Nautische Technik
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Die Arbeiten am Induktionskompaß konnten nach der Beschaffung von
speziellen Hilfsgeräten für das Laboratorium in der Weise fortgeführt werden,
daß es gelang, die einzelnen Ursachen für das Auftreten von systematischen
Anzeigefehlern voneinander zu trennen. Obwohl die Versuche noch nicht ab
geschlossen sind, mußten sie während des letzten Vierteljahres zu Gunsten
anderer Arbeiten zurückgestellt werden.
So wurde der Bau elektronischer Impulszähler nach Art des amerikani
schen „electronic counter" auf genommen. Die Geräte werden für den Zeit
dienst zur Messung von Zeitdifferenzen hoher Genauigkeit benötigt.
Für die dem Institut obliegenden amtlichen Prüfungen von Magnetkom
passen sowie für die Erprobung neuer entwickelter Magnetkompaßtypen ist
die Aufnahme des Schwingungsbildes des Rosensystems notwendig. Bisher er
folgte die Aufzeichnung der Rosenschwingungen durch punktweise Aufnahme
unter Verwendung einer Stoppuhr. Dieses Verfahren ist langwierig und ins
besondere bei sehr kleinen Amplituden nicht sehr genau. Nacht eingehenden
Vorversuchen wurden zwei verschiedene elektrische Meßanordnungen auf ge
baut, die die Schwingungen des Rosensystems automatisch auf Registrier
streifen in Form eines Kurvenzuges aufzeichnen; dabei bestanden von vorn
herein insofern gewisse Schwierigkeiten, als die Kompaßrose und der Ablauf
ihrer Schwingungen in keiner Form gestört werden darf und der geschlossene
Kompaßkessel (Fluidkompaß) auch die kleinsten Eingriffe am System — wie
z. B. Anbringung eines kleinen Spiegels — nicht zuläfit. Welche der beiden Re
gistrierverfahren gewählt werden wird, ist noch nicht endgültig entschieden.
Mit Hilfe der hier vorhandenen technischen Einrichtungen wurde auch
anderen Abteilungen des Instituts Unterstützung und Hilfe geleistet. So
wurden z. B. für das Dezernat VB: „Zeitdienst“ die technischen Einrich
tungen von zwei großen Walzen-Chronographen wieder vervollständigt und
in einen betriebsfähigen Zustand gebracht.
Die im vorhergehenden Jahresbericht erwähnten beiden neuen Konstruk
tions-Prinzipien, die zur Entwicklung eines kleinen Kreiselkompasses führen
sollten, haben sich im Verlaufe des Jahres bei Versuchen im Labor und an
Bord gut bewährt. Auf Grund der Versuchsergebnisse wurde ein erstes Labor
modell eines kleinen Kreiselkompasses gebaut. Zur Unterdrückung des inter
kardinalen Schlingerfehlers wird das bekannte und bestens bewährte Mittel
eines Zweikreisel-Verbandes benutzt. Die beiden Kreisel des Verbandes sind
aber in ihrer Llochachse nicht mehr in Präzisionskugellagern gelagert, sondern
zwischen Drahtbündeln aufgehängt, die unter einer bestimmten Mindest
spannung stehen. Der Gegenlaufzwang der beiden Kreisel wird durch eine
gekreuzte Drahtverspannung erzielt. Das nordweisende System ist unterge
bracht in einer Kugel mit trichterförmigem Ausschnitt. Der Trichter reicht bis
in die Kugelmitte, wo sich eine Zentrierplatte mit Zentrierloch befindet. Die
Trichterkugel schwimmt zwischen zwei nicht mischbaren Flüssigkeiten (wässe
rige Flüssigkeit und Quecksilber). Gegen seitliche Verschiebungen ist sie durch
einen Zentrierstift gesichert, der in die Zentrierplatte eingreift. Eine Tempera
turregelung ist dadurch überflüssig geworden. Die angegebenen Merkmale er
möglichen es, Gewicht, Größe und elektrischen Leistungsbedarf des Kompasses
erheblich herabzusetzen und den Aufbau des nordsuchenden Systems zu ver
einfachen. Bei der Erprobung des Gerätes im Stand und auf der Prüfschaukel
wurden die vom D. H. I. aufgestellten Prüfbedingungen erfüllt. Die Entwick
lung des Kreisel-Mutterkompasses ist damit im wesentlichen abgeschlossen.
Das gleiche gilt für einen Magnetverstärker, der für Zwecke der Nachdrehung
und Übertragung entwickelt und gebaut wurde. Zur Zeit wird noch versucht,
die Übertragungseinrichtung selbst zweckmäßig umzugestalten.