Gezeiten, nautische Astronomie, Zeitdienst
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stand am Pegel Cuxhaven wurde weiter aus Ablesungen stündlicher Wasserstände
bestimmt.
Zahlreiche Auskünfte und Gutachten waren an Schiffahrtskreise, Seeämter,
Gerichte und Privatpersonen zu erteilen.
h). Besondere Arbeiten.. Die Verfahren, die zur harmonischen Analyse stünd
licher Gezeitenwerte und von Hoch- und Niedrigwassern sowie zur unmittelba
ren Vorausberechnung der Hoch- und Niedrigwasser mittels Lochkartenmaachi-
nen während der letzten zehn Jahre eingeführt worden sind, dürfen als durch
entwickelt gelten. Anhand einiger Analysen von monatlichen Schweremessungen,
die für das Deutsche Geodätische Porsehungsinstitut ausgeführt wurden, konnte
nachgewiesen werden, wie sehr sich möglicherweise die Ergebnisse der üblichen
Rechenverfahren von denen der strengen Ausgleichung bei starker Streuung der
Beobachtungen unterscheiden. Als vorläufiger Abschluß dieser Entwicklungs
arbeiten sind die Matrizen und Kehrmatrizen der Gleichungssysteme mit 65
und 64 bzw. 45 und 44 Unbekannten endgültiger Wahl für einjährige Beobach
tungen stündlicher Wasserstände'bzw. 19-jährige Beobachtungen der Hoch- und
Niedrigwasser nochmals von Grund auf neu berechnet worden.
Im laufe des Jahres befanden sich harmonische Analysen von 45 Jahrgängen
stündlicher Wasserstände in- und ausländischer Häfen in Bearbeitung. Als Un
terlagen zur Vorausberechnung der Gezeiten bei Bremen (Oslebshausen), Norder
ney und Borkum wurden die harmonischen Darstellungen der Hoch- und Niedrig
wasser-Ungleichheiten nach den Beobachtungen .der Jahre 1937-55 bzw. 1938-56
berechnet.
Das Tafelwerk, das die langperiodischen Änderungen und astronomischen
Argumente von 81 Tiden für die Jahre 1900-1999 angibt und auf der VII. Inter
nationalen Hydrographischen Konferenz zum allgemeinen Gebrauch angenommen
wurde, erhielt noch einige ergänzende Hilfstafeln sowie eine ausführliche
Einleitung und kann zu Anfang des Jahres 1959 in Druck gegeben werden.
Zur laufendhaltung der Gezeitentafeln und -kalender sowie auf Wunsch
verschiedener Wasser- und Schiffahrtsämter sind die nonharmonischen Gezei
tengrundwerte für sämtliche Pegel der Elbe und ihrer Nebenflüsse unterhalb
Stadersand, für 7 Pegel der unteren Ems und für 2 Pegel der Hunte aus ein-
bis dreijährigen Beobachtungen durch Anschließen an die Bezugspegel neu
ermittelt worden. Es handelte sich um insgesamt 182 Werte und 100 Pourier-
Darstellungen halbmonatlicher Ungleichheiten. In diesem Zusammenhang wurden
die Zeit- und Hubzonehkarten zur LotungsbeSchickung für zwei Abschnitte der
unteren Ems neu angefertigt.
Die bisher üblichen Gezeitenkarten von Schelfmeeren sind jeweils für ei
ne einzelne harmonische Tide und unter vereinfachenden Annahmen, die ein
bestimmtes Konstruktionsverfahren zulassen, enthalten. Die Angaben dieser
Karten weichen- infolgedessen zum Teil nicht unerheblich selbst von den
Mittelwerten der tatsächlichen Gezeiten ah, mit denen der Nautiker rechnen