Jahresbericht
Nr. 5/1950
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III. SEEVERMESSUNG
1. Allgemeines
Der Vermessungsplan 1950 sah neben Aufgaben, deren Bearbeitung durch
Krieg und Minenlage bisher verzögert wurde, wieder eine Reihe von Aufgaben
vor, deren Bearbeitung von den örtlichen Wasser- und Schiffahrtsämtern ge
wünscht bzw. vom Bundesverkehrsministerium als dringlich bezeichnet war.
Im Gegensatz zur bisherigen Gepflogenheit wurde das gesamte deutsche
Küstengebiet in Felder eingeteüt, deren Flächen sich im allgemeinen mit der
Ausdehnung der deutschen Seekarten decken und die mit feststehenden Ge
bietszahlen (Nr. der jeweiligen Verm.-Aufgaben) bezeichnet wurden. Die
Numerierung in der Nordsee beginnt im Westen mit N-l, dem Gebiet der
Ems, und endet mit N-31, dem Gebiet um die Nordspitze von Sylt. Als
einzeln liegende Gebiete kommen noch N-32 — Amrumbank — und N-33,
der Hafen, Reede und das Gebiet um Helgoland hinzu. In der Ostsee beginnt
die Zählung mit 0-1 in der Flensburger Förde und endet mit 0-21 in der
Lübecker Bucht bei Travemünde (s. Anlage 3).
Nachdem weitere Teile der Nordergründe minengeräumt waren, konnte
nunmehr die Vermessungsaufgabe — Auslotung der Nordergründe, des Roten
Sandes, der Oster- und Westertill und der Kleinen Knechtsände —- erledigt
werden, die bisher wegen der Minenlage immer zurückgestellt werden mußte.
Um diese Aufgabe mit allen Mitteln in der günstigsten Jahreszeit zum Ab
schluß zu bringen, wurden alle Vermessungsfahrzeuge des D. H. I. hieran be
teiligt. Flächenmäßig betrachtet, umfaßt diese Aufgabe allein die Hälfte der
im ganzen Jahresprogramm ausgeloteten Seegebiete. Was für die örtliche
Schiffahrt in diesem Gebiet von Interesse sein könnte, ist die Tatsache, daß
die Bezeichnung der Nebenfahrwasser in der Seekarte nicht mehr der tat
sächlichen Lage entspricht und infolgedessen die „Oster-Till“ in „Norder Till“
und die „Norder Till“ in „Oster Till“ umbenannt wurden.
Im Zusammenhang mit der Vermessung der Nordergründe wurde auf
Wunsch interessierter Stellen der östliche Anschluß an diese Aufgabe, der
„Wattenweg zwischen Elbe und Weser“ über die Spikaer Barre nach längerer
Zeit neu vermessen.
Die in der Wesermündung liegenden, bisher in der Seekarte nicht ver
zeichn eten Inseln Langlütjen I und II, die sich als markante Landmarken für
die Wesereinsteuerung abheben, wurden topographisch auf genommen. Das
bisher ebenfalls in der Seekarte noch nicht eingetragene Rantum-Becken bei
Sylt wurde im Rahmen der Aufgabe „N-27, Hörnum-Tief“ für die topo
graphische Ergänzung der Seekarte neu auf genommen (s. Anl. 3).
2. Fachlicher Einsatz der Vermessungsschiffe
Zur Durchführung der Vermessungsaufgaben standen nach beendeter
Werftüberholung, Schleifenfahrten und Entmagnetisieren in der EM-Stelle,
Kompensieren, Funkbeschickung und Meilerfahrten folgende Vermessungs
fahrzeuge zur Verfügung:
1. Vermessungs- und Forschungsschiff „Gauss“
ab 12. April 1950 mit 3 Vermessungsgruppen
2. Peilboot „Rüden“
ab 12. April 1950 mit 1 Vermessungsgruppe
3. Peilboot „Hooge“
ab 12. April 1950 mit 1 Vermessungsgruppe
insgesamt 5 Vermessungsgruppen