Allgemeine Entwicklung des D.H.I. im Jahre 1954
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Die Lochkartenmaschinen konnten infolgedessen stärker als bisher für eigene
Arbeiten, insbesondere solche der astronomischen Abteilung, eingesetzt oder
vorgesehen werden (Analyse und Vorausberechnung der Gezeiten, Berechnung des
Nautischen Jahrbuches, Berechnung von Fixaternephemeriden für das photographi
sche Zenitfernrohr des Zeitdienstes usw.).
Wegen Überlastung der Druckerei erschien das Nautische Jahr
buch 1955 etwa fünf Wochen später als im Vorjahre. Die Arbeiten am Jahr
buch 1956 sind mit allen Kräften so gefördert worden, daß dieses Jahrbuch etwa
ein Vierteljahr früher herausgebracht werden kann. Die Zusammenarbeit mit dem
Funkortungsausschuß führte zu einer beträchtlichen Erweiterung der Erfahrungen
über den Einsatz von Radargeräten auf Seeschiffen.
Der weitere Auf- und Ausbau des Zeitdienstes wurde 1954 durch
die teils bereits erfolgte, teils noch bevorstehende Verlegung desselben in
den Neubau der Bundesverkehrsbehörden stark beeinträchtigt.
Das Beobachtungshaus für die Aufstellung des im- Bau befindlichen Zenit
fernrohres wurde fertiggestellt. Die Geberapparaturen für die Funkzeitzeichen
sowie die theoretische Vorausberechnung der genauen Zeit wurden verbessert.
Zeitsignalaussendungen und -aufnahmen wurden im bisherigen Umfange vorge
nommen. Der Gerätebestand wurde vervollkommnet und den erhöhten Genauigkeits
anforderungen angepaßt.
Der Zeitmesser-Prüfdienst erfuhr eine erhebliche Zunahme der Prüfungen
von' Schiffs-Chronometern und Gebrauchs-Armbanduhren.
Im Bereich der Nautischen Technik wurden zur Verbesse
rung der Schiffssicherheit im Berichtsjahr zahlreiche Untersuchungen, Erpro
bungen und Prüfungen nautischer Anlagen und Geräte sowie die Durchbildung
oder Beschaffung wichtiger neuer Prüfeinrichtungen durchgeführt.
Pur die Untersuchungen der Fehlweisungen von Magnetkompassen, wie sie un
ter dem Einfluß mechanischer Beschleunigungen bei der Schlingerbewegung auf
Schiffen leicht auftreten können, wurde ein großes Schaükelgerät (s. Abb.) ge
baut und aufgestellt. Das Gerät ermöglicht hei zwischen 6 und 25 Seicunden ver
änderbarer Schwingungsdauer Schwingungen in beliebig orientierten Vertikalebe
nen bei Amplituden bis + 2,5 m. Die mit diesem Gerät gewonnenen Versuchser
gebnisse werden laut Vorschlag des Ausschusses des Seeverkehrsbeirates für
die Angelegenheiten des Deutschen Hydrographischen Instituts ihren Nieder
schlag in besonderen Bestimmungen für eine neu einzuführende dynamische- Prü
fung im Rahmen der Kompaßprüfvorschrift des Deutschen
Hydrographischen Institutes finden.
Für verschiedene Geräte oder Geräteteile, die'in Ruderhäusern angebracht
werden, wie z.B. die elektrische Antriebsanlage für Handruder, elektrische
Ruderlagen-AnzeigeSystem und Bauteile von Echolotanlagen, wurde im Magnetkom
paßlabor der erforderliche Schutzabstand vom Magnetkompaß experimentell fest
gelegt.