Jahresbericht Ur.il/1956
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und Luftnavigation gehen hier weit auseinander, die Aufgabe ist noch nicht ab
schließend bearbeitet und wird noch weitere Entwicklungen erfordern-. Die Wahr
scheinlichkeit für einige Fehler-Verteilungen wurde mit Hilfe der lochkarten
steile errechnet.
Das kleine Punkwörterbuch, an dem bereits seit Jahren gear
beitet wurde, konnte im Berichtsjahr endlich abgeschlossen werden. Die Vorar
beiten wurden gemeinsam mit der Bundesanstalt für Flugsicherung beendet, die
auch ihrerseits eine Erweiterung ihres.Fachwörterbuches für die zivile Luft
fahrt herausbrachte. Auch auf diesem Gebiet läßt sich nicht überall ein über
einstimmender Sprachgebrauch für beide Zweige der Navigation erreichen. Das
Wörterbuch ist in seiner jetzigen Form als Versuch zu betrachten, der verbes
sert werden kann und muß. Dazu bedarf es vor allem Anregungen seitens der fah
renden Nautiker.
Die Zeitschrift "Der Seewart" findet einen zunehmenden Abnehmerkreis. In
Zusammenarbeit mit dem Seewetteramt wurden auch in diesem Berichtsjahr 6 Hefte
herausgegeben. Es ist zu hoffen, daß die Mitarbeit fahrender Nautiker nicht
absinkt, obwohl bei der oft geringen personellen Besetzung von Überseeschiffen
befürchtet werden muß, daß es einfach an der Zeit fehlt, Berichte an die Schrift-
leitung einzuaenden.
Auch in diesem Jahr wurde, soweit es die Zeit erlaubte, an den Geräten der
alten Seewartensammlung etwas gearbeitet, um Geräte zu identifizieren und ihre
Benutzung zu fixieren.
3. Zeitdienst und Chronometrie
a) Allgemeines. Die von der Internationalen Astronomischen Union bei ihrer
Versammlung 1955 in Dublin gefaßten Beschlüsse machten es nötig, vom 1. Januar
1956 an von der bis dahin benutzten astronomischen Zeit des Beobachtungsortes,
auf eine genähert gleichförmige Zeit - temps universel - überzugehen. Diese be
rücksichtigt die momentane läge des Poles und ist von den jährlichen Schwankun
gen der Erdrotation befreit.
An den im Rahmen des Internationalen Geophysikalischen Jahres vom 1. Juli
1957 bis 31. Dezember 1958 stattfindenden längen- und Breitenbeobachtungen be
absichtigt der Zeitdienst teilzunehmen. Die hierfür erforderlichen Geldmittel
sind sowohl- bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft als auch beim Vorgesetzten
Ministerium beantragt und zum Teil auch bereits zugesagt worden.
Die Arbeiten des Zeitdienstes sowie Entwicklungen, Beschaffungen und die
Überholung der technischen Anlagen zielten deshalb im Berichtsjahr -int wesent
lichen darauf ab, den hochgestellten Genauigkeitsanforderungen für eine Teil
nahme an diesen längen- und Breitenbeobachtungen in möglichst weitem Maße zu
entsprechen.
b) Zeitbestimmung. Am 70 mm-Durchgangs-Instrument wurden von vier Beob
achtern insgesamt 80 astronomische Zeitbestimmungen angestellt. Für eine gründ-