V. Klimatologie,
921
Der Persische Golf gehört nach seinen Bewölkungsverhältnissen zu der großen
wolkenarmen, ja wolkenfreien Zone, die in den dreißiger Breiten bandförmig große
Flächen von Nordafrika und Vorder- und Mittelasien durchzieht!). Ein Jahres-
mittel von 0.8 bis 1.8 ist überaus wenig. In den Sommermonaten strahlt von einem
wolkenlosen Himmel wochenlang, ja monatelang von früh bis abends ohne jede
Unterbrechung erbarmungslos eine glühende Sonne auf diese Gegenden herab, und
die Bewohner besonders Arabiens haben zum möglichsten Schutz gegen sie die ganze
Bauart ihrer Siedelungen dieser Lage angepaßt: schaut man von oben auf solche
Stadt, so sieht man fast nirgends etwas von den schmalen Gassen, sondern nur die
Ebene der flachen Dächer, über die hier und da die „badgir‘, die Windtürme zur Er-
zeugung eines starken Luftzuges in den Räumen des Hauses sich erheben. In Bahrein
wird drei Monate lang (Mai, Juni, Juli), in Basra sogar vier Monate lang (Juni, Juli,
August, September) im vieljährigen Durchschnitt überhaupt keine Wolkenbedeckung
von meßbarem oder abschätzbarem Betrage beobachtet!
Nach der Straße von Hormus hin, mit der Annäherung an den offenen Ozean,
steigt im Sommer langsam die Bewölkung, aber eigentlich nur auf See, wo über dem
kühlen Wasser in der Umgegend des Ras el Hadd und im Gefolge des regnerischen
SW-Monsuns des Arabischen Meeres der Wert 5 erreicht wird; an Land bleibt sie
mit 2.1 in Maskat immer noch sehr gering; man vergleiche die Karte für August
auf Taf. 4.
Während der Wintermonate (Karte auf Taf. 4), die zugleich die in mäßigen
Grenzen bleibenden Niederschläge des Gebietes. liefern, steigt die Bewölkung auf
dem Meere überall über 2 und 3 bis auf 4 und etwas mehr (Buschehr 4.6 im Fe-
bruar); landeinwärts bleibt sie aber auch in dieser Jahreszeit sehr niedrig, denn
Basra bringt es im Februar nur auf 2.6, Bahrein hat sogar nur 1.0, Maskat und
Djaschk 1.4, bzw. 1.5, und besondere Unterschiede zwischen dem Persischen Golf
und dem Golf von Oman zeigen sich jetzt nicht.
6. Luftdruck und Wind müssen über einem immerhin so kleinen Gebiete
wie dem hier behandelten zusammen genommen werden, wenn man auch Einzel-
heiten des Isobaren-Verlaufes richtig erschließen will. Die Barometerstände an den
fünf Landstationen (s. Tabelle Nr. 7) genügen nicht, und nach dem Vorgange von
Köppen. hat man aus den Besonderheiten der Windrichtungen z. B. von Buschehr
oder im westlichen Teile der Hormus-Straße (Linga—Musendim) auch kleine,
aber wesentliche Charakterzüge der Druckverteilung zu erkennen. ;
a. Luftdruck und vorherrschende Luftströmung in den vier Hauptmonaten,
(Vgl. Karten auf Tafel 5.)
Im Februar besteht ein allgemeines Druckgefäll von NW nach SO, vom
Schatt mit 764 mm nach Maskat mit etwa 761.8 mm. Über den Wasserflächen
ist dabei noch außerdem der Druck ein wenig niedriger als über den angrenzenden,
winterlich kalten kontinentalen Flächen gleicher geographischer Breite; bei Buschehr
erreichen daher nördliche und nordöstliche Winde große Häufigkeit, und über dem
Meeresgebiet zwischen Linga und der Musendim-Halbinsel lagert, wenn diese Druck-
abnahme ‚auf See sich verschärft, unter Umständen ein‘ geschlossenes kleines Tief-
druckgebiet, so daß südöstliche und östliche Winde auf begrenztem Raum zwischen
Djaschk und Musendim auftreten, unbeschadet der allgemeinen nordwestlichen
Luftströmung. Das Gebiet, als Ganzes genommen, steht im Februar unter hohem
Druck; die Tabelle 7 lehrt, daß im Januar der Barometerstand überall noch etwas
höher ist als im Februar. . .
Im Mai, dem Übergangsmonat zu den sommerlichen Verhältnissen, beob-
achten wir das größte Gefälle nicht mehr in Richtung NW —5SO, sondern in Richtung
W—O; die nordwestliche Luftströmung bekommt eine stärkere westliche Kom-
ponente, Die nordöstlichen Winde auf der persischen Seite, z. B. bei Buschehr, treten
stark zurück zugunsten nordwestlicher Winde; westlich von Linga ist der Wind
rein W, östlich von Linga sogar SW, in offenbarem Anschluß an den nach NO um-
biegenden, schlauchartig sich verengenden Ausgang des Persischen Golfes hinaus zum
'\ Vgl. Bartholomew, Atlas of Meteorology, 1899, Taf. 17 u. 18.