Jahresbericht Nr.12/1957
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71. NAUTISCHE TECHNIK
1. Nautische Instrumente
a) Kompasse. Die in den vergangenen Jahren auf "Gauss" durchgeführten
Untersuchungen über den "dynamischen" Kompaßfehler wurden einstweilen abge
schlossen. Die nunmehr mehrjährigen Erfahrungen lassen es- als gesichert er
scheinen, daß auf der Brücke von Schiffen der Größenklasse von VPS "Gauss"
(846 BET) bereits bei Seegang der Stärke 4 Translationsbeschleunigungen von
der Größenordnung 1/10 Erdbeschleunigung auftreten, wodurch - je nach Kurs -
auch bei neuzeitlichen, den Bedingungen der statischen Kompaßprüfung voll
entsprechenden Magnetkompassen dynamisch verursachte Dauerauslenkungen von
mehreren Graden hervorgerufen werden können. Dies Ergebnis unterstreicht die
Notwendigkeit einer Erweiterung der bisherigen Kompaßprüfbestimmungen und
-verfahren durch die Einführung einer dynamischen Prüfung. Eine hierfür be
stimmte, für die Kompaßprüfstellen des D.H.I. entworfene und von der Insti
tutswerkstatt gebaute PrüfSchaukel befindet sich zur Zeit in Erprobung.' Das
Gerät liefert bei -1 m Schaukelamplitude Horizontalbeschleunigungen bis 1/5 g.
In Fortführung der Arbeiten, magnetische Schutzabstände für alle nauti
schen Geräte, die an Bord von Schiffen in der Nähe der Magnetkompasse in
stalliert werden, festzulegen, wurde der magnetische Störbereich für Teile
einer handhydraulischen Ruderanlage, für eine Radaranlage ausländischer Fer
tigung sowie für ein tragbares Funksprechgerät für den Lotsendienst 1m Mag
netkompaßlaboratorium bei verschiedenen äußeren Feldstärken ermittelt. Der
artig geprüfte Geräte werden künftig von den Herstellern an auffallender Stel
le mit Angaben über den erforderlichen magnetischen Schutzabstand versehen.
Die Forversuche zum Bau eines Gerätes zur Messung der erdmagnetischen
Deklination auf See brachten befriedigende Ergebnisse in Bezug auf die Ge
nauigkeit des Kreiselteils im Stand, obwohl kleinere Kreisel als üblich ver
wendet wurden. Da Präzisionsmessungen mit dem Gerät angestrebt werden, wurden
Schaukelversuche mit großen Beschleunigungsamplituden begonnen mit dem Ziel,
durch geeignete Maßnahmen die hierbei entstehenden Weisungsfehler des Krei
selkompasses auf höchstens 0,1 Grad herabzusetzen. Für den Magnetkompaßteil
ist geplant, die Beanspruchung von Pinne und Stein soweit wie möglich zu re
duzieren und damit die Einstellgenauigkeit des Rosensystems zu erhöhen. Auch
wird bei der Konstruktion auf symmetrischen Aufbau besonders geachtet werden,
um dynamisch bedingte Weisungsfehler zu vermeiden. .
Die. Fourier-Analyse zur Auswertung der auf "Gauss" gewonnenen Schiffsbe-
wegungs-Registrierkurven konnte mit dem neu gelieferten Analysator systema
tisch weitergeführt werden und hat interessante Ergebnisse gebracht. So konn
te gezeigt werden, daß das Spektrum des Schlingerwihkels und das der Schlin
gergeschwindigkeit praktisch übereinstimmen mit der Resonanzfunktion eines
Schwingers; ferner ergaben sich wertvolle Hinweise über die Dämpfung von