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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1895,
Eider, am Nord-Ostsee-Kanal und den Wattfahrstrafsen an der Westküste Schleswig-
Holsteins, in der Ostsee vornehmlich in den Föhrden im Westen und den Fahr-
strafsen am Grofsen und Kleinen Haff und am Frischen und Kurischen Haff
vorauszusehen. Ja, es kann wohl erwartet werden, dafs bei weiterer Vervoll-
kommnung des Systems an manchen Stellen, wo jetzt Feuer unter Aufsicht von
Wärtern brennen, auch diese durch beständig brennende Feuer ohne Wartung
werden ersetzt werden.
Da die Feuer zum Brennen mit gewöhnlichem Petroleum eingerichtet
werden können, so bedarf es zu ihrer Erhaltung nicht der Errichtung besonderer
Fettgasanstalten, wie es die mit Pintsch’schem Fettgas gespeisten Feuer ver-
langen. Auch der weite Transport des Brennstoffes in grofsen Transportkesseln
wird bei ihnen unnöthig.
Es dürfte aus den angeführten Gründen zweckmäfsig sein, über die ver-
schiedenen Arten dieser Feuer das bisher Bekanntgewordene mitzutheilen.
Der Leuchtapparat von Arzberger.
(Tafel 1, Fig. 1 und 2.)
Der Civil-Ingenieur M. Arzberger in Wien hat bereits Mitte der achtziger
Jahre einen Leuchtapparat von langer Brenndauer für Seeleuchten erfunden,
welcher in Oesterreich-Ungarn, Deutschland, Frankreich und anderen Staaten
patentirt worden ist. Der Leuchtapparat ist von der K. K. österreichischen
Seebehörde in Triest sowohl auf seine Leistungsfähigkeit bezüglich der Brenn-
dauer als auch auf seine Widerstandsfähigkeit gegen Sturm und Wetter und
gegen Hitze und Kälte geprüft worden und soll sich gut bewährt haben.
Der Arzberger’sche Apparat brennt ohne Docht, und die Zuführung des
Brennstoffes ist außerordentlich einfach.
Der Apparat besteht aus zwei ungefähr gleich grofsen Petroleumbehältern,
die durch ein Röhrensystem so miteinander verbunden sind, dafs der Brennstoff
von dem einen, höher gelegenen zu dem unteren fliefst und auf seinem Wege
den Brenner passirt. Vorrichtungen sind angebracht, welche das Auslöschen der
Lampe bei heftigem Winde und eine Erhitzung des Petroleumbehälters durch
Sonnenstrahlen oder durch die Lampenwärme verhindern.
Als Brennstoff wird gut gereinigtes, fettfreies Petroleum verwendet.
Die Zeichnung auf Tafel 1 enthält eine Ansicht des Apparates. Wir
geben nach dem Durchschnitt die weitere Beschreibung.
Der Behälter A steht durch die Leitung C mit dem Brenner D und dem
unteren Oelhehälter B in Verbindung. Die Leitung C besteht aus dem Rohre c,,
Filter c,, Nadelventilen ce, und c, und dem Abhflufsrohre. Der Filter c, dient
dazu, das Verstopfen der Ventile durch etwaige Unreinigkeit der Flüssigkeit zu
verhindern,
Der Brenner D besteht aus einem äufseren Rohre d, und einem inneren
Rohre d,. Das Leuchtöl steht in dem Rohre d, hinauf bis zur Brennstelle, und
der unverbrannte Rest fliefßst durch das mit seiner oberen Mündung etwas tiefer
stehende innere Rohr d, zum unteren Oelbehälter B. Das Petroleum verbrennt
somit an der Ueberflufsstelle ohne Docht.
Die durch beständigen Zufluls fortgesetzt gespeiste Brennstelle bleibt stets
rein, weil etwaige Unreinigkeiten durch das überfliefsende Petroleum weg-
geschwemmt werden. Nur die flüchtigeren Theile des Petroleums verbrennen,
und die etwa vorhandenen unverbrennlichen Bestandtheile desselben können sich
nicht wie bei Dochtlampen an der Verbrennungsstelle im Dochte vercoaksen,
sondern mit dem nicht zur Verbrennung gelangenden Ueberschufls an Petroleum
abflielsen. — Da aufserdem das Abnehmen des hydrostatischen Druckes bei all.
mählichem Verbrauche des Petroleums und das Sinken der Niveaufläche im
Vorrathsbehälter A. nur das Quantum des abfließsenden Petroleums beeinflufst, so
brennt die Flamme, so lange überhaupt mehr Petroleum zuflielst, als zur Ver-
brennung gelangen kann, immer gleichmäßig, und es ist somit die Brenndauer
aur von dem Quantum des Vorraths an Petroleum, also von der Größe des
Behälters A, abhängig.
Bei c, ist ein Glasrohr eingeschaltet, durch welches man die vom Brenner
ablaufenden Tropfen sieht, um nach der Menge des abfliefsenden Petroleums vor dem
Anzünden der Lampe ein Reguliren mit dem Ventil ce, vornehmen zu können.