Jahresbericht
Nr. 5/1950
30
2. Dynamische Ozeanographie
Auf clen Feuerschiffen der Nord- und Ostsee wurden meereskundliche
Beobachtungen ausgeführt und aufbereitet in dem bisher üblichen Rahmen
und für eine Drucklegung zusammengestellt. Es wurden Vorbereitungen ge
troffen, um die Feuerschiff-Beobachtungen in clen internationalen Rahmen
dieser Beobachtungsart einzugliedern. Am 1. 5. 1950 wurde der Ostseepegel
Marienleuchte an das Wasser- und Schiffahrtsamt Ostsee übergeben.
Die ozeanographische und die Kartei mit Stromangaben wurden fort
geführt und Strombeobachtungen in die Kartei aufgenommen. Die Arbeiten
am Gezeitenstromatlas für Nordsee, Kanal usw. wurden fortgeführt. Die
Bearbeitung des Anteils der halbtägigen Hauptmondtide M2 für das See
gebiet wurde abgeschlossen. Im Küstenbereich wurden die Beobachtungen mit
den Berechnungen auf ihre Übereinstimmung geprüft. Es wurden Vorarbeiten
für eine neuartige Darstellung der Gezeitenströme getroffen, und zwar ist
vorgesehen, für ein regelmäßig über das Seegebiet verteiltes Netz von Punkten
die Stromgeschwindigkeiten auf V10 sm genau anzugeben. Darüber wird ein
Pfeilsystem gedruckt, das einen Überblick über die Gezeitenstromverhältnisse
gibt. Der Gezeitenstromatlas für die Unterelbe •wurde zum Abschluß gebracht
und die ersten Probedrucke angefertigt. Es wird damit gerechnet, daß der
Atlas im Jahre 1951 heransgegeben werden kann. Die Arbeiten für einen
Gezeitenstromatlas der Unterweser -wurden in Angriff genommen; es ist zu
hoffen, daß die Drucklegung unmittelbar nach Fertigstellung des Elbe-Atlas
erfolgen kann.
Die Untersuchungen über die Beziehungen zwischen den horizontalen und
vertikalen Komponenten der Bewegung, die durch Gezeitenkräfte bedingt
sind, wurden insbesondere in den seichten Teilen der Deutschen Bucht und
den Flußmündungen bearbeitet und zum Abschluß gebracht. Praktische
Untersuchungen und Vergleiche mit Beobachtungen in der Natur haben ge
zeigt, daß es möglich ist, den zeitlichen Verlauf des Wasserstandes in den
Flußmündungen in allen den Flüssen, die landwärts durch eine Schleuse
oder ein Wehr abgeschlossen sind, zu ermitteln, wenn seewärts der Ab
dämmung der zeitliche Verlauf des Wasserstandes und in dem dazwischen
liegenden Flußbereich die Morphologie bekannt sind. Die Genauigkeit, mit
der diese Ermittlung durchgeführt werden kann, beträgt 5—7% des Tiden
hubes. Im Zusammenhang mit diesen Untersuchungen konnte festgestellt
werden, daß Änderungen der Reibung nur einen relativ geringen Einfluß
auf die ermittelten Wasserstände besitzen. Die Untersuchungen über den
Einfluß der Dichteverteilung in vertikaler Richtung auf den Sandtransport
wurden fortgeführt. Es zeigte sich, daß in der Deutschen Bucht von See her
ein Sandtransport in das Buchtinnere hinein stattfindet. Darüber hinaus
konnte festgestellt werden, daß die Linien gleicher Dichte die Tendenz
zeigen, parallel der Richtung der großen Achse der Gezeitenstromellipse zu
verlaufen. Auf diese Weise wird es verständlich, daß die Wassermassen
verschiedener Dichte nicht kurzfristig durch die Gezeitenstöme vermischt
werden.
Die Arbeiten über den Zusammenhang zwischen Wind, Triftstrom und
Windstau konnten fortgeführt werden. Neben theoretischen Untersuchungen,
die an Hand praktischer Ergebnisse geprüft werden konnten und eine be
friedigende Übereinstimmung mit den Beobachtungen aufzeigten, wurden
im Franzius-Institut der Technischen Hochschule Hannover Untersuchungen
im Modell angestellt, die Aufschluß über die Größenordnung der wirksamen
tangentialen Schubkräfte gegeben haben. Im einzelnen wurden der Trift