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Full text : Jahresbericht 1950

Jahresbericht

Nr.  5/1950

16

II.  SEEKARTENWERK  UND  NAUTISCHE  GEODÄSIE
1.  Allgemeines
Der  Wiederaufbau  des  deutschen  Seekartenwerks  wurde  im  Jahre  1950
fortgesetzt.
Der  Wettlauf  mit  dem  Wiederaufbau  der  deutschen  Schiffahrt,  der  auch
aus  den  Absatzzahlen  der  deutschen  Seekarten  deutlich  abzuleseu  ist,  konnte
trotz  der  Beschränkungen  auf  die  Bearbeitung  von  Seekarten  des  europäischen
Raumes  nicht  in  befriedigender  Weise  auf  genommen  werden.  Es  liegt  dies
einmal  daran,  daß  größere  Lücken  in  der  laufenden  Berichtigung  eines  Kartenwerks ­
  praktisch  niemals  schlagartig  beseitigt  werden  können.  Zum  anderen
wirkte  sich  der  Umstand  besonders  erschwerend  aus,  daß  der  Haushalt  für
das  Rechnungsjahr  1950,  in  dem  erstmalig  gegenüber  den  Vorjahren  eine
Vermehrung  an  Fachstellen  und  Sachmitteln  berücksichtigt  werden  durfte,
bei  Abfassung  des  Berichts  noch  nicht  verabschiedet  worden  war.  Erst  im
September  wurde  auf  Veranlassung  des  Bundesverkehrsministeriums  von  dem
Herrn  Bundesfinanzminister  ein  Vorgriffsantrag  genehmigt,  der  gestattete,
einen  Teil  der  angeforderten,  zur  Bewältigung  der  anfallenden  Aufgaben  unbedingt ­
  notwendigen  kartographischen  und  technischen  Fachkräfte  einzustellen. ­

‘  In  diesem  Zusammenhang  muß  erneut  daran  erinnert  werden,  daß  die
Behinderung  der  Haushaltsanpassung  im  Jahre  1949  das  Seekartenwerk  im
Hinblick  auf  die  voraussehbaren  künftigen  Forderungen  der  wieder  auflebenden ­
  deutschen  Schiffahrt  deshalb  sehr  hart  betroffen  hat,  weil  die  im
Technischen  Betrieb  zusammengefaßten  technischen  Hilfsmittel  des  Seekartenwerks, ­
  die  eine  notwendige  Voraussetzung  der  Berichtigung  und  der  Herausgabe ­
  von  Seekarten  darstellen,  wegen  der  Zeitverhältnisse  erst  Mitte  1948  in
Hamburg-Tollerort  wieder  erstellt  werden  konnten. 1 )  Waren  also  aus  diesem
Grunde  bis  Mitte  1948  keine  Vorarbeiten  möglich,  so  konnten  sie  seitdem  bis  in
die  jüngste  Zeit  hinein  wegen  der  zu  geringen  Zahl  der  Fachkräfte  und  der
unzureichenden  Sachmittel  nur  in  einem  viel  zu  engen  Rahmen  vor  sich  gehen.
Unter  diesem  Gesichtswinkel  sind  die  im  Abschnitt  „Kartographie“  gegebenen
Zahlen  über  „Neue  Ausgaben“  und  „Nachdrucke  mit  Berichtigungen“  zu  lesen,
die  sich  auf  600  verschiedene  Seekarten  des  europäischen  Raumes  beziehen.
Schließlich  darf  nicht  übersehen  werden,  daß  zwar  zunächst  noch  verhältnismäßig ­
  wenige  deutsche  Schiffe  in  Fahrt  sind,  daß  diese  aber  in  den  von  ihnen
befahrenen  Gewässern  dieselbe  Zahl  verschiedener  Seekarten  benötigen,  wie
viele  Schiffe  auf  der  gleichen  Route.  Der  Übergang  zu  der  Versorgung  einer
größeren  Anzahl  von  Schiffen  ist  für  das  Seekartenwerk  nur  eine  Frage  der
Auflagenhöhe.
Durch  die  erwähnte  Personalerhöhung  im  Seekartenwerk  kann  das  D.  H.  I;
im  kommenden  Jahr  die  Fortführung  der  Karten  in  den  Schwerpunktgebieten,
insbesondere  in  der  Nord-  und  Ostsee  und  in  den  von  der  Schiffahrt  und  der
Fischerei  als  besonders  wichtig  und  dringlich  bezeiebneten  Gebieten  des  Kanals
sowie  der  Küsten  von  Norwegen  und  Island,  verstärkt  vorantreiben.  Dringend
notwendig  ist  nunmehr  die  Erhöhung  der  Sachmittel,  damit  Stich-  und  Zeichenarbeiten ­
  in  größerem  Umfange  als  bisher  vergeben  werden  können.
Der  Eindruck  der  Interpolationsnetze  der  Consolfunkfeuer  Bushmills  und
Stavanger  in  die  Fischereikarte  der  Nordsee  D  112  FC  hat  sich  in  der  Praxis
gut  bewährt.  Das  D.  H.  I.  wird  daher  damit  beginnen,  die  Netze  in  einige
weitere  Seekarten  der  nördlichen  Fanggebiete,  die  von  der  Fischerei  viel
gebraucht  werden,  einzudrucken.
x )  Vgl.  hierzu  die  Jahresberichte  der  Vorjahre.
            
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