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Jahresbericht ITr. 1 5/Т960
auch anwendbar in den Aufgaben und Methoden dieses Instituts. Es scheint
ein fiskalisches Gesetz zu sein, daß wissenschaftliche Institute, Hoch-
und Fachschulen und auch Institute im Hange von Bundesoberbehörden auf
dem Gebiet moderner Technik mit geringerer oder größerer Phasenverschie
bung hinter der optimalen, zuweilen auch nur wünschenswerten personellen
wie materiellen Ausstattung hinterherzueilen gezwungen sind. Aus der Sorge
um den Mangel an fachlich geeigneten Mitarbeitern, die diese neuen Aufgaben
gegenüber der fertigenden Industrie und gegenüber der anwendenden Schiffahrt
vertreten und lösen können, werde ich die bisherigen Bemühungen meines Vor
gängers mit Sicherheit sehr intensiv fortsetzen.
Zum Schluß meiner Ansprache wende ich mich an Sie, die Mitarbeiter und Mit
arbeiterinnen des Instituts: Meine Worte, die ich an Sie richte, habe ich
nicht wertend an den Schluß gestellt, sondern das, was ausschließlich uns
betrifft, soll hierdurch herausgehoben werden. Der Herr Minister hat meine
Legitimation für das Amt sehr umfassend dargestellt und begründet, so daß
ich, selbst wenn ich mich bemühte, nichts Ergänzendes hinzufügen könnte;
eine einschränkende Erklärung, die ich aus selbstkritischer Betrachtung
vielleicht machen könnte, ist hier natürlich fehl am Platze.
Und dennoch darf ich insofern die wesentliche Ergänzung zum Ausdruck brin
gen, als ich sage, daß diese Legitimation nur ausreicht, wenn Sie, meine
Damen und Herren des Deutschen Hydrographischen Instituts, mir Ihre gut
willige Hilfe und Ihre stete, selbständige Mitarbeit und Mitwirkung geben.
Erst dann wird das Institut durch uns gemeinsam seine sehr vielseitigen
und schwierigen Aufgaben erfüllen können.
Hierzu möchte ich als ehemaliger Schüler Max P 1 а n с к ' s mit einem
sehr aktuellen Problem aus der modernen theoretischen Physik schließen,
das anfangs ungewöhnlich oder gezwungen erscheinen mag, das aber schließ
lich wegen seiner sinnvollen Deutung für ms von bleibendem Wert sein soll:
Kritische Überlegungen, die mit der sogenannten üngenauigkeitsrelation des
Prof. Heisenberg Zusammenhängen, haben gezeigt, daß man im Mikro
kosmos, im Atomaren, keine Experimente, keine Messungen durchführen kann,
ohne daß man die Vorgänge im Atom beeinflußt oder stört. Unsere wissenschaft
liche Arbeit auf diesem Gebiet der Physik besteht darin, daß wir Prägen über
die Hatur des Mikrokosmos stellen in der Sprache, die wir besitzen, und daß
wir eine Antwort erhalten, die durch den Eingriff in Form unserer Frage be
einflußt ist: Also dadurch, daß wir experimentell messen und beobachten,
wirken wir ein in einer Richtung und einem Ausmaß, die unserer Erkenntnis
und unserem Einfluß entzogen wird. Diese Situation der Quantentheorie lehrt
uns., wie es der Atomphysiker Miels Bohr ausgedrückt und gedeutet hat: Wir
sollen beim Suchen und Streben nach der notwendigen Harmonie in einer Ge
meinschaft uns immer bewußt sein, daß wir im Schauspiel einer Gemeinschaft
stets gleichzeitig Zuschauer und Mitwirkende sind.