Jahresbericht Nr.14/1959
VI. NAUTISCHE TECHNIK
1. Nautische Instrumente
a) Kompasse. Die Arbeiten des Laboratoriums für Magnetkompasse waren in
diesem Jahr hauptsächlich auf die Erweiterung der Prüfverfahren und Ver
besserung von Prüfgeräten gerichtet. Auf Antrag verschiedener Hersteller
firmen wurden erstmalig Baumusterprüfungen von Kompaßhäusern durchgeführt.
Da es sich hierbei um kleinere Typen mit mechanisch bewegten Kompensier
magneten und einer neuartigen Spulenanordnung für die elektrische Kompen
sation handelte, die in geringer Entfernung vom Rosensystem angebracht sind,
war vor allem die Präge des Auftretens von höherkreisiger Deviation zu
prüfen. Dies führte zu allgemeineren Untersuchungen über die Feldverteilung
in der Nähe von Rosensystemen verschiedener Bauart sowie über die Homogeni
tät der Felder bei verschiedenen Anordnungen von Kompensiermagneten. Für
diese Meßaufgabe erwies sich ein neu beschafftes Oerstedmeter als sehr wert
voll, das bei einer Länge der Mikrosonde von nur 5 mm eine nahezu punktweise
Feinvermessung von Magnetfeldern ermöglicht. Die Auswertung des sehr umfang
reichen Meßmaterials steht zum Teil noch aus.
Ebenfalls durch eine Anfrage aus der Kompaßindustrie veranlasst, wurde
eine Untersuchung- über die Stabilität von Kompaßrosen, bei der unter Anleh
nung an die Compass Specifications des British Ministry of Transport die
Rosenneigung bei Änderung des Vertikalfeldes um 1 Oersted gemessen wurde.
Diese lag bei den untersuchten Rosensystemen zwischen ca. 2 und 12 Grad.
Messungen des magnetischen Schutzabstandes, die ein fester Bestandteil
aller Baumusterprüfungen von Radargeräten sind, wurden durchgeführt für
sämtliche Einzelgeräte der Anlagen Terma "Pilot" und RCA Modell CR-107.
Bei beiden Anlagen wurde die Prüfung erstmalig ergänzt durch die Messung
der Bildverschiebung unter dem Einfluß veränderlicher äußerer Magnetfelder.
Eine derartige Prüfung erscheint notwendig, weil je nach der Größe dieses
Effektes die Peilgenauigkeit bei magnetisch ungünstiger Aufstellung des
Sichtgerätes an Bord merklich beeinträchtigt werden kann. Ferner wurde
die Größe der möglichen Kompaßbeeinflussung bei Verwendung eiserner Bau
teile für Steuerstände (Kegelräder, Kugellager) untersucht.
An dem hier entwickelten Gerät für die elektrische Registrierung der
bei der dynamischen Prüfung der Magnetkompasse auf der Schaukel auftre
tenden Rosenbewegungen wurden noch einige Verbesserungen angebracht. Es
hatte sich gezeigt, daß Schwankungen der Netzspannung und der Temperatur
des Gerätes einen zu großen Einfluß auf die Eichung haben. Außerdem war
es wünschenswert, den noch vorhandenen Linearitätsfehler und die Unsicher
heit des Nullpunktes zu verringern.
Infolge der im Hauptgebäude vorhandenen starken magnetischen Störungen
waren diese Arbeiten ursprünglich sehr erschwert; sie konnten nur dadurch
+) Das verbesserte Gerät wird ab Mai I960 im praktischen Prüfbetrieb
eingesetzt sein und soll zunächst dazu dienen, eine möglichst umfassende
Übersicht über die Größe und Häufigkeit des dynamischen Kompaßfeldes zu
gewinnen. _ Selte 44 _