Gezeiten, Nautische Astronomie, Zeitdienst
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Zur weiteren Bearbeitung von bisher etwa 560 Meridiankreisbeobachtungen
von Programms terrien des photographischen Zenitf ernrobres, die die Sternwar
ten Hamburg-Bergedorf und München anstellten, wurden die Reduktionen vom
scheinbaren Ort der Beobachtungsepoche auf das Äquinoktium 1950.0 zusammen
gestellt und den Sternwarten mitgeteilt. Die bisher vorliegenden Beobachtungs
ergebnisse der Sternwarte Hamburg-Bergedorf sowie die eigenen Rektaszensions
anschlüsse am 70 mm-Durchgangs-Instrument ermöglichen eine Neubearbeitung und
Verbesserung der Eigenbewegungen fast aller Programmsterne für das photogra
phische Zenitfernrohr.
Das photographische Zenitfernrohr von 250 mm Öffnung und 3750 mm Brenn
weite Wurde Mitte des Jahres fertiggestellt, so daß es in seinem Beobachtungs
haus im Hamburger Stadtpark aufgestellt und justiert werden konnte. Nach Ein
bau der zahlreichen Zusatzgeräte - zwei Quarzuhren für die Steuerung des
Plattenwagens, Gleichstromgenerator, Prequenzverstärker, Steuergerät für den
Umlegemechanismus, Blitzregistriergeräten, Sternzeitpendeluhr usw. - und In
stallation der nötigen Leitungen konnten am 17. September 1957 die ersten
Sterndurchgänge durch das Zenit für Zeit- und Breitenbestimmungen photogra
phiert werden. Bis zum Ende des Berichtsjahres wurden auf 57 Platten des Por-
mats 5 x 6 cm insgesamt 446 Sterne bis 9.1 m aufgenommen.
Das Nautical Almanac Office stellte dankenswerterweise die Besselschen
Tagesgrößen auch für den Zeitraum von 1958.5 bis 1960.5 zur Verfügung. Pür
die Programmsterne des photographischen Zenitfernrohrs wurden hieraus die
Sterngrößen a, b, c, d, a', b', c' und d' für das Jahr 1959 interpoliert und
mit den übrigen zur Berechnung der Reduktion auf den scheinbaren Ort notwen
digen Unterlagen der Lochkartenstelle des Institutes übergeben.
c) ZeitbeWahrung. Die während des Berichtsjahres im Zeitdienst einge
setzten eigenen 9 Quarzuhren zeigten trotz Grundüberholung und teilweisem
Umbau Von 4 Uhren immer noch recht unterschiedliche Gangleistungen.
Insbesondere wurden über mehrere Monate Messungen an den beiden Quarz
uhren vorgenommen, die im Selbstbau erstellt worden waren und sich seit Mit
te bzw. Ende des Vorjahres in Betrieb befinden. Die Ergebnisse der Meßreihen
legen die Vermutung nahe, daß die Gangleistungen der Uhren trotz Batterie
pufferung von der Stromversorgung abhängig sind. Diese Mängel sollen Anfang
1958 durch Änderung der Schaltelemente beseitigt werden. Die Quarze für die
weiteren vier gleichartigen Uhren konnten noch nicht beschafft werden.
Über eine festgeschaltete Leitung wurden, wie im Vorjahre, laufend
Quarzuhrenkontakte und -frequenzen mit dem Pernmeldetechnischen Zentralamt
der Deutschen Bundespost in Darmstadt ausgetauscht. Wie bisher wurden zwei
mal wöchentlich Kontakte einer Quarzuhr der Physikalisch-Technischen Bundes
anstalt, Braunschweig, übertragen und diese Uhr über die Quarzuhren des In
stituts an die astronomischen Zeitbestimmungen angeschlossen.