Jahre 1951 bis 1959 auf Grund
der vollständigen Entwicklung des Gezeitenpotentials von D o o d s o n, und
danach die Tageswerte der astronomischen Argumente für die Jahre 1950
bis 1959 berechnet worden.
Die große Gezeitenrechenmaschine konnte wieder aufgestellt
und in Betrieb genommen werden. (Abb. 2 auf Anl. 7). Die Maschine, welche
etwa 7 m lang und 71 schwer ist, enthält auswechselbare Getriebe für 62
Tiden mit unabhängiger Einstellung der Amplituden und Phasen auf der
Vorder- und Rückseite und besitzt ein automatisches Druckwerk, das wahl
weise entweder die Hoch- und Niedrigwasserzeiten und -höhen oder stünd
liche Werte oder die Eintrittszeiten und Beträge des stärksten Gezeiten-'
stroms nebst den Stillwasserzeiten in Ziffern druckt, ferner ein Zeichenwerk,
das die auf beiden Seiten der Maschine unabhängig voneinander berechneten
Kurven nebeneinander aufzuzeichnen gestattet.
Die Maschine war 1935 vom damaligen Reichsluftfahrtministerium für
die Deutsche Seewarte bei der MECHANOPTIK (AUDE&RE1PERT), Ge
sellschaft für Präzisionstechnik m. b. H., Potsdam-Babelsberg, in Auftrag
gegeben worden; sie wurde nach den Angaben Dr. Rauschelbachs von
W. Reipert konstruiert und 1938 beim Marineobservatorium Wilhelms
haven aufgestellt, nachdem 1937 der Gezeitendienst dorthin verlegt und der
Auftrag 1936 vom damaligen Oberkommando der Kriegsmarine übernommen
worden war. 1941 führte das Marineobservatorium die Maschine bei seiner
Verlegung nach Greifswald mit, wo sie bis März 1945 gearbeitet hat. Nach der
Rückverlegung gegen Kriegsende ging sie in den Besitz des D. H. I. über, doch