Seevermessung und nautische Geodäsie
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In dem außerhalb der normalen Begrenzung der Sichtweiten für Doppelwin-
kelmessungen gelegenen Gebiet der Vermessungsaufgaben "äußerer Teil der
Mörder- und Süderpiep" und "westliche Mordergründe einschließlich der We
sermündung" sowie im äußeren Seegebiet vor Juist bis Spiekeroog wurden die
Schiffsorte mit Hilfe des Becca-Verfahrens bestimmt. Bei der ersten Aufgabe
wurde die dänische Decca-Kette benutzt; bei den beiden anderen Aufgaben
wurde zur Erzielung günstiger Hyperbel-Schnittwinkel mit je einer Hyperbel
schar der deutschen und der dänischen Decca-Kette und dementsprechend auch
mit zwei Decca-Navigätor-Anlagen gearbeitet.
Insgesamt wurden in den heimischen Gewässern rd. 10 950 km lotprofile
gegenüber rd. 7 320 km im Vorjahr abgelaufen. Die Mehrleistung von 50$ ist
durch die günstigeren Wetterverhältnisse dieser Vermessungsperiode und durch
den zusätzlichen Einsatz von VFS "Gauss" bedingt. Auf den An- und Abmarsch
wegen in die Vermessungsgebiete einschließlich der in einem Abstand von 2
Monaten notwendigen Fahrten zum Entmagnetisieren nach Kiel wurden rd.
17 860 'km zurückgelegt. Das Verhältnis der Gesamtlänge der An- und Abmarsch
wege zur Gesamtlänge der abgelaufenen lotprofile, das wesentlich von der je
weiligen läge der einzelnen Vermessungsgebiete und im geringeren Maße auch
von den Wetterverhältnissen abhängt, ist in diesem Jahr etwas günstiger als
im Vorjahr.
Auf einer rd. zehnwöchigen Fahrt des VFS "Gauss" in die Gewässer um Grön
land und Island wurde der Kangerdlugssuaq-Fjord in Westgrönland im Rahmen
der Internationalen Glaziologischen Grönland-Expedition hydrographisch auf-
genommen und ein Seegebiet südöstlich von Island zur Vervollständigung der
Tiefenangaben in deutschen Seekarten bzw. Fischereikarten ausgelotet. Die
Gesamtlänge der hierbei gewonnenen lotprofile betrug 7 597 km; für die
Schiffsortbestimmungen im Seegebiet südöstlich von Island wurden die Loran-
Hyperbeln der Nordostatlantik-Kette (115 und 116) mit gutem Erfolg benutzt.
Die ursprünglich auf dieser Fahrt vorgesehene Vermessung des südostgrönlän-
dischen Schelfs zwischen Angmagssalik und Kap Farvel zur Ergänzung der Tie
fendarstellung in der Fischereikarte "Gewässer»zwischen Island und Grönland"
konnte nicht durchgeführt werden, weil unerwartet ungünstige Eisverhältnis
se die ohnehin schwierige Ortung in diesem Seegebiet so erschwerten, daß
ausreichend genaue Schiffsortbestimmungen für die lotprofile nicht gewähr
leistet waren.
VFS "Gauss" unternahm ferner 6 Forschungs- und Versuchsfahrten in der
Nord- und Ostsee für ozeanographische, geophysikalische und funktechnische
Untersuchungen sowie für Baumusterprüfungen und Erprobungen nautisch-tech
nischer Geräte. Einschließlich der Fahrt in die Gewässer um Grönland und
Island legte "Gauss" auf diesen Fahrten 23 470 km zurück.
VS "Süderoog" wurde neben seiner Vermessungstätigkeit noch für 7 mehr
tägige Versuchsfahrten im Küstenbereich der Nordsee und im Bereich von