Jahresbericht
Nr. 4/1949
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Die Arbeiten zur Drucklegung des Gezeitenstromatlasses der
Unterelbe wurde wieder in Gang gebracht, erste Probedrucke werden für
Anfang 1950 erwartet. Die Bearbeitung der Gezeitenstrombeobachtungen
in der Deutschen Bucht sowie damit in Verbindung stehende Untersuchun
gen über den Zusammenhang zwischen Gezeiten und Gezeitenströmen, ins
besondere in seichten Gewässern, wurde fortgeführt. Es gelang, Verfahren
zu entwickeln, mit deren Hilfe die Gezeiten und Gezeitenströme in einem
Tidefluß erhalten werden können, wenn auf einem Anfangs- und auf einem
Endprofil entweder der Wasserstand oder die Stromgeschwindigkeit als
Funktionen der Zeit bekannt sind. Es wurde versucht, diese Berechnungen
auch mittels eines Lochkartenverfahrens in größerem Umfange durchzu
führen. Spezielle Untersuchungen, vornehmlich an ausgewählten Beispielen,
gaben einen tiefgehenden Einblick in die Gesetzmäßigkeiten, die die Be-
wegungsvorgänge in seichtem Wasser beherrschen und die in mancher Weise
wesentlich von den Bewegungen auf tiefem Wasser verschieden sind. Die
Untersuchungen über die Reibung als Folge der Bewegungsvorgänge
wurden fortgeführt; es scheint, daß die Geschwindigkeit auf Änderung des
Reibungskoeffizienten stärker reagiert als der Wasserstand.
Für den Sandtransport, vor allem in der Brackwasserzone der
Tideflüsse, ist die Verteilung der Stromgeschwindigkeit von der Oberfläche
bis zum Grund von Bedeutung; eine theoretische Untersuchung zeigte, daß
die auf den Tideflüssen auftretenden horizontalen Dichteunterschiede in
einem ursächlichen, quantitativ angebbaren Zusammenhang mit der für
diese Gebiete charakteristischen Geschwindigkeitsverteilung stehen. Diese
Ergebnisse lieferten außerdem wichtige Hinweise für die Untersuchungen
über den Sandtransport in der Deutschen Bucht.
Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen Wind- und Ober
flächenstrom sowie über die Gestalt, die die Meeresoberfläche in einem ab
geschlossenen Meeresgebiet unter dem Einfluß eines ständig wehenden
Windes annimmt, wurden in Angriff genommen, mußten aber wegen
anderer laufender Arbeiten zurückgestellt werden; ihre Fortführung ist
vorgesehen.
Gezeitenstrombeobachtungen aus der Deutschen Bucht wurden aufbe
reitet und ausgewertet und gemeinsam mit dem Referat VA für die Beiträge
des Nordseehandbuches verarbeitet.
Mit der Ausdehnung der für die deutsche Seeschiffahrt zugelassenen
Gebiete wurden Vorbereitungen für die Bearbeitung meereskundlicher Bei
träge der zugehörigen Seehandbücher getroffen; wiegen des eingangs bereits
erwähnten Mangels eines eigenen Sachbearbeiters mußten die Vorarbeiten
häufig unterbrochen werden, und es konnte das vorgesehene Pensum nicht
vollständig erledigt werden.
Die enge Zusammenarbeit mit den für die Seewasserstraßen, den Kü
stenschutz und die Landgewinnung zuständigen Stellen konnte auch im Be
richtsjahr fortgeführt und durch Zurverfügungstellung von Erfahrung, Per
sonal und Gerät weiterhin fruchtbar gestaltet werden.
Zahlreiche Gutachten und Anfragen, vornehmlich von Kreisen der See
schiffahrt und der Wirtschaft, wurden bearbeitet.
Für. Untersuchungen des Wasser- und Schiffahrtsamtes in Lübeck in der
Lübecker Bucht wurden seit Mitte des Jahres Vorhersagen von Extrem
wasserständen gegeben.