Meereskunde und Erdmagnetismus
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Bei der sedimentpetrographischen und mikrofaunistischen Analyse einiger
Kolbenlotkerne aus der Kieler und Eckernförder Bucht konnte an Hand der Ver
änderungen an den Mikrofaunen das frühlitorinazeitliche Salzgehaltsmaximum
in den Sedimenten festgelegt werden. Außerdem wurden Auflösungserscheinungen
an Kalkschalen von Mikroorganismen im Mudd näher untersucht. Vergleichende
Untersuchungen über die Beschaffenheit rezenter nordeuropäischer Flachsee-
schlicke (Nordsee, westliche und östliche Ostsee, Norwegische Rinne, Barents-
See, Elhe und Eider) sind im Gange.
5. Eisdienst
In der Zeit vom 12. November 1956 bis 25. Mai 1957 wurden 158 schrift
liche Eisberichte und 48 gedruckte Eisübersichtskarten herausgegeben. Durch
die geringen Schiffahrtsbehinderungen an den Küsten der Nordsee und der west
lichen Ostsee im letzten Winter ist die Zahl der Eisauskünfte gegenüber dem
vorjährigen eisreichen Winter zurückgegangen. Es wurden 681 telephonische.Eis
auskünfte gegeben und 20 schriftliche Gutachten über Eis- und Schiffahrts
verhältnisse ausgearbeitet.
Der Austausch der Eismeldungen mit den Eisdiensten der Nord- und Ostsee
staaten durch Telegraph, Fernschreiber und Funk ging programmäßig vor sich.
Mit Ausnahme der UdSSR und des Seehydrographischen Dienstes in Stralsund
steht der Eisdienst mit allen Eisdienststellen der Nord— und Ostseestaaten
in direkter Verbindung. Dadurch ist nicht nur eine raschere, sondern auch’
eine, eingehendere Berichterstattung über die Eis- und Schiffahrtsverhältnisse
möglich. Wie in jedem Jahr stellte auch im vergangenen Winter das Seewetter
amt Hamburg in dankenswerter Weise das meteorologische Fernschreibnetz für
den Austauschverkehr zur Verfügung.
Für die Übermittlung der Bis- und Schiffahrtsverhältnisse in der Nord-
und Ostsee ist es ein großer Vorteil, daß jetzt alle Anliegerstaaten den vor
2 Jahren neu aufgestellten "Ostseeschlüssel" verwenden. Um die Gewähr zu ge
ben, daß dieser Schlüssel in allen Staaten gleichsinnig angewandt wird, ist
die Herausgabe einer bebilderten ausführlichen Beschreibung in Vorbereitung.
Die Hauptredaktion liegt bei dem schwedischen Eisdienst.
6. Observatorium Wingst
Im Observatorium Wingst erfolgten die Termin-Beobachtungen wie in den
Vorjahren. Vor dem Beginn des Internationalen Geophysikalischen Jahres wur
den die Zeitvariometer wegen der fortschreitenden Säkularvariation neu ju
stiert. Mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft wurde für die Pul
sationsregistrierung ein neuer Registrierapparat mit einem Papiervorschub
von 360 mm/Stunde (bisher 180 mm/Stunde) beschafft. Im Observatorium Wingst
registrieren während des Geophysikalischen Jahres folgende Systeme: