Gezeiten, Nautische Astronomie, Zeitdienst
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Nautical Almanac Office und vom Astronomischen Recheninstitut Heidelberg erst
malig auch vom U.S. Nautical Almanac Office Washington (Mond-Auf- und Unter
gänge in höheren Breiten).
Der Wunsch, Höhentafeln nach Art der amerikanischen Tafeln HO 214 zu ver
wenden, wurde mehrfach an -das Institut herangetragen, Benutzer ausländischer
Tafeln sind näher über das Verfahren unterrichtet worden. Weitere Verfahren
der Standlinienermittlung, auch mechanischer Art, waren zu begutachten.
Eine weitere Arbeit bildete die Berechnung von Helligkeitsverhältnissen,
auch für forensische Zwecke. Auch über die Kimmtiefe wurden Auskünfte gege
ben. Die seit Jahren abgeschlossene Bearbeitung der Vorkriegsbeobachtungen
erschien im Druck.
Anfang des Jahres konnte die Schrift "Das Decca-Navigationsverfahren -
Aufbau, Wirkungsweise und Anwendung" herausgegeben werden. Sie wurde Weit
über die angesprochenen Schiffahrtskreise hinaus auch in der Wissenschaft
und Technik beifällig aufgenommen und war wie die früher erschienenen Schrif
ten "Hinweise für die Verwendung von Radargeräten" und "Consolfunkfeuer" bald
vergriffen. Ein Neudruck war möglich. Diese Erfolge ermutigten dazu, die wie
derholt, u.a. auch vom Ausschuß des Seeverkehrsbeirats, gegebene Anregung zu
verfolgen, die nautische Zeitschrift "Der Seewart" wieder herauszugeben. Die
Vorarbeiten dafür wurden geleistet. Die Zeitschrift wird künftig vom Deut
schen Hydrographischen Institut gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst,
Seewetteramt, Hamburg, der ein Drittel des Inhalts redigiert, herausgegeben
werden. Das erste Heft befand sich am Ende des Jahres im Druck. Die Möglich
keit, kurzabständig Gedanken mit den fahrenden Nautikern auszutauschen, die
die Zeitschrift bietet, wird allgemein begrüßt^.
Auf zwei Versuchsfahrten mit "Gauss" konnten Erfahrungen zu der Frage
gesammelt werden, welche Bedeutung das Radar als Hilfsmittel der Ortsbestim
mung besitzt und wie im Bereich der deutschen Küsten solche Erfahrungen nutz
bar gemacht werden können. Auf einer Fahrt nach Narvik konnte Kapt.S c h n e-
gelsberg Erfahrungen auch aus dem geographisch-morphologisch ganz an
dersartigen Gebiet der norwegischen Küste gewinnen. Das Ergebnis dieser eige
nen Untersuchungen läßt das Zögern der ausländischen Fachkreise, Erfahrungs
berichte herauszubringen, verständlich erscheinen. Die Vielzahl der physika
lisch möglichen Änderungen in den Ausbreitungs- und Reflexionsverhältnissen
erschwert es schon jetzt, zu wirklich allgemein gültigen Aussagen zu kommen.
Vor allem scheinen nach dem heutigen Stand unserer Erkenntnisse außerhalb
der Reviere Radarkarten nicht zu empfehlen zu sein; vermutlich sind hierfür
Hinweise in den Seehandbüchern durch Text und Bild vorzuziehen. Die theore
tischen Grundlagen möglicher Störungen wurden an Hand in- und ausländischer
Literatur studiert.
Die genannten Fahrten mit "Gauss" dienten auch der Untersuchung der
deutschen Decca-Kette. Daneben wurden für diese Kette noch verschiedene Be
rechnungen zur Herstellung von Decca-Karten durchgeführt. Consol-Beobachtun-
1) Das erste Heft in der neuen Folge erschien im Januar 1953.