Jahresbericht Nr.7/1952
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VI. NAUTISCHE TECHNIK
1. Nautische Instrumente
a) Kompasse. Im Berichtsjahr konnten die Einrichtungen des neuen Magnet
kompaßlaboratoriums weiter vervollständigt werden durch die Inbetriebnahme
einer Tiefkühlanlage. welche in einem eisenfreien Prüfschrank die Beobachtung
des Schwingungsverhaltens von Magnetkompassen bei Temperaturen bis -30°C er
möglicht. Weiterhin konnte für die Messung der magnetischen Materialeigen
schaften von Magnetstählen und Weicheisensorten für Kompaßbau und Kompensier
zwecke ein Elektronenstrahl-Sichtgerät angeschafft werden, welches durch zu
sätzlichen Einbau einer Zeitablenkung gleichseitig als Laboratoriums-Oszillo
graph für niedrige Frequenzen verwendet werden kann. Die erforderlichen
Hilfseinrichtungen, insbesondere ein Generator für die Magnetisierung bei
Frequenzen bis zu 1 Hz sollen im eigenen Betrieb erstellt werden.
Um den aus finanziellen Gründen zurückgestellten Bau des dringend benö
tigten großen Schaukelgerätes für Seegangsfrequenzen durchführen zu können,
wurde auf einen streng sinusförmigen Bewegungsablauf und eine der Schiffsbe
wegung entsprechende, nach oben konvexe Krümmung der Bahn des bewegten Ti
sches verzichtet und die Konstruktion so geändert, daß das Gerät freie
Schwingungen einstellbarer Dauer von etwa 5 bis 20 sec bei Amplituden bis
i 2,5 m ausführt.
Bei den Versuchen zur automatischen Konstanthaltung der durch den elek
trischen Bahnbetrieb verursachten Feldschwankungen im Magnetkompaßlaborato
rium hat sich gezeigt, daß ein Teil der Feldstörungen von so kurzer Dauer
ist, daß ihre Kompensierung mittels einer Magnetometeranordnung mit Photo
zellen nicht wirksam möglich ist, da diese Begeleinrichtung zu träge arbei
tet. Dagegen nehmen die Versuche, das Ziel mittels einer nach dem Prinzip
der Förster- Sonde arbeitenden Meßanordnung zu erreichen, einen er
folgversprechenden Verlauf.
Die Versuche mit der im Jahresbericht Nr. 6 erwähnten Ausführung des
wirbelstromgedämpften Trockenkompasses^ haben ergeben, daß sich auch mit
einem magnetischen Moment von rund 360 cgs bei Eosengewichten von nur 25 -
30 g ein'Dämpfungsverhältnis von etwa 2,2 bis 2,5 erzielen läßt. Dieser Wert
liegt zwar unter dem bei Flüssigkeitskompassen gebräuchlichen, doch stellt
das wirbelstromgedämpfte System eine wesentliche Verbesserung gegenüber den
nahezu ungedämpft schwingenden üblichen Trockenkompassen dar. Die Entwick
lung ist damit abgeschlossen.
Die im VorJahresbericht erwähnte Resonanzmethode zur Justierung der
Schwerpunktslage von Kreiselelementen wurde ausgedehnt auf die statische
Auswuchtung von Kreiselrotoren. Trotz- der Einfachheit der erforderlichen
Hilfsmittel ließ sich eine große Empfindlichkeit und Wuchtgenauigkeit erzie
len.
1) Vgl. Jahresbericht Nr. 6/1951, S. 43 ff.'