Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1926.
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begriffen; die bei Jahresanfang begonnene Veröffentlichung von Auszügen aus
den Schiffstagebüchern in jedem Heft der Annalen hat sich in werbendem Sinne
geltend gemacht. Der Wert solcher „Erfahrungsberichte“, wie sie Maury, der
Schöpfer der maritimen Meteorologie, so erfolgreich ins Leben gerufen hat, wurde
wissenschaftlicherseits auf der 15. Versammlung der Deutschen Meteorologischen
Gesellschaft in Karlsruhe (3. bis 7. Oktober 1926) unter Bezugnahme auf die
Ann. d. Hydr. usw. hervorgehoben mit dem Wunsche, daß derartige Berichte
auch aus Flugverkehrskreisen erscheinen möchten.
Der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft gebührt Dank für die Mit
teilung von 4 Berichten von Mitgliedern der Deutschen Atlantischen Expedition
(„Meteor“) und Gewährung einer Beihilfe zu deren Veröffentlichung.
b. Schriftleitung der Zeitschrift „Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte“.
Vom 43. Band dieser Veröffentlichungsreihe erschienen im Berichtsjahr
Nr. 1: N. Fischer, „Die wirtschaftlichen Schäden der tropischen Wirbelstürme.
Eine wirtschaftsgeographische Untersuchung zur Frage der Wirtschaftsinstabilität
infolge von Wetterschäden.“ (54 Seiten, 1 Tafel). — Nr. 2; A. Wegener, „Theorie
der Haupthalos“ (32 Seiten, 19 Textfiguren). — Nr. 3: W. Georgii-H. Seil
kopf „Ergebnisse einer flugv/issenschaftlichen Forschungsreise nach Columbia
(S. A.)“, von den Verfassern der Deutsch-Columbianischen Luftverkehrsgesellschaft
Scadta gewidmet (56 Seiten, 7 Tafeln, 8 Textfiguren). Vom 44. Band (1926)
erschien Nr. 1; M. Gans, „Das Hudsonmeer“ (113 Seiten, 3 Tafeln). — Bei Nr. 3,
Bd. 43 hat die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft einen wesentlichen
Teil der Unkosten getragen.
c. Bibliothek.
Das Bestandsverzeichnis der Bibliothek schloß im Jahre 1926 mit 43 758
Nummern. Auch in diesem Jahre wurde die Bibliothek ständig von Außen
stehenden, besonders von Studierenden der hiesigen Universität, benutzt. Der
Tauschverkehr nach dem Ausland hat sich weiter entwickelt; z. Zt. gehen etwa
340 fremdländische Veröffentlichungen regelmäßig hier ein.
Seit der letzten in den Jahren 1913/14 vorgenommenen Erweiterung der
Bibliotheksräume sind etwa 8000 neue Bände hinzugekommen, die den damals
gewonnenen Raum fast ganz ausgefüllt haben. Um mehr Platz zu erhalten, sind
lange Reihen von Büchern, insbesondere von Zeitschriften, als Doppelreihen
(hintereinander) aufgestellt worden, ein die Benutzung der Bände sehr be
hindernder Notbehelf. Insgesamt wurden zwecks Raumgewinnung etwa 20 000
Bücher umgestellt bei entsprechender Änderung der Standortsnummern im Stand
katalog. Eine Erweiterung der Bibliotheksräume wird sich in wenigen Jahren
nicht mehr umgehen lassen.
Die Unterbrechung der Herausgabe wissenschaftlicher Abhandlungen und
Werke während der Kriegsjahre hat nachher auf dem Bücher- und Zeitschriften
markt eine in dem vorhandenen Maße nicht erwartete Zunahme von Neuer
scheinungen zur Folge gehabt, zu deren Beschaffung die verfügbaren Mittel von
Jahr zu Jahr weniger ausgereicht haben; dies um so mehr, als die gegenüber
dem Friedenspreis um etwa 70 °/ 0 gestiegenen Buchbinderkosten einen außer
ordentlich großen Teil der Verfügungssummen verschlingen. Wünsche der Biblio
theksbenutzer betreffs Neubeschaffungen haben daher seit Friedensschluß nur
in stetig abnehmendem Maße befriedigt werden können. Eine aus dieser Not
lage entstandene Umfrage bei den Gebrauchern hatte das bemerkenswerte Er
gebnis, daß von deren weit überwiegenden Mehrzahl die Nichtbeschaffung von
großen Werken als das kleinere Übel gegenüber dem Nichtbezug von Fach
zeitschriften betrachtet wurde! Hiermit ist im Berichtsjahre eine Grundlage
für die Bewirtschaftung der Bibliotheksgelder geschaffen worden; es darf jedoch
nicht verschwiegen werden, daß ein Weiterbau auf dieser Notbehelfs-Grundlage
für den Geist der Deutschen Seewarte sowohl wie für die Nutznießer ihrer Arbeit
verhängnisvoll werden müßte.