Jahresbericht
Nr. 6/1951
An der Vorbereitung der Hochseepegel für den Einsatz, an der Ent
wicklung eines Druckmeßgeräts mit Bourdon-Rohren und Temperaturregistrie-
rung und am Bau eines Wellenmessers nach, RR. Dr. Joseph (vgl. Bericht der
Abt. IV) war ein Wissenschaftler des Gezeitendienstes zu einem erheblichen
Teil seiner Tätigkeit beteiligt.
Zahlreiche Auskünfte, Beratungen und Gutachten über Gezeiten und
Gezeitenströme sind an Schiffahrtskreise, Privatpersonen und Gerichte erteilt
werden. Allwöchentlich, oft an mehreren Tagen, fanden Besichtigungen
der Gezeitenrechenmaschine durch Gäste des Instituts, Exkursionen, Lehr
gänge usw. statt.
d) Windstau- und Sturmwarndienst
Der Dienst wurde wie im Vorjahr unter wetterkundlieher Beratung
durch das Meteorologische Amt für Nordwestdeutschland und mit personeller
Unterstützung seitens der Abteilung IV durchgeführt. Seit dem Umzug des
Pegeldienstes in Cuxhaven am 1. 5. 1951 wird ein Teil der Wasserstands-
beobachtungen an der Küste dem Dienst in Hamburg unmittelbar durch Wobs-
Telegramme zugestellt.
Die Vorhersagen der Hochwasserstände wurden regelmäßig über den
Nordwestdeutschen Rundfunk im Anschluß an die Nachrichtensendungen um
08.45 und 22.15 Uhr (im Winterprogramm um 08.55 und 21.45 Uhr) verbreitet.
Die Sturmflutwarnungen wurden wie bisher über den Rundfunk sowie an
einen festen Empfängerkreis von etwa 100 Behörden und Firmen durch Post-
telegramme und fernmündlich ausgegeben. Darüber hinaus sind auf Wunsch
mehrerer Behörden und Firmen in Hamburg und an der Küste Warnungen
vor besonders niedrigen Hochwasserständen eingeführt worden, die wie die
Sturmflutwarnungen telegraphisch und fernmündlich verbreitet werden. Ins
gesamt sind Sturmflutwarnungen an 23 Tagen ausgegeben und dabei 593 Tele
gramme versandt worden. Warnungen vor besonders niedrigen Hochwasser
ständen — im Rundfunk als „Warnung an die Schiffahrt“ bezeichnet —
wurden an 1 Tage ausgegeben. Die Zahl der Auskünfte, die aus Schiffahrts
kreisen, von Firmen, Privatleuten und Behörden in Hamburg und an der
Unterelbe auch bei ruhigen Wetterlagen über die zu erwartenden Hoch- und
Niedrigwasserstände verlangt werden, hat weiter zugenommen.
2. Nautische Astronomie und Navigationsmethoden
Der Jahrgang 1952 des „Nautischen Jahrbuchs“ erschien Ende
August 1951, als letzter in der alten, seit 1925 im wesentlichen unveränderten
Form. Die Vorlage für den Flachdruck bei der Abteilung II im Hanse war
erstmalig mit einem sog. Varityper hergestellt worden; das Schrift- und Seiten
bild hat dadurch erheblich an Deutlichkeit gewonnen, so daß die am vorigen
Jahrgang beanstandeten Mängel behoben sein dürften.
Gemäß den Gutachten der Nautischen Vereine wurde die neue Form,
in der das Jahrbuch vom Jahrgang 1953 ab erscheinen soll, endgültig fest
gelegt und vom Bundesverkehrsministerium genehmigt. Dadurch, daß das
Jahrbuch nunmehr für alle Gestirne den Stundenwinkel Greenwich angebeu
wird, ist beträchtlich mehr Arbeit bei der Berechnung, bei der Herstellung der
Druckvorlage und bei den Korrekturen erforderlich; diese Mehrarbeit kommt
jedoch dem Benutzer an Bord zugute, der künftig einfacher aufsehlagen und
rechnen kann. Wünschen aus der Schiffahrt entsprechend, wurden die Zeiten
des Mond-Auf- und -Untergangs für 7 Breiten von 70° N bis 50° S berechnet