Jahresbericht Nr. 17/1962
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Die Forschungstätigkeit - Die Meeresforschung ist teuer. Die Zeit, als
Benjamin Franklin die erste Golfstromkartierung aus eigener Tasche bezahlte,
liegt fast 200 Jahre zurück. Heute kann Meeresforschung erfolgreich nur von
großen Institutionen betrieben werden, die über Forschungsschiffe und ein um
fangreiches Spezialinstrumentarium, über Laboratorien und elektronische Aus
werte- und Bechenanlagen sowie über einen geschulten Stab seefester Fachkräf
te verfügen. Da ein Forschungsschiff an verschiedenen Stellen immer nur zeit
lich nacheinander arbeiten kann, zeigen die Ergebnisse eine zeitlich "ver
wischte" Augenblicksaufnahme, die besonders in Seegebieten mit großen zeit
lichen und räumlichen Änderungen der Meßwerte zu Mißdeutungen führen kann und
geführt hat. So ist man dazu übergegangen, wichtige Probleme mit mehreren For
schungsschiffen gleichzeitig in sogenannten "multiple ship programs" zu unter
suchen. Das überschreitet jedoch die Möglichkeit eines einzelnen Landes, so
daß der Meeresforschung ein "Zwang" zu internationaler Zusammenarbeit immanent
ist, für die sie sich verschiedene staatliche und nichtstaatliche Organisations
formen geschaffen hat. Das VFS "Gauß" nahm 1958 an den Polarfront-Untersuchun
gen im Nordatlantischen Ozean, an denen etwa 20 Forschungsschiffe beteiligt wa
ren, und I960 an der Untersuchung der Überströmung des Island-Färöer-Rückens
durch subarktisches Tiefenwasser, an der 9 Forschungsschiffe beteiligt waren,
teil. In nicht allzu ferner Zeit werden jedoch automatische Stationen einen
Teil der bisherigen Tätigkeit von Forschungsschiffen, wie z.B. Salzgehalts-,
Temperatur- und Strömungsmessungen, in verschiedenen Tiefen übernehmen und über
Funk fernmelden. Internationale Verhandlungen über die für diesen Zweck zur Ver
fügung stehenden Frequenzen sowie über den Schutz dieser Stationen sind bereits
im Gange.
Die Arbeit auf Forschungsschiffen ist nicht leicht. Sie erfolgt pausenlos
tags und nachts, sonn- und wochentags, unter oft schwierigen Wetter- und See
gangsverhältnissen. Unsere Arbeiten erstrecken sich auf die Messung des physi
kalisch-chemischen Aufbaues und der dynamischen Vorgänge im Meere, an seiner
Oberfläche und am Meeresboden sowie über deren räumliche und zeitliche Ände
rungen. Ferner werden die Radioaktivität, die Bodenbeschaffenheit, die Sandwan
derung sowie Sonderfragen, wie die Bildung und Auflösung von Temperatursprung
schichten und Vermischungsvorgänge im Meer, untersucht. Das Instrumentarium be
steht aus von Bord aus einsetzbaren oder auslegbaren selbsttätig registrieren
den Meßgeräten, die zum Teil im D.H.I. entwickelt, beschafft, geprüft und be
treut werden müssen.
Die Aufbereitung, Bearbeitung und Veröffentlichung der Beobachtungen ge
schieht an Land und erfordert nach einer amerikanischen Statistik etwa das