Gezeiten, Nautische Astronomie, Zeitdienst
- Seite 41
Am photographischen Zenitfernrohr ('s. Abb.) wurden auf 177 Platten des
Formats 5x6 cm insgesamt 2 372 Sterne bis 9?3 für Zeit- und Breitenbestim
mungen aufgenommen. Bis auf geringfügige Störungen, die in jedem Falle
schnell behoben werden konnten, hat das Instrument einwandfrei gearbeitet.
Die dazugehörige umfangreiche technische Ausrüstung - Steuer- und Regi
strieranlagen, die bei der Inbetriebnahme des Instrumentes im September 1957
nur soweit fertiggestellt waren, daß überhaupt Zeit- und Breitenbestimmungen
angestellt werden konnten - wurde vervollkommnet, hat jedoch ihren endgül
tigen Umfang noch nicht erreicht. Für die Aufbewahrung der empfindlichen
Spezial-Photoplatten wurde ein kleiner Kühlschrank angeschafft.
Durch Freimachen eines weiteren Raumes im Beobachtungshaus des photogra
phischen Zenitfernrohrs wurde'die Möglichkeit geschaffen, nun auch das 70 mm-
Durchgangs-Instrument nach seiner Überholung in der gleichen geographischen
länge und fast gleichen Breite aufzustellen und damit eine mit zwei Instru
menten ausgerüstete Beobachtungsstation für den Zeitdienst zu schaffen. Die
Planungen hierfür sind beendet, mit den erforderlichen Arbeiten soll im
Frühjahr begonnen werden.
■ Für die Sternwarten Hamburg-Bergedorf und München wurden wie im Vorjahre
für die von ihnen beobachteten Programmsteme des.photographischen Zenit
fernrohrs die Reduktionen vom scheinbaren Ort zur Epoche der Beobachtung
auf das Äquinox 1950.0 berechnet (vgl. 1c).
Um einer Klärung des festgestellten systematischen Unterschiedes zwischen
den am photographischen Zenitfernrohr und den an den Durchgangs-Instrumenten
angestellten Zeitbestimmungen'näher zu kommen, wurde die Lotabweichungsdif-
ferenz der beiden Stationen aus den topographischen Massen abgeschätzt.
Die über etwa 14- Monate laufenden Beobachtungen am photographischen Ze
nitfernrohr wurden im Hinblick auf systematische Fehler des vorläufigen
Kataloges vom TypklcCa; bzw.zl<5 a und individuelle Fehler in den Sternörtern
bearbeitet. Infolgedessen steht vom Beginn des Jahres 1959 an bereits ein
verbesserter Katalog zur Verfügung.
Umfangreiche Untersuchungen befaßten sich mit dem Einfluß verschiedener
Faktoren - persönliche Meßfehler hei verschiedenen Genauigkeitskriterien,
Helligkeit der Sterne, Benutzung von Blenden, Aufnahme unmittelbar auf die
Schicht oder durch die Glasplatte - auf den Platten- bzw. Ausmeßfehler hei
den am photographischen Zenitfernrohr gewonnenen Platten.
Im Rahmen einer nach Abschluß des Internationalen Geophysikalischen Jah
res geplanten Umgestaltung des Beohachtungsprogrammes für das photographi
sche Zenitfernrohr wurden für 16 neu hinzugenommene Programmsteme die
mittleren Örter und Sterngrößen für 1959 und I960 berechnet und vorläufige
Eigenbewegungen abgeleitet.