Gezeiten, nautische Astronomie, Zeitdienst
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liehe Überholung und gleichzeitigen Ersatz der angegriffenen Zapfen wurde das
Instrument am Ende des Berichtsjahres aus- dem Betrieb genommen und durch ein
90 mm-Burchgangs-Instrument ersetzt, das die'Hamburger Sternwarte entgegenkom
menderweise bis Ende 1958 zur Verfügung gestellt hat. Wie bereits in den Vor
jahren wurden mit diesem Institut wieder laufend Zeitbestimmungen und Quarzüh-
renkontakte ausgetauscht.
Aus den astronomischen Zeitbestimmungen der vergangenen Jahre wurde nach
verschiedenen Methoden die endgültige astronomische Zeit mit dem Ziel ermittelt,
eine Methode zu finden, deren Ergebnisse mit den vom Bureau International de
l'Heure veröffentlichten Werten, die das Mittel aller Zeitdienstinstitute reprä
sentieren, die beste Übereinstimmung zeigen. Die hierbei gewonnenen Erkenntnis
se werden mit Beginn des Jahres 1957 bei der monatlichen Berechnung der Signal
auf nähme Zeiten verwertet werden.
Die im laufe des Jahres abgeschlossene Untersuchung über die persönlichen
Beobachterfehler führte zu dem Ergebnis, daß diese bei der monatlichen Berech
nung der Signalaufnahmezeiten nicht berücksichtigt zu werden brauchen. Damit
konnte eine Vereinfachung und Beschleunigung dieser Berechnungen erreicht werden.
Die Konstruktionsarbeiten am photographischen Zenitfernrohr konnten beendet
und die nötigen Werkstattzeichnungen hergestellt werden. Die Gußteile des Instru
mentes - Tubus, Objektivkopf und Quecksilberhorizont - wurden beschafft und um-
ter Mitwirkung der Versuchswerkstatt bearbeitet. Sowohl das Umlegegetriebe für
das Objektiv als auch das Plattengetriebe sind soweit fertiggestellt, daß am En
de des Berichtsjahres mit der Werkstattmontage begonnen werden konnte.
Die astronomisch-rechnerischen Vorbereitungen für die Beobachtungen mit dem
photographischen Zenitfernrohr wurden mit der Ableitung der*Reduktionsformeln,
dem Entwurf des Eechenformulars und der Berechnung der erforderlichen Konstanten
und Hilfstafeln abgeschlossen. Für 8 Sterne des Beobachtungsprogrammes, deren
jährliche Parallaxe nach dem General Catalogue of Trigonometrie Stellar Parallax-
es von Jenkins den Betrag von O'.’Ol überschreitet, wurde deren Einfluß auf den
scheinbaren Ort für Anfang und Mitte jedes Monats berechnet und vertäfelt.
Die scheinbaren Örter der Programmsterne wurden durch die Bochkartenstelle
für die Zeit bis Mitte 1958 berechnet. Die Reduktion in Rektaszension bezieht
sich hierbei, dem Vorschlag von Atkinson folgend, auf den mittleren Frühlings-
punkt.
Heben der Hamburger Sternwarte hat sieh auch die Sternwarte München dankens
werterweise bereit erklärt, die Programmsterne des photographischen Zenitfernroh
res in ihr Meridianbeobachtungsprogramm aufzunehmen. An beiden Sternwarten sind
die Beobachtungen im Berichtsjahr angelaufen.
Das für die Vermessung der Photoplatten erforderliche Koordinaten-Meßmikro-
skop wurde geliefert und eingehend auf etwaige Fehler untersucht.
c) Zeltbewahrung. Die während des Berichtsjahres im Zeitdienst eingesetzten