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Full text: Jahresbericht 1954

Jahresbericht Nr. 9/1954 
- Seite 36 - 
2. Nautische Astronomie und Navigationsmethoden 
Der Jahrgang 1'955 des Nautischen Jahrbuches erschien Anfang Oktober. Die 
Handelsschiffahrt wünscht, daß das Jahrbuch früher verfügbar ist. Deshalb 
wurde die Herstellung des Manuskriptes zum Nautischen Jahrbuch 1956 vorange 
trieben. Dabei wirkte es sich günstig aus, daß erstmals ein Teil der stünd 
lichen Werte des Greenwicher Stundenwinkels und der Abweichung mit Hilfe der 
locbkartenmaschinen manuskriptfertig hergestellt wurde (vgl. oben 1.). Die 
Druckvorlage für den Jahrgang 1956 konnte bis Ende des Berichtsjahres fertig 
gestellt werden. Die Vorbereitung des Manuskripts für den Jahrgang 1957 ist 
gleichfalls bereits im Gange. 
Die Zeiten des Aufgangs von Sonne und Mond wurden für verschiedene Aus 
künfte, für die Presse, für den Flughafen Hamburg und für die Gezeitenkalen 
der berechnet, ferner Ephemeriden der Sonne für den Fischereikalender. 
Das Dezernat beteiligte sich, an der Ermittlung von Sternörtern für das 
photographische Zenitfernrohr des Dezernates VG, deren Reduktion auf den 
scheinbaren Ort eine ähnliche Aufgabe darstellt, wie sie jährlich für das 
Nautische Jahrbuch zu leisten ist. Die größere Genauigkeit stellt allerdings 
höhere Anforderungen, vor allem für die Berücksichtigung von Bigenbewegungen, 
die für die in Frage stehenden schwachen Sterne erst abgeleitet werden müs 
sen. Die gewohnte Zusammenarbeit mit dem Astronomischen Recheninstitut Hei 
delberg bewährte sich auch hierbei. 
Bei der ungünstigen Witterung im Berichtsjahr wurden Untersuchungsreihen 
des D.H.I. zur Refraktion niedrig stehender Gestirne nicht gewonnen. Dipl. 
Phys. 1. B r ü n i g führte mit Unterstützung des D.H.I. Messungen auf Mal 
lorca während der Sommermonate aus, deren Material er dem Dezernat zur Ver 
fügung stellt. Er ließ sich bei der Auswertung dieser Messungen beraten. Die 
Messungen bestätigen die in Amerika gewonnene Erfahrung, daß auch tiefstehen 
de Gestirne für die Navigation ausreichend gute Beobachtungen geben. 
Die Zusammenarbeit mit dem Funkortungsausschuß zur Klärung des Einsatzes 
von Radargeräten auf Seeschiffen führte zu weiteren wertvollen Erkenntnissen 
über die Verwendung von 3- und 10-cm-Geräten sowie über den Einfluß des See 
gangs. Die Arbeiten wurden von der Bundesbahn (Fährschiff "Deutschland"), vom 
Bundesgrenzschutz See und von Prof. H. G. Möller unterstützt, dem es 
schließlich gelang, eine plausible Theorie der Seegangsstörungen zu entwik- 
keln, die das gesammelte Material der Firmen Atlas, Debeg und Telefunken so 
wie des Bundesgrenzschutzes und des D.H.I. erfaßt. Die ganze Spannweite der 
serienmäßig hergestellten Geräte der Funkmeßindustrie rechtfertigt sich aus 
den sehr verschiedenen Bedürfnissen der Navigation der großen und kleinen 
Fahrt, der Ansteuerung und der Revierfahrt sowie großer und kleinerer Fahrzeu 
ge, denen ein einziger Gerätetyp nicht gerecht werden kann. Für die weitere 
nautische Anwendung ist der Erfahrungsaustausch mit ausländischen Fachkräf-
	        
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